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Automobile Der Geheimniskrämer Porsche

21.06.2005 ·  Ein viertüriger Frontmotor-Sportwagen zu Preisen ab 100.000 Euro? Ein Familienauto? Der sicherheitsbewußte Vorstandsvorsitzende Wiedeking zögert die Entscheidung für die vierte Baureihe immer weiter hinaus.

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Der Satz kommt ganz unscheinbar daher. „Nach drei kommt vier“, sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, als er im Jahr 2000, zwei Jahre vor der Markteinführung des Geländewagens Cayenne, nach einer weiteren Baureihe gefragt wurde. Der Satz ging als Eilmeldung über den Ticker, und seither wird spekuliert, was bei dem Stuttgarter Sportwagenhersteller als vierte Modellreihe in der Pipeline sein könnte.

Immer wieder kündigte Porsche an, sich mit der Entscheidung noch Zeit zu lassen, immer wieder wurde so die Phantasie beflügelt - und damit der Kurs der Porsche-Aktie getrieben. 612 Euro sind vergangene Woche für eine Aktie bezahlt worden, und selbst im Top-Management von Porsche ist man sich bewußt: Ein erheblicher Teil davon ist eine Wette auf die Zukunft der vierten Baureihe. Bis heute freilich ist nichts entschieden. Auch der Bundeskanzler wird über die vierte Baureihe nichts erfahren, wenn er an diesem Mittwoch zu Porsche nach Zuffenhausen kommt und an einer Betriebsversammlung teilnimmt. Denn die Investitionsentscheidung ist noch nicht einmal im Aufsichtsrat behandelt worden.

„Panamera“?

Einige Beobachter glauben, schon sehr viel zu wissen. Das Auto solle "Panamera" heißen, mutmaßt beispielsweise "Auto Motor Sport". Diesen Namen, so die Argumentation der Motor-Journalisten, habe sich Porsche im Januar 2004 beim Deutschen Patent- und Markenamt in München schützen lassen - am gleichen Tag wie den Namen "Cayman", der für das neue Boxster-Coupe verwendet wird (siehe auch: ). Der Panamera, so heißt es weiter, werde ein viertüriger und viersitziger Frontmotor-Sportwagen zu Preisen ab 100000 Euro. Beim "Manager Magazin" glaubt man einer anderen Variante. Porsche plane ein Familienauto, einen geräumigen Kombi, der auf die Kundschaft der neuen Mercedes-R-Klasse abziele. Das paßt zu den Äußerungen von Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking über das Marktsegment, in dem sich eine vierte Baureihe behaupten müßte: "Wir werden noch weniger Freunde in der Automobilindustrie haben", sagte Wiedeking kokett im Gespräch mit dieser Zeitung.

Gegen die großen Konkurrenten anzutreten ist kein Spaziergang für den kleinsten Autohersteller der Welt. Wohl auch deshalb zögert der sicherheitsbewußte Wiedeking die Entscheidung immer wieder hinaus: "Wir definieren das Auto von der ersten bis zur letzten Schraube", beschreibt er das Vorgehen bei Porsche. Wiedeking hat auch die Aktionäre befriedet, die mit ihrer Dividende von 4 Euro nicht zufrieden waren. Vom Gewinn wurden nur 69,5 Millionen Euro ausgeschüttet. Und die Gewinnrücklagen stiegen derweil von 1,26 auf 1,91 Milliarden Euro.

Porsches Polster

Mit diesem Polster könnte Porsche die Entwicklung der nächsten Baureihe problemlos bewältigen - zumal in der Bilanz auch noch 2,8 Milliarden Euro flüssige Mittel und Wertpapiere stehen, abzüglich der Finanzschulden immerhin noch 1,8 Milliarden. Der erweiterte Cash-flow, den Porsche als zentrale Größe der Unternehmenssteuerung betrachtet, übertraf 2003/2004 den Vorjahreswert um ein Fünftel und erreichte 1,67 Milliarden Euro. Dabei würde nach Einschätzung von Analysten eine Milliarde für die Entwicklung der neuen Baureihe ausreichen. Beim Cayenne lag die Investition zwischen 500 und 600 Millionen Euro. Eine Kapitalerhöhung ließe sich angesichts dieser Relationen kaum begründen - allenfalls eine Verschlechterung der Bilanzstruktur, die Wiedeking in seiner unnachahmlich selbstbewußten Art seinen Aktionären aber gewiß gerne vorrechnet.

Das Sicherheitsbedürfnis von Wiedeking, der bei Porsche den Chefsessel erklommen hat, als das Unternehmen kurz vor der Pleite stand, hat sich schon beim Cayenne gezeigt. Was immer möglich war, wurde sofort bilanziell verbucht, damit ein Flop des Geländewagens nicht ganz so schwer wiegen würde. "Wir sind keine Hasardeure, wir haben das Geld der Aktionäre zu mehren und die Arbeitsplätze zu sichern", erklärt Wiedeking. Während beim Cayenne ein Teil der Kosten mit Volkswagen geteilt werden konnte, weil der "VW Touareg" die gleiche Plattform nutzt, wird Porsche bei der vierten Baureihe voraussichtlich ganz auf sich allein gestellt sein und diese auf einer eigenen Plattform bauen - oder bauen lassen, beispielsweise bei Magna in Österreich.

Da werden doch nur Begehrlichkeiten geweckt“

In Stuttgart hofft man derweil auf eine baldige Entscheidung. Dort würden die Motoren gebaut, das steht fest, nachdem Wiedeking immer wieder betont, daß der Motor das Herzstück eines jeden Porsches sei. Vorsichtshalber hat man das neue Motorenwerk gleich in ausreichender Dimension errichtet. Einstweilen wird aber noch darum gerungen, zu welchen Konditionen die Stuttgarter Porsche-Arbeiter künftig beschäftigt werden. Vor allem mehr Flexibilität wünscht sich Wiedeking. Wie immer bei Porsche machen sich die Gewerkschafter nicht allzuviel Sorgen um eine ordentliche Einigung. Und während Wendelin Wiedeking noch betont: "Ich lege Wert darauf, daß alles im Detail geregelt ist", spekulieren die Arbeitnehmer schon darauf, daß die Standortsicherung für die nächsten Jahre bereits am Mittwoch gefeiert werden kann, wenn der Kanzler zu Besuch ist.

Während also alle sich auf die vierte Baureihe einstellen, ist der Termin der Verkündung wieder einmal hinausgeschoben worden, nun Richtung IAA im September. "Da werden doch nur Begehrlichkeiten geweckt", schimpft Michael Punzet, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, über diese Salamitaktik in der Porsche-Kommunikation. Und Arndt Ellinghorst von Dresdner Kleinwort Wasserstein mahnt: "Man darf den Leuten nicht immer wieder den Mund wäßrig machen. Die Enttäuschung wäre riesengroß, wenn sich Porsche gegen die vierte Baureihe entschiede."

Quelle: sup., F.A.Z., 21.06.2005, Nr. 141 / Seite 18
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