23.01.2006 · Nach Milliardenverlusten im Nordamerikageschäft will der Autohersteller Ford dort in den nächsten Jahren bis zu 30.000 Stellen streichen. Insgesamt sollen 14 Werke stillgelegt werden.
Der angeschlagene amerikanische Autobauer Ford will zwischen 25.000 und 30.000 Stellen streichen und 14 Werke in Nordamerika schließen. Diese Maßnahmen sind Teil eines Sanierungsprogramms, das der Konzern am Montag bekannt gab. Ford will so bis spätestens 2008 wieder in die schwarzen Zahlen kommen.
Durch die geplanten Maßnahmen würden die Lohnkosten in Nordamerika um zehn Prozent gesenkt. Die Produktionskapazitäten sollten bis 2008 um 26 Prozent verringert werden. Das Unternehmen wolle dabei die Netto-Materialkosten bis 2010 um mindestens sechs Milliarden Dollar reduzieren. Die Einschnitte gehören zu einem umfassenden Restrukturierungsprogramm, das Ford schon seit einiger Zeit angekündigt hat, dessen Details aber erst jetzt veröffentlicht werden.
Ford hatte nach zuletzt veröffentlichten Zahlen Ende 2004 insgesamt 122877 Mitarbeiter. Mit dem neuen Stellenabbau würde sich Ford also von fast einem Viertel seiner Mitarbeiter in der Region trennen. Die jetzt geplanten harten Einschnitte sollen innerhalb der nächsten vier Jahre umgesetzt werden.
Ähnlicher Weg wie GM
Ford geht damit einen ähnlichen Weg wie der ebenfalls angeschlagene Wettbewerber General Motors (GM), der im November den Abbau von 30.000 Stellen in Amerika bis zum Jahr 2008 angekündigt hat. Ford und GM haben auf dem amerikanischen Heimatmarkt große Schwierigkeiten: Ihre Verkaufszahlen gehen zurück, und sie leiden unter hohen Kosten. Beide Unternehmen haben allein im dritten Quartal in Amerika einen Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar ausgewiesen.
Ford paßt sich seinem geschrumpften Geschäft an: Das Unternehmen hat zehn Jahre in Folge in Amerika Marktanteile verloren. Die Einschnitte werden nicht nur Produktionsmitarbeiter, sondern auch Verwaltungsangestellte treffen. Ford hatte bereits im Herbst angekündigt, die Zahl seiner Verwaltungsangestellten in Nordamerika um 4000 oder 10 Prozent zu reduzieren. Auch einige hochrangige Manager von Ford werden das Unternehmen angeblich verlassen.
Teil der Restrukturierung soll auch eine Neuausrichtung der Produktpalette sein. So wird spekuliert, daß Ford seine erfolglosen Minivan-Modelle aufgibt und mit einer moderneren Produktreihe ersetzt. Die neuen Modelle basieren auf einem im vergangenen Jahr bei der Automesse in Detroit vorgestellten Konzeptauto.
Nach Milliardenverlusten in Nordamerika ein Gewinneinbruch
Ford hat außerdem seine Geschäftszahlen für das vierte Quartal des Jahres 2005 vorgelegt. Der Autobauer Ford hat 2005 nach Milliardenverlusten in Nordamerika einen Gewinneinbruch verbucht. Der Jahresgewinn 2005 fiel mit 2 Milliarden Dollar deutlicher geringer aus als 2004 mit 3,5 Milliarden Dollar. Dagegen hat Ford in Europa, Lateinamerika und Asien unter Ausklammerung von Sonderfaktoren mehr verdient. Bei der Luxusauto-Sparte Premier Automotive Group (PAG) gab es wegen der Marke Jaguar weitere Verluste, jedoch deutlich geringer als im Vorjahr.
„Unter Ausschluß von Nordamerika haben unsere Autooperationen 2005 große Fortschritte erzielt. Wir müssen weiter arbeiten, um unser Geschäft in jeder Region zu verbessern“, erklärte Ford-Konzernchef Bill Ford am Montag in Dearbon (Michigan).
Weniger schlimm als befürchtet
Im abgelaufenen Quartal hat Ford seinen Gewinn deutlich über den Erwartungen gesteigert. Für die Entwicklung sorgten nach Firmenangaben von Montag insbesondere die Finanzsparte sowie Einnahmen aus dem Verkauf der Mietwagenfirma Hertz. Ford-Aktien reagierten vorbörslich mit einem Kurssprung von fast sechs Prozent. Einen Ausblick für 2006 gab der Autobauer zunächst nicht.
Der Ford-Gewinn erreichte im Schlußquartal 2005 insgesamt 124 (Vorjahr: 104) Millionen Dollar oder acht (sechs) Cent je Aktie. Der Quartalsumsatz erhöhte sich auf 47,6 (44,9) Milliarden Dollar. Ford verdiente unter Ausschluß von Sonderfaktoren 26 (28) Cent je Aktie, während die Wall Street auf dieser Basis nur von einem Cent Gewinn ausgegangen war.
Die Zahlen des Wettbewerbers GM sind für den Donnerstag dieser Woche angekündigt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| Dow Jones | 12.408,60 | −0,09% |
| EUR/USD | 1,2366 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 102,30 $ | −0,92% |
| Gold | 1.540,00 $ | 0,00% |
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