07.06.2005 · Der weltgrößte Autohersteller General Motors will nach harten Sanierungsschnitten in Europa nun auch in Amerika bis 2008 mindestens 25.000 Stellen streichen sowie Auto- und Komponentenwerke schließen.
Der schwer angeschlagene Autohersteller General Motors (GM) Corp., Detroit, reagiert mit einer drastischen Personalsenkung auf die derzeitige Krise. Das Unternehmen will in Amerika bis zum Jahr 2008 insgesamt 25.000 Beschäftigte in der Produktion abbauen. Das ist deutlich mehr als ein Fünftel der gesamten Mitarbeiterzahl in Amerika, die bei 111.000 liegt. GM will damit jährliche Einsparungen von 2,5 Milliarden Dollar erzielen.
Mit dem Personalabbau will GM seine Produktionskapazitäten den geschrumpften Absatzzahlen anpassen. GM erwartet, im Zusammenhang mit dem Kapazitätsabbau ganze Fertigungsstätten zu schließen, wollte dazu aber keine konkreten Angaben machen. Die Restrukturierung ist das zweite Massenentlassungsprogramm innerhalb eines Jahres. Im vergangenen Herbst hatte GM bereits für den europäischen Markt eine Restrukturierungspaket mit dem Abbau von 12.000 Stellen eingeleitet. GM kündigte die neuen Einschnitte bei seiner Aktionärsversammlung in Wilmington an.
In schwerer Krise
GM ist in diesem Jahr in eine schwere Krise gestürzt, die insbesondere mit einer schwachen Entwicklung auf dem Heimatmarkt zu tun hat. Das Unternehmen mußte deutliche Rückgänge bei seinen Verkaufszahlen hinnehmen. Insbesondere leidet GM unter einer Abschwächung in seinem lukrativen Geschäft mit Großraumautos, vor allem den Sportwagen (Sport-Utility-Vehicle, SUV). Aufgrund der schwachen Umsatzentwicklung machen sich die hohen Kosten des Unternehmens umso mehr bemerkbar. Dazu gehören vor allem die hohen Belastungen, die GM für die Gesundheitsversorgung seiner Mitarbeiter und Pensionäre zu tragen hat. Dieser Posten wird in diesem Jahr auf 5,6 Milliarden Dollar geschätzt. Für das erste Quartal hat GM einen Nettoverlust von 1,1 Milliarden Dollar ausgewiesen, der auf das amerikanische Autogeschäft zurückzuführen ist.
Wagoner bleibt Einzelheiten schuldig
Der schwer unter Beschuß stehende Chief Executive Officer und Chairman Rick Wagoner blieb allerdings konkrete Einzelheiten schuldig, wie das Unternehmen die schleppende Absatzentwicklung wieder ankurbeln will. In einem Vier-Punkte-Programm wiederholte er im wesentlichen, was sein Marketing-Chef Mark LaNeve schon vor wenigen Wochen angekündigt hat. Demnach will GM seine Modellpalette straffen, allerdings keine seiner acht Markenfamilien ganz aufgeben. Viele Modelle aus den verschiedenen Markengruppen sind sich bislang sehr ähnlich. Künftig sollen sich sechs der acht Markenfamilien auf "gezielte Nischen" konzentrieren und damit in einigen Fällen weniger neue Modelle als bislang auf den Markt bringen. Lediglich die Massenmarke Chevrolet und die Luxusgruppe Cadillac würden auch künftig eine komplette Produktpalette haben.
Deutlicher als bisher wurde Wagoner bei den Gesundheitskosten. GM ist bislang durch großzügige Vereinbarungen mit den Gewerkschaften dazu verpflichtet, nahezu die kompletten Gesundheitsaufwendungen seiner Mitarbeiter und Pensionäre zu übernehmen. Diese Aufwendungen belasten nach Angaben von GM die Fertigung jedes Autos mit 1500 Dollar. Der nächste Tarifvertrag steht erst für das Jahr 2007 an GM versucht aber schon jetzt, den Gewerkschaften Zugeständnissen abzuringen. Wagoners Worte klangen nach einer Drohung, notfalls den Weg der Kooperation zu verlassen: "Was passiert, wenn wir keine schnelle Übereinkunft mit der Gewerkschaft erzielen? Ich denke, es nützt wenig, darüber zu spekulieren. Lassen Sie mich nur sagen, daß die von uns bevorzugte Lösung in Übereinkunft mit der Gewerkschaft entstehen würde".
Finanzsparte unter Druck
Wagoner kündigte außerdem an, über die Zukunft der Finanzsparte GMAC, die zum Beispiel Kredite an Verbraucher gibt, nachzudenken. GMAC wird von den Schwierigkeiten im Autogeschäfts nach unten gezogen. Nach Angaben von Wagoner haben die jüngsten Herabstufungen durch Kreditbewertungsagenturen auf das Niveau von Ramschanleihen für zusätzliche Belastungen gesorgt. Obwohl GMAC sich in besserer wirtschaftlicher Verfassung befindet als das Autogeschäft, steht auch GMAC auf "Junk" und hat damit höhere Refinanzierungskosten bei der Kapitalaufnahme zu tragen. Viele Analysten fordern eine Aufspaltung von GMAC, und manche Beobachter meinen, daß auch der Investor Kirk Kerkorian mit seinem kürzlichen Einstieg bei GM dieses Ziel verfolgt. Wagoner sagte nun: "Wir prüfen die strategischen Optionen, die uns zur Verfügung stehen", Details dazu wollte er aber nicht nennen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,57 | −1,05% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2448 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,48 $ | −1,28% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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