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Automobile Ford weiter in der Verlustzone

23.10.2006 ·  Riesige Verluste im Nordamerika-Geschäft haben Ford im dritten Quartal abermals tiefrote Zahlen beschert. Der neue Konzernchef Alan Mulally bezeichnete die Geschäftsergebnisse als „eindeutig nicht akzeptabel“.

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Der amerikanische Autokonzern Ford Motor hat im dritten Quartal 2006 vor allem wegen riesiger Verluste in Nordamerika auf vorläufiger Basis einen Verlust von 5,8 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) verbucht. Der Verlust pro Aktie betrug 3,08 Dollar. Dies hat der zweitgrößte amerikanische Autokonzern am Montag bekannt gegeben.

Ford hatte in der entsprechenden Vorjahreszeit rote Zahlen von 284 Millionen Dollar oder 15 Cent je Aktie geschrieben. Ford gab gleichzeitig bekannt, daß die Gesellschaft ihre Bilanzzahlen von 2001 bis zum zweiten Quartal 2006 revidieren werde. Dies werde aber keinen Einfluß auf die Barmittel des Unternehmens haben, erklärte Ford.

„Eindeutig nicht akzeptabel“

Anlaß für die Neuberechnung seien Zinsderivate (Swaps), mit denen Ford seine Schulden absichere. Diese seien falsch verbucht worden. Im Jahr 2002 werde die Neuberechnung die Ergebnisse von Ford und seinem Finanzarm Ford Motor Credit verbessern. Welche Auswirkung sich für andere Jahre ergebe, werde noch berechnet, erklärte Ford. Ford wolle seine endgültigen Zahlen bei der Vorlage des so genannten 10-Q-Berichts an die amerikanische Wertpapier- und Börsenbehörde SEC bekannt geben.

Ford verbuchte im Juli-September-Abschnitt einen Umsatz von 36,7 Milliarden Dollar. Das entsprach einem Rückgang von 4,1 Milliarden Dollar. Der neue Ford-Konzernchef Alan Mulally, der von Boeing zu dem Autoriesen gekommen war, bezeichnete die Geschäftsergebnisse als „eindeutig nicht akzeptabel“.

Geringer Absatz und ungünstiger Modellmix

Im operativen Geschäft verwies Ford vor allem auf Herausforderungen in den Regionen Nordamerika, Asien-Pazifik und Afrika sowie bei Automobilsparte Premier Automotive Group. Das Nordamerika-Geschäft weitete im dritten Quartal seinen Verlust auf 2,0 Milliarden Dollar vor Steuern aus. Im Vorjahreszeitraum hatte Ford hier ein Minus von 1,2 Milliarden Dollar verbucht.

Ford begründete die Entwicklung mit dem einem geringeren Absatz, einem ungünstigen Modellmix, Marktanteilsverluste und höheren Rabatten. Kosteneinsparungen konnten diese Belastungen den Angaben zufolge nur teilweise ausgleichen. Der Umsatz im Nordamerika-Geschäft ging auf 15,4 Milliarden von 18,2 Milliarden Dollar zurück.

Positive Entwicklungen im Südamerika-Geschäft

Auch in der Premier Automotive Group (PAG) kämpft Ford mit rückläufigen Absatz- und Umsatzzahlen. Bis auf Aston Martin seien die Verkäufe bei allen Marken der PAG zurückgegangen. Belastend wirkten sich zudem Garantierückstellungen bei Jaguar und Land Rover aus. Der Spartenverlust fiel mit 593 Millionen Dollar vor Steuern mehr als fünfmal höher als im Vorjahr aus. Damals belief sich das Minus auf lediglich 108 Millionen Dollar.

Positiv entwickelte sich den Angaben zufolge das Geschäft in Südamerika und der Finanzierungstochter Ford Credit. In Südamerika steigerte Ford nach eigene Angaben den Umsatz auf 1,5 (1,3) Milliarden Dollar und erwirtschaftete damit einen Vorsteuergewinn von 222 (96) Millionen Dollar.

Beschleunigte Sanierung

Die im Berichtszeitraum verbuchten Sonderaufwendungen stehen vor allem im Zusammenhang mit der laufenden Restrukturierung des Unternehmens. So nahm Ford in Nordamerika Abschreibungen auf Anlagevermögen von 2,2 Milliarden Dollar vor. Bei Jaguar und Land Rover beliefen sich die Wertberichtigungen auf 1,6 Milliarden Dollar. Die restlichen Aufwendungen wurden größtenteils für den laufenden Stellenabbau verwendet.

Für die ersten sechs Monate hatte der zweitgrößte amerikanische Automobilhersteller einen Verlust von 1,44 Milliarden Dollar ausgewiesen. Zudem kündigte Ford jüngst eine Beschleunigung beim Nordamerika-Restrukturierungsprogramm „Way Forward“ an. Ford werde zwar nun Werke früher als geplant schließen und mehr Mitarbeiter entlassen, im dritten Quartal dürfte sich dies aber noch nicht positiv auswirken, hatten Beobachter im Vorfeld der Zahlenpräsentation gesagt.

Bei Vorlage des überarbeiteten Restrukturierungsplans im vergangenen Monat hatte Ford angekündigt, daß der bislang auf 3,8 Milliarden Dollar veranschlagte Sonderaufwand vor Steuern für die Sanierung wegen der umfassenderen Maßnahmen nun deutlich höher ausfallen werde. Trotz der beschleunigten Sanierung rechnet Ford nicht vor 2009 damit, im nordamerikanischen Automobilgeschäft wieder in die Gewinnzone zu kommen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von DPA, Reuters und Dow Jones
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