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Automobile Chrysler mit Milliardenverlust

15.09.2006 ·  Der deutsch-amerikanische Autobauer Daimler-Chrysler hat seine Gewinnerwartungen für 2006 wegen Verlusten der amerikanischen Tochter Chrysler reduziert. Die Amerikaner werden allein im dritten Quartal einen Fehlbetrag von 1,2 Milliarden Euro ausweisen.

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Die amerikanische Chrysler-Group ist tiefer in die Verlustzone gerutscht, als dies der Gesamtkonzern Daimler-Chrysler noch vor kurzem erwartet hat. Für das dritte Quartal werde nun ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro für Chrysler veranschlagt, teilte der Autobauer mit, während bisher ein Minus von 500 Millionen Euro prognostiziert worden war. Dadurch verschlechtert sich auch die Gewinnerwartung für den gesamten Konzern.

Man erwarte nun, daß ein betriebliches Ergebnis von 5 Milliarden Euro erzielt werde, heißt es in einer Mitteilung von Daimler-Chrysler. Noch Ende Juli, als Daimler-Chrysler über den Verlauf des zweiten Quartals berichtet hatte, war davon die Rede, man werde ein betriebliches Ergebnis von mehr als 6 Milliarden Euro erwirtschaften können.

Ergebnisbelastungen bei EADS noch nicht enthalten

Möglicherweise kommt es sogar noch schlimmer. Denn Daimler-Chrysler verweist ausdrücklich darauf, daß die Neuordnung bei Airbus zu Ergebnisbelastungen beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS führen könnte, an dem Daimler-Chrysler beteiligt ist. Daraus resultierende Ergebnisbelastungen sind in der neuen Prognose noch nicht enthalten.

Um die Ergebnissituation möglichst schnell zu verbessern, würden Maßnahmen zur Absatzsteigerung und zur kurzfristigen Kostensenkung untersucht und strukturelle Veränderungen überprüft, wird angekündigt, ohne daß weitere Details genannt werden. Bereits für das vierte Quartal strebe die Chrysler Group bereits wieder ein positives Ergebnis an. Unterm Strich bleibt dieser Berechnung zufolge für das Gesamtjahr immer noch ein Milliardenverlust für Chrysler.

Schwieriges Marktumfeld in den Vereinigten Staaten

An der Börse wurde Daimler-Chrysler für diese schlechtere Aussicht abgestraft. Binnen weniger Minuten sackte der Aktienkurs um mehr als 6 Prozent ab. „Daß Chrysler im dritten Quartal einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro erwartet, hatte niemand auf der Rechnung“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters die Reaktion des LBBW-Analysten Frank Schallenberger: „Offensichtlich sind die Probleme bei Chrysler größer als vermutet.“

Als Ursache für die dramatische Verschlechterung wird in der Mitteilung des Konzerns das „schwierige Marktumfeld“ in den Vereinigten Staaten genannt. Besonders verweist man auf hohe Händlerbestände - was bedeutet, daß Chrysler zwar Autos in großer Zahl an die Händler geliefert hat, aber die Kunden nicht im erwarteten Umfang zugegriffen haben. In diesem Zusammenhang verweist Daimler-Chysler auf steigende Kraftstoffpreise: „Im dritten Quartal ist es der Chrysler-Group nicht gelungen, dem Nachfrageverhalten der Kunden mit dem bestehenden Produktportfolio zu folgen, da das Kundeninteresse sich auf kleinere Fahrzeuge konzentriert hat“, heißt es.

Partnersuche im Kleinwagen-Segment

Daimler-Chrysler-Vorstandschef Dieter Zetsche, der am Freitag in Peking eine neue Fabrik eröffnete, von der aus der chinesische Markt mit Fahrzeugen von Mercedes und Chrysler beliefert werden soll, erklärte dazu: „Wir suchen einen Partner für das Kleinwagen-Segment.“ Daimler-Chrysler wolle zwar für dieses Segment ein Angebot unter der zur Chrysler Group gehörenden Marke Dodge machen. Eine Konzeptstudie wurde sogar schon vorgestellt. Indessen, so erläuterte Zetsche das Problem des Konzerns: man sei selbst nicht in der Lage, einen Kleinwagen so günstig zu produzieren, daß er zu einem wettbewerbsfähigen Preis verkauft werden könne. Eine abschließende Entscheidung für einen Partner sei noch nicht gefallen, sagte Zetsche. Zu den Verhandlungspartnern gehört dem Vernehmen nach auch der chinesische Anbieter Chery.

Als weitere Ursache für die Probleme bei Chrysler werden Gesundheitskosten für die aktiven und ehemaligen Mitarbeiter genannt. Auch hätten wesentliche Wettbewerber durch massive Preiszugeständnisse den Margen- und Mengendruck weiter erhöht. Dies gelte vor allem für die „Light Trucks“ - kleine, oft von Privatleuten verwendete Lastwagen.

Produktionskürzungen in größerem Umfang

Die Reaktion von Chrysler besteht kurzfristig in Produktionskürzungen, die offenbar einen größeren Umfang haben als bisher angekündigt. Damit sollen die Lager bei den Händlern schneller geräumt werden, und es soll der „Weg für die laufende Produktoffensive frei“ gemacht werden.

Insgesamt führt die Chrysler Group im zweiten Halbjahr 2006 acht neue Fahrzeuge ein. Darunter sind bereits einige Fahrzeuge, die nicht mehr zu den typischen amerikanischen Spritschluckern gehören: so der Chrysler Sebring, der mit dem neuen 4-Zylinder-Motor ausgerüstet ist, der gemeinsam mit Hyundai gebaut wird. Für das vierte Quartal zeigt sich der Konzern bereits wieder zuversichtlich.

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Von Heike Göbel

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