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Automobile Kratzer im Autolack

02.10.2006 ·  Die großen drei sind inzwischen eher die „maroden drei“: General Motors, Ford und Chrysler sind in Not. Die Industrie baut die falschen Autos. Nicht nur in Amerika.

Von Gerald Braunberger
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Der Pariser Autosalon bietet dem Besucher in diesem Jahr wie üblich eine Kombination aus neuen Modellen und Prototypen der großen Fahrzeughersteller der Welt. Als eine der bedeutendsten Fachmessen in ihrer Branche eignet sich die Messe auch für einen Stimmungstest unter den großen Herstellern. Der Befund ist offensichtlich: Die Automobilindustrie blickt der Zukunft eher bangend als zuversichtlich entgegen. Nicht wenige Konzerne befinden sich in einer schwierigen Lage.

Das gilt zuvörderst für die amerikanischen Hersteller, die man lange als „große drei“ bezeichnete, obgleich sich angesichts ihrer chronischen Probleme allmählich eine Umbenennung in „marode drei“ anbieten würde.

Spritschlucker ohne Zukunft

Die Amerikaner haben im Unterschied zu den Japanern lange nicht akzeptiert, daß im Zeitalter hoher Treibstoffpreise Spritschlucker keine Zukunft besitzen. Der anschließende Versuch, schwerverkäufliche Modelle mit Hilfe gewaltiger Rabatte in den Markt zu drücken, hat, wie zu erwarten, die Ertragsrechnung verhagelt. Nun ist der Jammer groß.

Bei Ford hat das Familienmitglied Bill Ford den Vorstandsvorsitz abgegeben und sich mit Alan Mulally einen Flugzeugmanager ins Haus geholt, der bis 2008 mindestens 30.000 Arbeitsplätze abbauen will und frühestens für 2009 einen Gewinn erwartet. Das läßt eine sehr komplizierte Sanierung erwarten.

Die Amerikaner machen keinem mehr Angst

Nicht viel besser geht es dem Marktführer General Motors (GM), wo Vorstandschef Rick Wagoner auf Drängen eines wichtigen Aktionärs Gespräche mit Renault-Nissan über eine Allianz führen muß, an der Wagoner selbst keinerlei Interesse besitzt. Vor wenigen Tagen hat mit Chrysler der kleinste unter den „großen drei“ seine Prognose reduziert und Sparmaßnahmen in Aussicht gestellt. Niemand sollte die amerikanische Autoindustrie abschreiben, aber in ihrer gegenwärtigen Verfassung macht sie wohl niemandem mehr angst - höchstens sich selbst.

Für die Europäer ist die Schwäche der Amerikaner kein Anlaß zur Freude. Sie sollte eher als Schreckensszenario betrachtet werden, was auch den Europäern drohen kann, wenn sie am Markt vorbei bauen. Auch auf dem alten Kontinent strotzen nicht alle Konzerne vor Gesundheit. So bleibt Fiat der „kranke Mann“ mit schwer kalkulierbarer Zukunft. Bei PSA Peugeot Citroën wird anstelle des bald ausscheidenden Jean-Martin Folz ein neuer Mann energische Maßnahmen ergreifen müssen, um die Modellpalette zu erneuern und die Rentabilität des Zwei-Marken-Konzerns zu steigern.

Weder Renault noch Nissan in Topform

Sogar im Reich des als Wundermann verklärten Carlos Ghosn werden Kratzer im Lack sichtbar. Weder Renault noch Nissan befinden sich in Topform. Die deutschen Hersteller schlagen sich mehrheitlich gut; allerdings muß besonders Volkswagen seine Kosten in den Griff bekommen. BMW schwebt seit geraumer Zeit auf einer Wolke, von der manche Beobachter meinen, sie werde den Konzern nicht mehr lange tragen. Mercedes versucht, sein etwas angekratztes Image aufzupolieren, verdient aber wie die weiß-blaue Konkurrenz jede Menge Geld.

In einer von Überkapazitäten geplagten Branche - und das praktisch ohne Globalisierungsdruck, weil es keine bedeutende Konkurrenz aus Schwellenländern gibt - erscheinen Spekulationen über Allianzen oder gar Fusionen normal. Schließlich könnte ein riesiger Verbund von seinen Zulieferern niedrigere Preise verlangen und so erhebliche Kosten sparen. Renault und Nissan stehen als Beispiel für eine gedeihliche Allianz. Toyota setzt auf die entgegengesetzte Strategie des Alleingangs und fährt damit sehr gut. Vieles spricht dafür, daß die Autoindustrie vor Umwälzungen steht.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.10.2006, Nr. 39 / Seite 38
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