19.02.2007 · Die Spekulationen halten sich beständig: Der größte amerikanische Autokonzern General Motors (GM) wird als möglicher Käufer von Chrysler noch immer hoch gehandelt. Doch Analysten zweifeln am Sinn einer Kombination der Unternehmen.
Der größte amerikanische Autokonzern General Motors (GM) wird als möglicher Käufer von Chrysler weiter hoch gehandelt. Die vor wenigen Tagen erstmals aufgekommenen Spekulationen, wonach GM die zur Disposition gestellte Tochtergesellschaft des Stuttgarter Daimler-Chrysler-Konzerns komplett übernehmen könnte, hielten sich zu Wochenbeginn hartnäckig weiter.
Am Montag berichtete die „Detroit News“, dass die beiden Autobauer seit zwei Monaten ernsthafte Gespräche führen. Dieter Zetsche und Rick Wagoner, die Vorstandsvorsitzenden von Daimler-Chrysler und GM, hätten sich erstmals im Dezember getroffen und eine Kombination diskutiert. Seither seien die beiden Seiten wiederholt zu Gesprächen zusammengekommen, auch unter Beteiligung der Finanzvorstände Bodo Uebber und Fritz Henderson. Die beiden Unternehmen selbst verweigern seit Tagen jeglichen Kommentar zu den Gerüchten.
Spekulationen überschlagen sich
Daimler-Chrysler hatte seine mit Schwierigkeiten kämpfende Tochtergesellschaft am vergangenen Mittwoch offiziell zum Verkauf freigegeben. Zetsche sagte bei der Bilanzpressekonferenz am Chrysler-Hauptsitz in Auburn Hills nahe Detroit, „strategische Optionen“ für die Tochtergesellschaft seien zu prüfen. Dabei wies er ausdrücklich darauf hin, keine Option auszuschließen - und machte damit einen Verkauf zu einem möglichen Szenario. Zu konkreteren Aussagen wollte sich Zetsche nicht hinreißen lassen.
Seither überschlagen sich die Spekulationen, was mit Chrysler passieren könnte. Wiederholt kamen Medienberichte auf, in denen von Übernahmeverhandlungen mit GM die Rede war. Analysten brachten auch den französisch-japanischen Autoverbund Renault-Nissan ins Gespräch. Der von Carlos Ghosn geführte Hersteller hat im vergangenen Jahr Gespräche über eine weitreichende Partnerschaft mit GM geführt, allerdings ging es dabei nicht um einen Zusammenschluss. Als weitere Optionen wurden asiatische Unternehmen genannt, also zum Beispiel der koreanische Hyundai-Konzern oder Hersteller aus der aufstrebenden Autonation China. Renault-Nissan wollte sich bislang nicht äußern, Hyundai wies am Montag jegliches Interesse von sich. Ein Sprecher sagte, das Unternehmen habe alle Hände voll mit anderen Dingen zu tun.
Beteiligungsgesellschaften könnten Interesse haben
Jenseits von Autokonzernen könnten sich auch Beteiligungsgesellschaften für Chrysler interessieren. Finanzinvestoren haben sich in jüngster Zeit der Branche genähert, indem sie sich bei Zulieferern eingekauft haben. Erst vor wenigen Tagen hat der Investor Carl Icahn eine Übernahmevereinbarung mit dem Autositzhersteller Lear geschlossen.
Neben einem Verkauf von Chrysler kämen freilich auch andere Optionen in Frage. Denkbar wären eine vollständige Abspaltung oder auch ein teilweiser Börsengang. Im Markt scheint sich aber ein Verkauf mittlerweile als das wahrscheinlichste Szenario herauszukristallisieren. In jedem Fall treibt die Aussicht auf eine Trennung vom amerikanischen Sorgenkind, das im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro eingefahren hat, seit Tagen den Aktienkurs von Daimler-Chrysler an. Am Montag gab es abermals ein Plus von 4 Prozent auf mehr als 56 Euro. Gegenüber dem Kurs vom vergangenen Dienstag, dem Tag vor der Ankündigung eines möglichen Verkaufs, notiert die Aktie nun 14 Prozent höher. Daimler-Chrysler hat die Investmentbank J.P. Morgan engagiert, um die Optionen zu sondieren und einen möglichen Verkaufsprozess zu begleiten.
Kopfschütteln bei Analysten
Die Berichte über eine Übernahme von Chrysler durch GM sorgen bei Analysten bislang für Kopfschütteln. „Beide Hersteller haben genügend eigene Probleme“, sagte David Healy von Burnham Securities. John Casesa, Branchenberater und früherer Analyst bei Merrill Lynch, sagte: „GM würde seine eigene Sanierung deutlich erschweren.“ In der Tat hat sich GM nach schwerer Schieflage zwar wieder etwas stabilisiert, ist aber noch nicht aus dem Schneider. GM hat im Jahr 2005 einen Verlust von 10,6 Milliarden Dollar ausgewiesen. Das Unternehmen leitete ein massives Sanierungsprogramm ein und trennte sich von 34.000 Mitarbeitern. Im Autogeschäft auf dem amerikanischen Heimatmarkt - der Hauptursache für die Schieflage - kämpft GM aber noch immer mit Problemen. GM hat außerdem jetzt schon zu viele Marken, und einige von ihnen haben kein klares Profil. Allein in Amerika kommt GM auf acht Marken, manche davon wie Pontiac oder Buick gelten als Problemfälle. Mit Chrysler kämen drei neue Markengruppen - Chrysler, Jeep und Dodge - dazu, und es gäbe eine Vielzahl von Überschneidungen.
Für die gebeutelte Autostadt Detroit ist der Zusammenschluss von zwei ihrer drei ortsansässigen Unternehmen ein angsteinflößendes Szenario, denn es könnte abermals zu massiven Stellenstreichungen kommen. Wirtschaftsprofessor Gerald Meyers von der University of Michigan sagte dieser Zeitung: "Wenn Sie meinen, die bisherigen Entlassungen sind umfangreich: Dieser Zusammenschluss würde ein Blutbad anrichten."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| Dow Jones | 12.408,60 | −0,09% |
| EUR/USD | 1,2366 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 102,30 $ | −0,92% |
| Gold | 1.540,00 $ | 0,00% |
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