15.09.2006 · Der angeschlagene amerikanische Autobauer Ford will weitere 10.000 Stellen in Nordamerika abbauen. Die bisher bekannten Einschnitte will der Konzern früher umsetzen als geplant.
Der neue Ford-Chef Alan Mulally hat nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt dem angeschlagenen amerikanischen Autohersteller einen verschärften Sparkurs verordnet. Branchenexperten vermißten jedoch einen großen Wurf. An der Börse brachen die Aktien am Freitag um mehr als zehn Prozent ein.
Der Autokonzern will bis Ende 2008 fünf Milliarden Dollar einsparen und plant den Abbau Tausender zusätzlicher Stellen. Zudem werde die geplante Streichung von 30.000 Arbeitsplätzen in nordamerikanischen Fabriken beschleunigt, erklärte Ford. Der Abbau soll nun bis Ende 2008 abgeschlossen sein. Bisher hatte sich die Nummer Zwei am US-Markt bis 2012 Zeit lassen wollen.
Ex-Boeing-Manager Mulally muß bei Ford seit seinem Amtsantritt vergangene Woche gegen einen kräftigen Absatzrückgang kämpfen, der ihn zu drastischen Schritten zwingt. In der Verwaltung sollen nun insgesamt die Stellen von 14.000 Mitarbeitern wegfallen - das wäre ein Drittel aller Angestellten in Nordamerika. Bisher war lediglich von 7000 Stellen die Rede. Das Ziel, bis 2008 in Nordamerika wieder schwarze Zahlen zu schreiben, verschob Ford auf 2009. In Summe sollen nun 16 Werke geschlossen werden, bisher war von 14 die Rede.
Ford behält Jaguar
Ford will sich zudem vom Sportwagenhersteller Aston Martin trennen. Einen Verkauf der Verluste schreibenden Luxusmarke Jaguar lehnte der Autobauer jedoch ab. Darüber war an den Märkten wiederholt spekuliert worden. Den nach Stunden bezahlten Arbeitskräften sollen Abfindungen von bis zu 140.000 Dollar (110.485 Euro) angeboten werden. Darüber hinaus wird Ford erstmals seit über zwei Jahrzehnten keine Quartalsdividende ausschütten.
Vielen Experten reichen die neuen Sparmaßnahmen nicht aus. „Eins erscheint uns so gut wie sicher - weitere Einschnitte werden folgen müssen“, sagten die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg. Andere Branchenexperten verweisen darauf, daß Ford seine Produktpalette grundlegend überarbeiten müsse. Zudem müsse der Einfluß der Ford-Familie reduziert werden.
Dritte Umstrukturierung in fünf Jahren
Der neue Zeitplan und der zusätzliche Stellenabbau sind Teil der dritten Umstrukturierung des Konzerns in fünf Jahren. Die Maßnahmen knüpfen an die bisherige Initiative „Way Forward“ an, die Ford im Januar vorstellte, um das Nordamerika-Geschäft zurück in die Gewinnzone zu bringen. Wie schon der Sanierungsplan von 2002 konnte das aktuelle Umstrukturierungsprogramm die Situation bei Ford bislang nicht bessern.
Branchenbeobachter halten den Schritt jedoch für unumgänglich. Der Markt habe sich so stark gewandelt und der Markanteil des Automobilbauers sei so rapide gesunken, daß es radikaler Einschnitte bedürfe. Und genau diese nehme Ford nun in Angriff. Interne Prognosen gehen davon aus, daß sich die Verluste des Konzerns im weltweiten Automobilgeschäft in diesem Jahr auf insgesamt über acht Milliarden Dollar verdoppeln dürften, berichteten vier Personen mit Zugang zu den Zahlen. Seit 1995 schrumpfte der Marktanteil des Automobilkonzerns in den Vereinigten Staaten stetig.
Vorsteuerverlust bis zu neun Milliarden Dollar erwartet
Laut einem Zeitungsbericht muß Ford in diesem Jahr mit einem Vorsteuerverlust von bis zu neun Milliarden Dollar rechnen. Grund dafür seien rote Zahlen in der Fahrzeugsparte sowie Kosten für die laufende Umstrukturierung, berichtete die Zeitung „Detroit News“ unter Berufung auf nicht näher genannte Ford-Kreise. Ein Ford-Sprecher bezeichnete den Zeitungsbericht als Spekulation, die er nicht kommentieren werde.
Anfang September hatte Ford überraschend die Konzernspitze ausgewechselt und sich mit Boeing-Manager Alan Mulally einen erfahrenen Sanierer ans Steuer geholt. Ford kämpft insbesondere am Heimatmarkt mit massiven Überkapazitäten und plant den Abbau Zehntausender Stellen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,57 | −1,05% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2448 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,48 $ | −1,28% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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