07.11.2007 · General Motors muss 39 Milliarden Dollar abschreiben. Das teilte der Konzern vor Veröffentlichung aktueller Geschäftszahlen mit. Nun droht der höchste Jahresverlust der GM-Geschichte. Dem Konkurrenten Toyota geht es dagegen blendend.
Von Norbert KulsDer größte amerikanische Autohersteller General Motors Corp. (GM) hat trotz seines Sanierungskurses überraschend einen Rekordverlust von fast 39 Milliarden Dollar im dritten Quartal ausgewiesen. Grund dafür ist eine gigantische Sonderbelastung in Zusammenhang mit amerikanischen Bilanzierungsvorschriften. Erwartete Steuervergünstigungen aus früheren Verlusten in den Vereinigten Staaten, Kanada und Deutschland könnten nicht in vollem Umfang genutzt werden, hieß es.
Aufgrund der Bilanzierungsvorschriften muss GM in diesem Quartal eine Wertberichtigung von 38,6 Milliarden Dollar bilden, die sogenannte latente Steuerforderungen aus früheren Verlustjahren auslöscht. Dies ist eine Besonderheit der Bilanzierung nach den GAAP-Regeln: Wenn ein Unternehmen wie GM in den vergangenen Jahren Verluste gemacht hat, muss es keine Steuern zahlen, aber latente Steuerforderungen buchen, die dann in den kommenden Jahren mit einem erwarteten Gewinn verrechnet werden können. Wenn ein Unternehmen diese Forderungen abschreibt, bedeutet das, dass der Konzern nicht mehr damit rechnet, die Verluste aus den Vorjahren mit Gewinn verrechnen zu können.
„Das signalisiert, dass das Unternehmen mit einer schwachen Geschäftsentwicklung rechnet“, sagt Birgit Kretschmer, Steuermanagerin bei der Steuerberatung Brix & Partners in New York. Der Finanzchef von GM, Fritz Henderson, betonte, die Abschreibungen würden sich nicht auf die Liquidität auswirken. Der Konzern musste die Abschreibung überraschend vornehmen, weil sich die akkumulierten Quartalsgewinne über einen Zeitraum von drei Jahren verschlechtert hatten. "Wirtschaftlich existieren die Steuervorteile noch. Wir können sie nutzen, wenn wir Gewinn machen", so Henderson.
„Es hat keinerlei Auswirkungen auf das Geschäft“
Der GM-Vorstandsvorsitzende Richard Wagoner räumte allerdings ein, dass die Abschreibung nicht einfach zu erklären ist. „Ich glaube, man braucht einen Doktortitel in Wirtschaftsprüfung, um es zu verstehen“, sagte Wagoner in einem Radiointerview. „Es hat keinerlei Auswirkungen auf das Geschäft. Ich empfehle den Leuten, nicht überzureagieren“, sagte Wagoner. Aufgrund der Wertberichtigung verbuchte der Autohersteller insgesamt einen Nettoverlust von 38,96 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte GM einen Verlust von 147 Millionen Dollar ausgewiesen.
Auch ohne die Berücksichtigung von Sonderfaktoren wies GM einen Nettoverlust von 1,6 Milliarden Dollar aus. Das war rund achtmal so viel, wie Analysten im Durchschnitt erwarten hatten. Der Aktienkurs von GM reagierte im frühen Handel an der New Yorker Börse mit einem Verlust von knapp 4 Prozent.
GM machte im schwierigen amerikanischen Automarkt weiter Verluste. Im operativen Geschäft fuhr der Konzern in Amerika einen Verlust von 247 Millionen Dollar ein. Der Konzern hat auf dem Heimatmarkt mit scharfer Konkurrenz japanischer Hersteller und steigenden Benzinpreisen zu kämpfen. Auch in Europa machte GM Verluste, im weltweiten Automobilgeschäft wies der Konzern allerdings einen leichten Gewinn von 122 Millionen Dollar aufgrund seiner Stärke in den Regionen Asien und Lateinamerika aus.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,57 | −1,05% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2448 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,48 $ | −1,28% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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