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Automobile „Kaufen in schlechten Zeiten, verkaufen in guten“

Andreas Renschler, Nutzfahrzeugvorstand bei Daimler-Chrysler spricht im Interview über den Deal zwischen MAN und Scania und fordert breitere Autobahnen in Deutschland.

© dpa/dpaweb Vergrößern Kein Interesse an Scania

Mit schweren Lastwagen verdient der Daimler-Chrysler-Konzern derzeit prächtig. Das muß nicht so bleiben. Die Geschäfte sind zyklisch, und die Konkurrenz schläft nicht: Mit der geplanten Übernahme von Scania würde MAN die Daimler-Lastwagen als Marktführer in Westeuropa abhängen. Nutzfahrzeug-Chef Andreas Renschler gibt sich gelassen. Die Truck-Group, wie die Sparte inzwischen heißt, sei schneller und flexibler geworden. „So halten wir die Jäger auf Abstand“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z.. Gute Zahlen hat Renschler auch nötig: Sein Vorstandsvertrag läuft im Herbst 2007 aus.

Herr Renschler, warum haben Sie nicht Scania gekauft?

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Dazu gehört ein Wollen.

Das fehlt Ihnen?

Wir beobachten das aus einer gewissen Gelassenheit heraus, denn wir sind der Weltmarktführer. Wir sind schon so gut aufgestellt, daß wir die gewünschten Skaleneffekte mit den vorhandenen Produkten und Marken erzielen. Außerdem hätten wir Scania vermutlich aus kartellrechtlichen Gründen nicht kaufen können, wenn wir denn gewollt hätten.

Aber Scania ist profitabler als Daimler-Chrysler.

Man muß immer das Gesamtbild sehen. Scania ist nur in Europa tätig und auf Heavy Trucks spezialisiert, ähnlich wie unsere Marke Mercedes-Benz. Deswegen müssen Sie Scania mit Mercedes-Benz vergleichen. Wie profitabel Mercedes-Benz ist, werde ich Ihnen aber nicht sagen.

Mit anderen Worten: Größe an sich ist kein Vorteil.

Es kommt immer auf den Vergleich an. Porsche ist ja auch profitabler als Volkswagen. Deswegen kann man aber nicht sagen, ab jetzt bauen wir nur noch Sportwagen. Unsere Aufgabe bei Daimler-Chrysler ist es, unsere Nutzfahrzeugmarken weltweit nach vorne zu bringen. Wir nutzen Synergievorteile, beispielsweise haben wir die Motoren-Plattform für schwere Lastwagen von vier auf eine reduziert, wir nutzen eine gemeinsame Elektronikplattform, haben eine einheitlich Cockpitstrategie bis hin zu nur noch einem gemeinsamen Lenkrad.

Unser Eindruck ist, daß die Wettbewerber schneller sind. Die Jäger sind hungriger als die Gejagten.

Genau. Das wissen wir auch, und deswegen haben wir unsere Sparte auf Lastwagen und Busse fokussiert. Die Truck Group, wie sie jetzt heißt, ist schneller und flexibler geworden. So halten wir die Jäger auf Abstand.

Und wann sind Sie so profitabel wie Scania?

Schauen Sie sich doch mal unser zweites Quartal an, da haben wir gezeigt, was wir können. Im übrigen sind wir ja schon sehr profitabel und verzeichnen derzeit die höchsten Steigerungsraten aller Lastwagenhersteller.

Momentan hilft die gute Konjunktur.

Die hilft ja allen. Für uns geht es darum, den Mindestverzinsungsanspruch des Konzerns auch dann zu erreichen, wenn der Markt schwächer wird. Auch die Wettbewerber machen die Marktzyklen mit, nur sind sie im letzten Konjunkturtal nicht so abgerutscht wie wir. Aber das wird uns nicht noch mal passieren.

Sind Sie sicher?

Ja, wir haben uns mit unserem Programm Global Excellence darauf vorbereitet. Wir sind zahlreiche Themen angegangen. Wir haben unsere Struktur schlagfertiger gemacht und haben uns unser Portfolio genau angeschaut. In Amerika haben wir unser Feuerwehrgeschäft American La France verkauft, haben uns bei unserer japanischen Tochtergesellschaft Fuso von einer Gießerei getrennt und viele weitere kleine Schritte unternommen auf dem Weg zu mehr Profitabilität. Dabei gilt der Grundsatz: Verkaufen in guten Zeiten, kaufen in schlechten.

Den hat MAN aber jetzt nicht beherzigt.

Das sagen Sie.

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