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Automobile Fiat feiert

08.03.2007 ·  Bei Fiat gibt es Grund zum Jubeln: Auf dem Genfer Autosalon ist es die Premiere des neuen Kompaktautos Bravo. Und Luca De Meo, der jugendlich wirkende Geschäftsführer, hat schon neue Pläne: Ein Billigauto.

Von Henning Peitsmeier, Genf
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Bei Fiat wird wieder gefeiert: Auf dem Genfer Autosalon ist es die Premiere des neuen Kompaktautos Bravo, das mit frechem Kühlergrill aus großen Scheinwerferaugen den Messebesucher so optimistisch anzublicken scheint, als sei der Verkaufserfolg reine Formsache.

Und Luca De Meo, der jugendlich wirkende Geschäftsführer der Fiat-Autosparte, präsentiert die italienischen Neuheiten so voller Elan, als hätte es die existenzbedrohende Krise der Turiner nie gegeben. Vergessen hat De Meo die Schieflage des Jahres 2004 nicht, die ihn von Lancia auf den Chefsessel der Traditionsmarke beförderte.

„Es war wie beim Fußball“, sagt er. „Die zweite Halbzeit ist angepfiffen, und die Mannschaft liegt 0:3 hinten.“ De Meo wirkt entspannt, er raucht eine Zigarette und vermittelt in Genf den Eindruck eines Trainers, der zufrieden den 3:3-Ausgleichstreffer registriert hat.

„Kompetenz für Kleinwagen“

Jetzt will der erst 39 Jahre alte Manager Fiat in Führung bringen. Helfen sollen neue, preiswerte Autos. Schon heute arbeitet der Hersteller an der Entwicklung eines Billigautos, das 2010 auf den Markt kommen soll. „Noch ist nichts entschieden, aber unsere Kompetenz für Kleinwagen ist ja bekannt“, sagt De Meo. Offen sei, ob das Auto allein oder in einer Partnerschaft gebaut wird.

Fiat bieten sich mehrere Kooperationsmöglichkeiten, darunter die indische Tata-Gruppe, die Autosparte des russischen Stahlkonzerns Severstal sowie der türkische Tofas-Konzern. Mit den drei Unternehmen arbeitet Fiat in unterschiedlichen Projekten zusammen.

In jedem Fall wäre das Fiat-Auto eine Antwort auf den Logan, der von Renault mit der rumänischen Tochtergesellschaft Dacia für umgerechnet 5000 Euro in zahlreichen Schwellenländern verkauft wird. Die hat auch De Meo im Blick: „Für Fiat sind China und Indien interessant, aber auch Russland und Südamerika.“ In Brasilien und Argentinien verkauft Fiat bereits den Palio, der aber in die Jahre gekommen ist, wie De Meo sagt.

Warnung vor Überkapazitäten

De Meo redet gern über neue Autos; davon, wie er die Modellpalette des italienischen Massenherstellers auffächern will, um die eigenen Fabriken besser auszulasten. Doch genau das hat die Konkurrenz auch vor: Christian Streiff, der neue Chef an der Spitze von Peugeot-Citroën, hat in Genf sein Restrukturierungsprogramm „Cap 2010“ erläutert, das ebenfalls die Ausweitung der Produktion vorsieht. Und bei Renault-Nissan läuft schon seit einem Jahr der Dreijahresplan von Konzernchef Carlos Ghosn. Zentrales Element: die Produktionsausweitung um 800.000 Autos, allein die Hälfte mit dem Billigauto Logan.

Dabei warnen Automobilfachleute seit langem vor neuen Überkapazitäten: Die westeuropäische Automobilindustrie hat an den Hochlohnstandorten ihren Zenit überschritten, die großen Automobilmärkte der Welt sind gesättigt, und die jungen Wachstumsmärkte in Osteuropa und Asien können die fehlende Nachfrage auf dem bisherigen Preisniveau nicht ersetzen.

Fiat geht in diesen Verdrängungswettbewerb mit dem Standortnachteil eines Massenherstellers kleiner Autos, deren Margen niedrig sind, die aber überwiegend in Westeuropa gebaut werden. So mancher Analyst hat Zweifel, dass Fiat dieses Dilemma dauerhaft überwindet.

Sanierung noch nicht abgeschlossen

Derlei Zweifel plagen De Meo nicht. Er verweist auf die Ergebniswende. Die Autosparte des Konzerns ist 2006 wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt und hat bei einem um 20 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro gesteigerten Umsatz einen Gewinn ohne Sonderposten von 291 Millionen Euro erwirtschaftet. Zuvor hatte sie mit ihren Marken Fiat, Lancia und Alfa Romeo viele Jahre lang Milliardenverluste angehäuft. Für das laufende Geschäftsjahr strebt De Meo eine Umsatzrendite zwischen 2,6 und 3,4 Prozent an. Der Fiat-Konzern, zu dem noch Landmaschinen sowie die Nutzfahrzeugtochtergesellschaft Iveco gehören, will einen Zielwert zwischen 4,5 und 5,1 Prozent erreichen.

De Meo gibt zu, dass die Sanierung der Fiat Group Automotives noch nicht abgeschlossen ist. Von Stellenabbau oder Werksschließung will er gleichwohl nichts wissen. Der Konzern hat mit der italienischen Regierung und den Gewerkschaften lediglich vereinbart, 2000 von insgesamt 45.000 Mitarbeitern in den Vorruhestand zu schicken.

In den Fiat-Fabriken wird nun an der Effizienzverbesserung mit einer Verringerung von Leerlaufzeiten gearbeitet. Dazu hat Fiat-Chef Sergio Marchionne japanische Berater angeheuert und das Programm „Worldclass Manufacturing“ aufgelegt. Nach Fiat-Angaben sind die Fabriken durchschnittlich zu 75 Prozent ausgelastet, nachdem im Krisenjahr 2004 die durchschnittliche Auslastung zum Teil unter 60 Prozent gelegen haben soll.

„Zielgruppe ist die junge Familie“

De Meo interessiert die Rückschau nicht. Er setzt unverdrossen auf Expansion und darauf, dass die geplanten neuen Modelle so gut angekommen wie der Kleinwagen Grande Punto, dem Fiat den Aufschwung verdankt. Der Bravo, den De Meo in nur 18 Monaten entwickeln ließ, soll noch in diesem Jahr 70.000 Mal verkauft werden soll. „In Italien haben wir den Bravo in wenigen Wochen nach dem Marktstart am 3. Februar 10.000 Mal verkauft.“

Von 2008 an will De Meo 120.000 Bravo in Westeuropa absetzen. Und für 2009 soll ein drittes, innovatives Auto zu Preisen zwischen 20.000 und 30.000 Euro das Angebot abrunden: „Unsere Zielgruppe ist die junge Familie“, sagt De Meo, selbst Vater von Zwillingen. „Das Auto wird die Optik eines sportlichen Geländewagens und den praktischen Nutzen eines Van vereinen. Es soll die Ehefrau zufriedenstellen und dem Mann gefallen.“ De Meo blickt nach vorn. Voller Optimismus.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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