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Automobile Insiderhandel bei Daimler vermutet

17.08.2005 ·  Der Verdacht, daß es bei Schrempps Rücktritt zu Insidergeschäften mit Daimler-Aktien gekommen ist, verdichtet sich. Die Bafin leitet aufwendige Ermittlungen ein.

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Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) vermutet einen Insiderhandel mit Aktien des Autobauers Daimler-Chrysler. Bei der Prüfung des Kursverlaufs im Vorfeld der Rücktrittsankündigung von Unternehmenschef Jürgen Schrempp habe es Abweichungen vom gewöhnlichen Muster gegeben, sagte Behördensprecherin Sabine Reimer am Mittwoch. „Wir haben deshalb die Routineprüfung endgültig hinter uns gelassen und eine förmliche Untersuchung eingeleitet.“

Bereits kurz vor der offiziellen Bekanntgabe des Schrempp-Rückzugs Ende Juli hatte der Kurs deutlich zugelegt. Nach Reimers Angaben haben die Wertpapieraufseher inzwischen ihre daraufhin eingeleitete Analyse mithilfe von Computerprogrammen abgeschlossen. Nun lassen sie sich von sämtlichen Kreditinstituten offenlegen, wer „im gesamten zeitlichen Umfeld“ der Bekanntgabe Daimler-Aktien gekauft hat. Dabei werde dann nach etwaigen „Querverbindungen“ zu Insidern etwa aus dem Konzern gesucht, sagte Reimer.

Kontrollen über offizielle Insiderlisten hinaus

Die Allfinanzaufsicht nutzt dabei nicht nur die Insiderlisten, die börsenotierte Aktiengesellschaften nach dem Anlegerschutzverbesserungsgesetz neuerdings führen müssen. „Wir haken im Unternehmen konkret nach, wer wann konkret etwas gewußt hat.“ In Betracht kämen auch Transaktionen, die zwar nach der offiziellen Ad-hoc-Meldung ausgeführt, aber schon vorher in Auftrag gegeben worden seien. Bestimmte Verdächtige gebe es noch nicht, unterstrich Reimer.

Bei einem so großen Wert wie der Daimler-Aktie könne es einige Wochen dauern, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien. Wenn sich der Verdacht bestätige, werde die Bafin Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Insiderhandels oder Kursmanipulation stellen. Dann komme es womöglich auch zu Durchsuchungen oder Beschlagnahmungen. Im vergangenen Jahr nahm die Behörde mehr als 1700 Kursverläufe näher unter die Lupe; in 128 Fällen fand sie dabei Anhaltspunkte für eine Straftat.

Personalentscheidung nicht sorgfältig geheim gehalten

Bei Daimler-Chrysler werden die Untersuchungen nicht kommentiert. Angaben, wie viele Insider überhaupt zu den potentiell Verdächtigen gehören könnten, gibt es von dem Autokonzern nicht. Ständige Insider sind nur einige wenige Personen aus dem Vorstand und dem Kreis der ihnen unmittelbar Zuarbeitenden. Allerdings werden fallweise die jeweils informierten Mitarbeiter ebenfalls zu Insidern erklärt.

Jürgen Grässlin vom Dachverband der Kritischen Aktionäre von Daimler-Chrysler hatte bereits unmittelbar nach der Rücktrittsankündigung von Daimler-Chef Jürgen Schrempp den Vorwurf erhoben, diese Personalentscheidung sei nicht sorgfältig geheim gehalten worden. Er selbst habe bereits am 16.Juli, also zwölf Tage vor Bekanntgabe des Schrempp-Rücktritts, davon Kenntnis erlangt. „Mit diesem Sachverhalt wären Insidergeschäften Tür und Tor geöffnet gewesen“, meint Holger Rothbauer, der Grässlin juristisch vertritt. Von Grässlin hat Daimler-Chrysler eine Unterlassungserklärung für diese Behauptung gefordert.

„So dämlich kann doch keiner sein“

Analysten halten es für unwahrscheinlich, daß der Insiderverdacht sich erhärten wird. „So dämlich kann doch keiner sein“, urteilt Arndt Ellinghorst von Dresdner Kleinwort Wasserstein. „Jeder Marktteilnehmer wußte, daß die Aktie mindestens 1 Prozent gewinnt, wenn Schrempp zurücktritt. Wenn sich jemand da im Vorfeld positioniert, muß ihm klar sein, daß er etwas Unrechtmäßiges tut.“

Für den Aktienanstieg seit dem Tief nahe 30 Euro in der zweiten Aprilhälfte gebe es einfache Erklärungen, meint Ellinghorst und stimmt darin mit anderen Analysten überein: Man habe klar gesehen, daß es viel Bewegung in der Daimler-Aktie gab. Nach Volkswagen habe man die nächste Restrukturierungsstory bei dem Stuttgarter Autokonzern gesehen. Die Hoffnung, daß die Wende bei Mercedes schnell gelinge, habe sich ergänzt mit der Einschätzung, daß die Sanierung von Chrysler nachhaltig sei und weiter gute Zahlen bei den Nutzfahrzeugen und den Financial Services zu erwarten seien.

Quelle: jja./sup., F.A.Z., 18.08.2005, Nr. 191 / Seite 9
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