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Automobile „Daimler-Chrysler-Aktionäre haben Vertrauen verloren“

05.04.2004 ·  Vor der Daimler-Chrysler-Hauptversammlung am Mittwoch melden sich auch institutionelle Investoren zu Wort und kritisieren die Leistung von Vorstand und Aufsichtsrat - ein Interview der F.A.Z.

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Vor der Daimler-Chrysler-Hauptversammlung an diesem Mittwoch melden sich auch institutionelle Investoren zu Wort und kritisieren die Leistung von Vorstand und Aufsichtsrat. Die nach eigenen Angaben weltweit größte Gesellschaft für Stimmrechtsvertretung ISS (Institutional Shareholder Services) empfiehlt den Anlegern, gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu stimmen.

Warum empfehlen Sie, Vorstand und Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler nicht zu entlasten?

Kurz gesagt, weil Aktienkapital vernichtet wurde. Wir wollen eine Botschaft loswerden: Die Aktionäre haben das Vertrauen verloren. Dabei geht es um die konstant schlechte Leistung des gesamten Managements, nicht um ein einzelnes Projekt. Natürlich gibt es zahlreiche Gründe: Das Toll-Collect-Desaster schädigt das Image; die angekündigten Gewinne aus der Fusion mit Chrysler gibt es nicht; Mitsubishi ist ein weiteres Problem. Und wir halten es für falsch, daß der Aufsichtsrat trotz dieser Schieflage einer vorzeitigen Verlängerung des Vertrags für Schrempp zugestimmt hat.

Sehen Sie irgendeine Hoffnung, daß sich in den nächsten Jahren etwas ändert? Vorstandschef Jürgen Schrempp sitzt doch fest im Sattel, solange Hilmar Kopper der Aufsichtsratsvorsitzende des Konzerns ist und seine Strategie stützt?

An dieser Deutschland AG wird sich einiges ändern in den nächsten Jahren. Wir streben zum Beispiel an, daß künftig über die Entlastung von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern einzeln abgestimmt wird. Dann kann man effektiver Kritik üben, weil sie sich dann auf einzelne Personen und ihre Arbeit bezieht. Außerdem wird Daimler-Chrysler den Druck des internationalen Kapitalmarktes zu spüren bekommen, der von amerikanischen und englischen institutionellen Investoren dominiert wird. Das ausländische Kapital hat höhere Erwartungen an die Corporate Governance.

Welche Bedeutung hat in Ihren Augen die Hauptversammlung in einer solchen Situation?

Natürlich wird es nicht so sein, daß amerikanische Investoren polternd einmarschieren und das Ende der Deutschland AG fordern. Die Hauptversammlung ist eine hervorragend Plattform, um Kritik zu üben. Die Stimme der ausländischen Investoren wird zunehmend lauter werden, nicht nur weil es in Amerika, England, Spanien und Frankreich mittlerweile den Zwang zur Stimmabgabe gibt, sondern auch durch die Möglichkeit, dieses Recht auf elektronischem Weg global wahrzunehmen.

Die Abstimmungsergebnisse lagen in der Vergangenheit letztlich doch immer bei Werten nahe 100 Prozent, auch wenn im Vorfeld massiv Protest laut wurde. Wird sich dieses Jahr daran etwas ändern, wenn sich stärker als in der Vergangenheit nicht nur Kleinaktionäre, sondern auch Vertreter von institutionellen Investoren engagieren?

Wir hoffen das. Schließlich üben auch wichtige Fonds wie DWS oder Union Investment konstruktive Kritik. Ergebnisse wie im Sozialismus werden der Vergangenheit angehören. Das ist dann eine klare Botschaft, daß die Aktionäre unzufrieden sind mit der Leistung. Und zwar nicht nur mit der finanziellen Performance, sondern auch mit der Art und Weise, wie sie mit den Aktionären umgehen. Es zeigt, daß es dem Vorstand offenbar nicht gelungen ist, seine Strategie zu vermitteln.

Angenommen, Sie hätten einen Wunsch frei für Daimler-Chrysler: Was würden Sie dem Konzern wünschen?

Daß es dem Unternehmen wieder gelingt, Werte zu schaffen. Einzelne Ratschläge zu geben, ist nicht unser Stil.

Die Fragen stellte Susanne Preuß

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.2004, Nr. 81 / Seite 15
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