13.02.2006 · VW-Markenchef Bernhard steuert frontal auf einen Konflikt zu. Im Zuge der Sanierung denkt er laut über die Schließung unrentabler Bereiche nach. Der Betriebsrat tobt, die Börse jubelt.
Der als harter Sanierer bekannte VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hat noch tiefere Einschnitte beim Konzernumbau im Visier: „Für die Bereiche, die weit von der Wettbewerbsfähigkeit entfernt sind, müssen wir Schließungen ins Auge fassen“, sagte er der Mitarbeiterzeitung „Autogramm“ am Montag. Prompt griff der Gesamtbetriebsrat den Manager ungewöhnlich scharf an: „Das verstehen wir wirklich nicht unter einem kompetenten, ideenreichen und verantwortungsvollen Führungsstil“, hieß es in einem Schreiben der Arbeitnehmervertreter an die Belegschaft.
Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte am Freitag bei der Bekanntgabe des Restrukturierungsplanes noch betont, es sei nicht geplant, Komponentenstandorte zu schließen oder zu verkaufen. Bernhard sagte „Autogramm“ weiter, eine Alternative zur Schließung bestimmter Bereiche sei der Verkauf an einen Partner. Bernhard kündigte auch eine Steigerung der Produktivität in den kommenden drei Jahren um bis zu 30 Prozent an. Der Markenchef sprach von einem Produktivitätsnachteil in den Fahrzeugwerken gegenüber den Wettbewerbern von bis zu 50 Prozent. Zudem habe Volkswagen europaweit Überkapazitäten von 20 Prozent.
Machtkampf mit dem Betriebsrat
Mit seinen jüngsten Äußerungen steuert Bernhard direkt auf einen Machtkampf mit dem Betriebsrat zu. Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh kritisierte, das Tafelsilber zu verscherbeln, habe nichts mit intelligentem Management zu tun. „Das kann jeder auf dem Flohmarkt“, heißt es in dem Schreiben an die VW-Belegschaft, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Die VW-Mitarbeiter seien nach der „Mischung aus Vermutungen, wilden Interpretationen und Halbwahrheiten“ der letzten Tage verunsichert und verängstigt. Bernhard beschrieb die aktuelle Situation mit dramatischen Worten: „Wenn wird diese Probleme jetzt nicht lösen, steht langfristig das gesamte Unternehmen auf dem Spiel.“ Mit Blick auf die angeschlagenen amerikanischen Autokonzerne GM und Ford, die vor kurzem ebenfalls drastische Sparprogramme angekündigte hatten, sagte er: „Es kann nicht unser Ziel sein, langsam so niederzugehen wie Wettbewerber in den USA.“
Die traditionellen Volkswagen-Werke hätten einen dreistelligen Millionenbetrag als Verlust eingefahren, erklärte Bernhard. Ein Ausgleich habe nur erreicht werden können, weil andere Unternehmensbereiche dieses Defizit wieder ausgeglichen hätten. Personalvorstand Horst Neumann kündigte in dem Interview an, noch diese Woche dem Betriebsrat Untersuchungen und Wettbewerbsvergleiche vorzulegen, um darüber zu beraten. Man wolle zügig zu einem Ergebnis kommen.
VW-Chef Pischetsrieder hatte am Freitag trotz eines kräftigen Gewinnsprungs ein tief greifendes Umstrukturierungsprogramm angekündigt, von dem bis zu 20.000 Mitarbeiter betroffen sein können. Es gehe aber „nicht darum, 20.000 Leute abzubauen“, hatte er betont.
VW-Aktie weiter Liebling an der Börse
An der Börse bleibt die VW-Aktie weiter das beliebteste Papier bei den Investoren. Nach einem Kurssprung von knapp 10 Prozent am Freitag legte die Aktie am Montag nach den Äußerungen Bernhards am Montag um 5,18 Prozent auf 58,27 Euro zu.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| Dow Jones | 12.408,60 | −0,09% |
| EUR/USD | 1,2366 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 102,30 $ | −0,92% |
| Gold | 1.540,00 $ | 0,00% |
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