03.11.2004 · Offenbar ist die IG Metall bereit, der von Volkswagen geforderten Nullrunde zuzustimmen, drängt aber auf eine Einmalzahlung. Trotz der Annäherung ist es noch nicht zu einem Durchbruch gekommen.
Im Tarifstreit bei Volkswagen ist die Gewerkschaft IG Metall inzwischen bereit, die vom VW-Vorstand geforderte tarifliche Nullrunde zu akzeptieren, wenn Volkswagen den Beschäftigten im Gegenzug zumindest eine Einmalzahlung gewähre. Das verlautete am Dienstag aus Verhandlungskreisen. Auf dieser Basis würde das bisherige Kompromißpaket der IG Metall nicht mehr, wie noch zuletzt, zu einer Belastung, sondern zu einer Kostenentlastung führen.
Trotz dieser Annäherung ist es in den Tarifverhandlungen für die 103.000 Mitarbeiter in den sechs westdeutschen VW-Werken auch in der siebten Runde noch nicht zu einem Durchbruch gekommen. In einzelnen Punkten haben sich die Verhandlungspartner zwar angenähert. Insgesamt seien sie aber immer noch weit von einer Einigung entfernt, hieß es übereinstimmend im Lager von VW und IG Metall.
Arbeitskampf nicht auszuschließen
Die von der IG Metall mittlerweile akzeptierte Kostenentlastung ist noch weit entfernt von den Vorstellungen des VW-Vorstands, der mit dieser Tarifrunde ein Milliarde Euro Arbeitskosten einsparen will. Im Moment gibt es keinerlei Anzeichen, daß der Vorstand von dieser zentralen Forderung abrückt. Daher ist nicht auszuschließen, daß es erstmals in der Geschichte von Volkswagen zu einem echten Arbeitskampf kommt.
Die jüngsten Äußerungen von VW-Betriebsratschef Klaus Volkert deuten darauf hin, daß die Streikgefahr trotz der leichten Verhandlungsfortschritte nicht gebannt ist. Sollte "in den nächsten Stunden" kein vernünftiger Kompromiß gefunden werden, dann "werden wir bei Volkswagen einen Konflikt erleben, wie ihn die Geschichte dieses Unternehmens noch nicht gekannt hat", sagte Volkert am Dienstag bei der zentralen Protestkundgebung im Stammwerk Wolfsburg vor rund 40.000 VW-Beschäftigten. "Wir wollen jetzt endlich ein Signal für eine vernünftige Lösung", sagte er. Bleibe der Vorstand bei seiner starren Haltung, dann trage er die alleinige Verantwortung für die negativen Folgen einer weiteren Eskalation. Volkerts hatte zuletzt noch einen deutlich moderateren Ton angeschlagen.
Hardliner neben Pragmatikern
Betriebsrat und IG Metall ist offenbar klar geworden, daß sie jenseits der Nullrunde tiefe strukturelle Einschnitte zulassen müßten, um das Einsparziel des VW-Vorstands zu erreichen. Jeglicher Kompromiß mit der Arbeitgeberseite muß indes von der Großen Tarifkommission der IG Metall ausgelotet werden. In dieser Kommission sitzen rund 120 Gewerkschaftsmitglieder, die keineswegs alle an einem Strang ziehen: Hardliner, die vor allem übergeordnete gewerkschaftspolitische Interessen im Auge haben, sitzen neben Pragmatikern aus dem Betriebsrat, die in erster Linie den Erhalt der VW-Arbeitsplätze im Visier haben. Die Gewerkschaftszentrale fürchtet die präjudizierende Wirkung, die ein VW-Abschluß, der frühere "Errungenschaften" der IG-Metall aushebelt, auf künftige Tarifverhandlungen in der Metallindustrie haben könnte.
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