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Automobile Baden kämpft für Benz

19.05.2007 ·  Für Carl Benz ist kein Platz mehr. Der Name des Autoerfinders wurde vor neun Jahren gestrichen, als aus Daimler-Benz die Daimler-Chrysler AG wurde. Und nun soll der Konzern Daimler AG heißen. Das sorgt nicht nur in Mannheim für Aufregung.

Von Michael Roth, Mannheim
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Für Carl Benz ist kein Platz mehr. Der Name des Autoerfinders wurde schon vor neun Jahren gestrichen, als aus Daimler-Benz die Daimler-Chrysler AG wurde. Und nun, wenige Tage nach der Abspaltung der amerikanischen Automarke, soll der Konzern kurz und knapp Daimler AG heißen - ohne Benz. Das sorgt nicht nur in Mannheim für Aufregung, wo Benz vor 121 Jahren seine revolutionäre Entwicklung präsentierte.

In der Konzern-Aufsichtsratssitzung am vergangenen Mittwoch stritten die Aufseher ebenfalls heftig über den neuen Namen. Der Zwist endete sogar in einer Art Kampfabstimmung. Zum Äußersten kam es zwar nicht. Aufsichtratschef Manfred Bischoff musste nicht von seinem Zweitstimmrecht Gebrauch machen. Aber das Lager ist gespalten.

„Grundlegend unterschiedliche Ansichten“

Vor allem die Arbeitnehmerseite hat sich für den alten Namen Daimler-Benz stark gemacht. So hieß der Konzern bis 1998, vor der Fusion mit Chrysler. Die Belegschaftsvertreter hätten gern an die Tradition angeknüpft und lehnten eine künftige Daimler AG ab. Das ist der Vorschlag vom Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche. „Die Ansichten waren grundlegend unterschiedlich“, ist aus Stuttgart zu hören. Doch am Ende sei der künftige Name nicht so entscheidend gewesen. Schließlich ging es bei der Aufsichtsratssitzung ja um den Verkauf von Chrysler. In der Namensfrage setzte sich Zetsche durch - allerdings erst nach einer Abstimmung.

„Wir glauben, dass dies eine Chance ist, ganz klar zwischen Unternehmensmarke und den Produktmarken zu trennen“, rechtfertigt Zetsche seine Daimler AG gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Name des Gründervaters Benz sei ja tagtäglich in tausenden Produkten der Marke „Mercedes-Benz“ präsent. Man wolle mit der Namenswahl ganz eindeutig ein Bekenntnis zur Tradition ablegen, aber auch nach der Trennung von Chrysler einen Neuanfang signalisieren. Auch solle nicht der Eindruck entstehen, man fange wieder dort an, wo man vor vielen Jahren schon einmal stand.

Name und die wichtigste Marke sind oft identisch

Zetsche versicherte, die regionalen Befindlichkeiten der Mannheimer zu respektieren. Die Stadt soll auch eine Antwort auf die Resolution des Gemeinderats erhalten. Mannheims Oberbürgermeister Gerhard Widder (SPD) schrieb Zetsche Anfang der Woche per Fax: „Der stolze Name (Benz) ist damals 1998, nach der Fusion mit Chrysler, untergegangen. Das haben wir alle sehr bedauert. Wenn jetzt die Namensgebung für das Unternehmen ansteht, erwarten viele, dass Carl Benz wieder seinen gebührenden Platz erhält. Sollte der Konzern nun darauf verzichten wollen, wird dies auch der Firmengeschichte nicht gerecht.“

Auch in der Autobranche ist Zetsches Argumentation zur Trennung von Marke und Unternehmensname ohnehin eher eine Minderheitsmeinung. Bei vielen anderen Autoherstellern sind der Konzernname und die wichtigste Marke identisch, sei es Volkswagen oder Fiat.

Erste Spritztour von Mannheim nach Pforzheim

Die endgültige Entscheidung über den neuen Namen von Daimler-Chrysler treffen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst. Noch bleibt den Widerständlern also Zeit. Und ihre Zahl wächst, nicht nur in Mannheim und Karlsruhe, der Geburtsstadt von Carl Benz. In der Stuttgarter Konzernzentrale gingen zahlreiche Beschwerden ein. Und nicht nur aus Baden kam der Protest. In Internetforen, so auch bei FAZ.NET (Siehe: Wieso nicht „Daimler-Benz“?), fällt die Meinung recht eindeutig aus: Aus Daimler-Chrysler muss wieder Daimler-Benz werden. Die Kommentare reichen vom großen Unverständnis bis zum Vorwurf der Geschichtsklitterung.

Historisch gesehen müsste der Konzern sogar Benz-Daimler heißen, lautet ein Argument. Schließlich war es Carl Benz, der das erste Auto baute. Am 29. Januar 1886 meldete er unter der Nummer 37435 beim Reichspatentamt ein Fahrzeug an, das in der Öffentlichkeit zunächst als „Wagen ohne Pferde“ belächelt wurde. Legendär ist die erste Spritztour seiner als resolut bekannten Frau Bertha von Mannheim nach Pforzheim.

Benz' „Kraftdroschke“ hatte nur drei Räder

Eigentlich müsste der Konzern künftig sogar „Bertha Benz AG“ heißen, wird aus der feministischen Ecke eingeworfen. Selbst Zetsche schien zuletzt ein wenig wankelmütig. Bei der Eröffnung des Carl Benz Zentrums, eines Freizeit- und Geschäftszentrums in Stuttgart, sagte er, dass Carl Benz heute sicher Vorstandsvorsitzender des Konzerns wäre.

Gleich anschließend verteidigte er aber mit den bekannten Argumenten seine „Daimler AG“. Gottlieb Daimler, der künftig gemäß Aufsichtsratsbeschluss sozusagen das Alleinerbe vertreten soll, machte sich zunächst als Motorenentwickler einen Namen. Er meldete 1883 mit Wilhelm Maybach einen gemeinsam entwickelten Einzylinder-Viertaktmotor zum Patent an. 1886 baute Daimler seinen Motor in eine Kutsche und galt damit als Erfinder des Autos mit vier Rädern. Benz' „Kraftdroschke“ hatte nur drei Räder.

Als Unternehmer kein allzu glückliches Händchen

Wenige Jahre später ließ Daimler von Maybach einen Rennwagen bauen, der den Namen „Mercedes“ bekam. So hieß die Tochter von Emil Jellinek, einem Geschäftsmann, der mit Daimler-Autos handelte und Autorennen fuhr. 1902 wurde „Mercedes“ als Warenzeichen gesetzlich geschützt. Es war übrigens Gottlieb Daimler persönlich, der zuvor die Markenrechte an seinem eigenen Namen an den britischen Autohersteller Jaguar verkauft hat. Der Jaguar-Daimler galt später als Topmodell des Herstellers. Heute hält der amerikanische Autokonzern Ford die Markenrechte am Namen Daimler. Ford hatte Jaguar 1960 übernommen.

So erfolgreich die Herren Daimler und Benz in technischer Hinsicht waren, als Unternehmer hatten sie kein allzu glückliches Händchen. Auch ihre Nachfahren spielten in den Unternehmen bald keine große Rolle mehr. 1926 wurde auf Druck der Deutschen Bank die Daimler-Motoren-Gesellschaft mit der Mannheimer Firma Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG verschmolzen. Persönlich sind sich Gottlieb Daimler und Carl Benz nie begegnet.

„Daimler ist stärker als je zuvor“

Das Interview mit Vortandschef Dieter Zetsche lesen Sie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 20. Mai 2007.

Quelle: F.A.Z., 19.05.2007, Nr. 115 / Seite 20
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