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Automobile Aufschwung trotz Affären

25.12.2005 ·  Die deutschen Hersteller sind die Gewinner im Autojahr 2005 - mit Ausnahme von Mercedes-Benz. Auf allen wichtigen Märkten haben sie zugelegt. Ein Erfolg, der nicht zu einem Jahr voller Entlassungen und Affären paßt.

Von Henning Peitsmeier
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Daß es zwischen Viagra und Volkswagen eine direkte Verbindung geben könnte, hatte bis vor dem 25. Juni dieses Jahres niemand geglaubt. Als im Sommer aber die Korruptionsaffäre um den einstigen Skoda-Personalvorstand Helmut Schuster immer neue Einzelheiten über Brasilien-Ausflüge und Bordell-Besuche von VW-Betriebsräten hochspülte, fürchteten viele um den guten Ruf von Europas größtem Autobauer und seiner Produkte. Und was machen Europas Autofahrer? Sie kaufen VW, als hätte es jene Schlagzeilen unter der Gürtellinie nicht gegeben. Rechtzeitig zum Jahresende meldete VW am Freitag 1,42 Millionen Neuzulassungen bis Ende November. Die Marke VW löst damit Renault ab von Platz eins auf Europas Straßen. "Wir ernten jetzt die Erfolge unserer Modelloffensive", sagt der neue VW-Markenchef Wolfgang Bernhard, selbst ein Aufsteiger des Autojahres 2005 nach seinem unfreiwilligen Abstieg bei Daimler-Chrysler im Jahr davor.

Auch die anderen deutschen Automarken fahren mit Rückenwind. Zwar hat eine Vertriebsaffäre bei BMW für Aufsehen gesorgt, doch schlug sich das nicht in den Absatzzahlen der Münchener nieder. Premiumautos aus Bayern waren 2005 gefragt wie lange nicht. Auch BMW-Rivale Audi meldet ein Plus bei den Neuzulassungen. Auf dem Heimatmarkt hat Audi mit 8,6 Prozent sogar das stärkste Wachstum aller deutschen Autohersteller erreicht und profitiert von seiner frisch überarbeiteten Modellpalette.

Produktion auf Rekordniveau

"Die Deutschen haben auf allen wichtigen Märkten gewonnen", sagt Eric Heymann, Automobilexperte der Deutschen Bank, und verweist auf beeindruckende Produktionszahlen. Nach seiner Einschätzung wird die Produktion der gesamten deutschen Automobilindustrie einschließlich der Zulieferer und der dynamischen Nutzfahrzeugsparte 2005 voraussichtlich um 3,5 Prozent zulegen und damit ein neues Rekordniveau erreichen. Heymanns frohe Botschaft hat im Export ihren Grund. Auf hohem Niveau legen die Ausfuhren nochmals um 3 Prozent zu. Und auf dem Inlandsmarkt, wo die deutschen Hersteller nur knapp ein Drittel ihrer Autos absetzen, sieht Heymann "noch viel Luft nach oben".

Das dürfte vor allem für die Marke mit dem Stern gelten. Als einziger deutscher Hersteller weist Mercedes-Benz ein negatives Vorzeichen bei den Neuzulassungen in Deutschland auf: minus 2,6 Prozent. Weniger eine sogenannte Mallorca-Affäre um Schwarzarbeiten an Managervillen machte den Stuttgartern zu schaffen, als vielmehr zahlreiche Qualitätsmängel an ihren Fahrzeugen. Der damalige Mercedes-Chef Eckhard Cordes räumte zu Beginn 2005 mit den Qualitätsproblemen auf und sorgte so für den absoluten Spitzenplatz der Nobelmarke bei den Rückrufen. Von Defekten an der Bremsanlage oder am Batteriesteuergerät wußten Mercedes-Fahrer zu berichten, besonders betroffen war die E-Klasse. Der charismatische Dieter Zetsche, der bereits Nachfolger von Mercedes-Chef Cordes ist und am 1. Januar 2006 zusätzlich Nachfolger von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp wird, soll den traditionsreichen Autohersteller jetzt wieder zurück in die Erfolgsspur bringen.

Fiat ist der große Verlierer

Der große Verlierer im zu Ende gehenden Autojahr ist Fiat. Der italienische Autokonzern hat auf allen wichtigen Märkten verloren. Fachleute fragen sich, wie die Autos aus Turin in Qualität und Preis vor allem mit der asiatischen Konkurrenz mithalten wollen. Besorgniserregend ist die Situation auf dem größten Absatzmarkt in Europa: In Deutschland hat Fiat auch zusammen mit den Edelmarken Alfa Romeo und Lancia weniger Autos verkauft als die koreanischen Hersteller Hyundai und Kia. Freilich haben die Billiganbieter aus Fernost auch anderen Massenherstellern Marktanteile abgejagt. Im kollektiven Jammern über hohe Spritpreise und ruinöse Rabattschlachten fehlte bei westlichen Automanagern in den vergangenen Monaten selten die Bemerkung, man müsse sich gegen die Koreaner "warm anziehen."

Zu den Verlierern in Westeuropa gehören die Franzosen. Renault ist von VW verdrängt worden, und Peugeot büßt besonders mit seinen Bestsellern in der Kleinwagen- und Kompaktklasse gewaltig ein. Hier dominieren in Europa wie in Deutschland VW Golf, Opel Astra und Ford Focus. Philipp Rosengarten, Autoexperte beim Prognoseinstitut Global Insight, kennt den Grund: "Der Peugeot 206 ist am Ende seines Produktlebenszyklus angekommen und wird 2006 durch den 207 ersetzt. Der Peugeot 307 hat unter einem Facelift gelitten und ist daher auch abgerutscht." Wer mit einem Modellwechsel zu lange wartet, wird vom Verbraucher schnell bestraft. Das mußte Renault mit seinem erst verspätet in den Markt eingeführten Kleinwagen Clio erfahren. Immerhin erwartet Rosengarten für den kleinen Renault 2006 ein Absatzplus von satten 38 Prozent.

Von einem "Autojahr der Enttäuschungen" sprechen indessen viele Beschäftigte in der Branche. Abseits guter Verkaufszahlen und hoher Gewinnerwartungen in der Zukunft haben die Autokonzerne mit gewaltigen Stellenabbau-Programmen 2005 für Schlagzeilen gesorgt. Und auch hier waren die deutschen Hersteller in der Spitzengruppe.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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