28.11.2007 · Der Stuttgarter Hersteller von Sportwagen hat den Gewinn auf 4,2 Milliarden Euro verdreifacht. Das zahlt sich auch für den Vorstand aus: Die Sechs an der Porsche-Spitze konnten ihre Bezüge auf knapp 113 Millionen Euro mehr als verdoppeln.
Mit neuen Rekordwerten hat der Sportwagenbauer Porsche seine Position als profitabelster Autobauer der Welt verteidigt. Im Ende Juli abgelaufenen Geschäftsjahr setzten die Stuttgarter neue Rekordmarken bei Absatz, Umsatz und Gewinn. Konzern-Chef Wendelin Wiedeking sprach von einer „goldgeränderten Bilanz.“
Mit rund 97.500 Sportwagen verkaufte Porsche so viele 911er, Boxster und Cayenne wie nie zuvor und erlöste knapp 7,4 Milliarden Euro, wie Wiedeking am Mittwoch mitteilte. Dank der Beteiligung an Volkswagen blieben dem Autobauer unter dem Strich gut 4,2 Milliarden Euro und damit drei Mal so viel wie im Vorjahr. Der Vorsteuergewinn legte um 178 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro zu. Der Großteil des Gewinns stammte aus Optionsgeschäften mit VW-Aktien.
Mehr Geld für Vorstand und Beschäftigte
Das Rekordergebnis zahlte sich auch für die Manager aus: Der sechsköpfige Porsche-Vorstand konnte sein Salär mehr als verdoppeln und erhielt knapp 113 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht hervorging. Der Großteil der Bezüge war erfolgsabhängig. Die Beschäftigten, die bei Porsche traditionell am Erfolg beteiligt werden, bekamen einen Bonus von 5200 Euro.
Die Anleger reagierten positiv auf die neuen Zahlen von Porsche. Den Aktienkurs legte in Frankfurt um 2,6 Prozent auf 1452 Euro zu. Damit entwickelte sich die Aktie klar besser als das Marktumfeld.
Gut ins neue Geschäftsjahr gestartet
Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Wiedeking optimistisch. In den ersten vier Monaten des im August angelaufenen Geschäftsjahres hat Porsche bei Umsatz und Absatz weiter zugelegt. Nach vorläufigen Zahlen wird der Umsatz in den Monaten August bis November um 42 Prozent auf rund 2,36 Milliarden Euro steigen.
Der Absatz werde von 25.939 auf rund 30.700 Fahrzeuge steigen (plus 18,4 Prozent). Für das gesamte Geschäftsjahr 2007/08 zeigte sich der Porsche-Chef „vorsichtig optimistisch“ und zuversichtlich, den Erfolgskurs fortzusetzen.
„Jederzeit zur VW-Übernahme bereit“
Wiedeking sieht Porsche jederzeit zu einer Übernahme von Volkswagen in der Lage. „Wir sind jederzeit vorbereitet, wenn wir wollen“, sagte Vorstandschef Wendelin Wiedeking am Mittwoch in Stuttgart. „Nur den Knopf drücken zu müssen, ist eine gute Basis,“ sagte er unter Hinweis auf die finanzielle Absicherung einer möglichen Übernahme.
Einen konkreten Zeitplan wollte er aber nicht nennen. „Die Züge definieren wir und kein anderer, und wir lassen uns auch von keinem unter Druck setzen.“ Wiedeking hatte in der vergangenen Woche aber erkennen lassen, dass eine vollständige Übernahme von Volkswagen derzeit nicht auf der Tagesordnung steht. Er sagte, dies werde „nicht morgen und nicht übermorgen“ passieren.
Wiedeking bleibt hart gegenüber dem VW-Betriebsrat
Im Streit mit dem Volkswagen-Betriebsrat um die Mitbestimmung blieb Wiedeking jedoch hart. Die Klage der Arbeitnehmervertretung entbehre jeglicher Grundlage, sagte er in Stuttgart. „Wir stellen weder soziale Errungenschaften noch die paritätische Mitbestimmung oder auch die Tarifautonomie irgendwann und irgendwo in Frage“, sagte Wiedeking. „Nur gemeinsam in einer fairen und gleichberechtigten Partnerschaft mit Volkswagen werden wir ein neues Kapitel Industriegeschichte schreiben können“, fügte er hinzu.
Wiedeking versuchte gleichzeitig, den Streit mit dem VW-Betriebsrat nicht weiter eskalieren zu lassen. Er habe Verständnis für Ängste vor notwendigen Veränderungen. Dies dürfe aber nicht dazu führen, in Porsche den Gegner zu sehen, „wie das derzeit der VW-Betriebsrat versucht.“ Am Ende solle es nur Gewinner geben, betonte der Porsche-Chef. „Es war und ist nicht unsere Absicht, Mitspieler zu demütigen.“
Der Betriebsrat von Europas größtem Autobauer VW hatte vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht Klage gegen die Mitbestimmungsvereinbarung in der neuen Porsche Holding eingereicht, die die Anteile an Porsche selbst und an Volkswagen hält. Die VW-Beschäftigten befürchten, dass ihre Anliegen bei einer möglichen Übernahme durch Porsche nicht angemessen vertreten werden.
Den Plänen zufolge sollen die rund 320.000 VW-Beschäftigten in der neuen Holding genau so viele Sitze haben wie die rund 11.000 Porsche-Mitarbeiter. Zur Zeit hält Porsche knapp 31 Prozent an Volkswagen, will den Anteil aber demnächst aufstocken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.378,60 | −1,12% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2449 | −0,32% |
| Rohöl Brent Crude | 105,50 $ | −1,26% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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