Bei Daimler-Chrysler sind mehrere Führungskräfte der Bus-Sparte fristlos entlassen worden. Der Chef der Bus-Aktivitäten, Wolfgang Diez, hat sein Amt ebenfalls mit sofortiger Wirkung niedergelegt - aus „persönlichen Gründen“, wie es in einer Mitteilung von Daimler-Chrysler heißt.
Der 53 Jahre alte Betriebswirt Diez hat sein ganzes Berufsleben bei dem Stuttgarter Autokonzern verbracht und ist seit 1995, als die Bus-Aktivitäten von Mercedes und die des übernommenen Ulmer Busherstellers Kässbohrer in der Evo-Bus GmbH zusammengefaßt wurden, der Chef der Gesellschaft.
„Unregelmäßigkeiten“ entdeckt
Es seien „Unregelmäßigkeiten“ bei der routinemäßigen Prüfung der Geschäftsabläufe in der Bus-Sparte entdeckt worden, die zur Suspendierung der leitenden Mitarbeiter geführt hätten, heißt es weiter. Offenbar handelt es sich um weniger als zehn Bus-Manager, die gehen müssen. Was sie sich haben zuschulden kommen lassen, teilt Daimler-Chrysler nicht mit. Offenbar ist auch noch nicht klar, ob und in welchem Umfang die Vorgänge strafrechtlich relevant sind.
Daimler-Chrysler hat innerhalb des Konzerns eine „Compliance-Organisation“ installiert, die darüber wacht, daß alle Geschäftsprozesse gesetzeskonform ablaufen und auch den internen Regeln folgen. Weil dies früher nicht so war, ermittelt die amerikanische Börsenaufsicht seit längerem gegen den Stuttgarter Autokonzern.
Mehrere Ermittlungen
Daimler-Chrysler ist derzeit in verschiedene Ermittlungen wegen Betrugs- oder Korruptionsverdacht verwickelt. Dazu wurden auch umfangreiche interne Untersuchungen eingeleitet. Die amerikanische Börsenaufsicht ermittelt bereits seit 2004 gegen den Konzern, weil Manager angeblich in mehr als einem Dutzend Länder Schmiergelder gezahlt haben sollen. Daimler-Chrysler hatte selber dazu erklärt, daß vor allem in Afrika, Asien und Osteuropa solche Zahlungen erfolgt seien. Laut dem Hamburger Magazin „Stern“ vom September mußten im Zuge dieser Ermittlungen bereits etwa 15 Manager den Autokonzern verlassen.
Anwaltskosten und Strafzahlungen hätten den Umfang von etwa 400 Millionen Euro erreicht. In die Ermittlungen ist auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart eingeschaltet. Sie untersucht Bestechungsvorwürfe wegen der Lieferung von Autos nach Polen und Ghana. Mehrere hochrangige Vertriebsmanager aus Berlin haben seit Anfang 2005 wegen Graumarktgeschäften und anderen Delikte das Unternehmen verlassen müssen. Gegen sieben Mitarbeiter des Daimler-Chrysler-Werkes in Bremen wird wegen Bestechlichkeit und Untreue ermittelt.
Entlassen?
Peter Milka (McDuff)
- 14.11.2006, 07:50 Uhr
