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Automobile „Alarmsignal für Deutschland“: Opel streicht 10.000 Stellen

14.10.2004 ·  An deutschen Standorten des Autobauers Opel sollen bis zum Jahr 2008 rund 10.000 Stellen gestrichen werden. Davon entfallen nach Vorstellungen des Vorstands jeweils 4.000 Stellen auf die Standorte Bochum und Rüsselsheim.

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General Motors Europe (GME) hat heute bekanntgegeben, seine jährlichen Strukturkosten bis 2006 um rund 500 Millionen Euro senken zu wollen. Dies bedinge den Abbau von bis zu 12.000 Arbeitsplätzen während der kommenden zwei Jahre in Europa, teilte das Unternehmen in Rüsselsheim mit.

Die geplanten Maßnahmen würden Deutschland besonders betreffen, vor allem in der Produktion und der Produktentwicklung wie auch in ausgelagerten Bereichen, erläuterte GME. An deutschen Standorten des Autobauers Opel sollen bis zum Jahr 2008 rund 10.000 Stellen gestrichen werden. Davon entfielen nach Vorstellungen des Vorstands jeweils 4.000 Stellen auf die Standorte Bochum und Rüsselsheim, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Werks Bochum, Rainer Einenkel, am Donnerstag. An welchen Stellen die verbleibenden 2.000 Stellen gestrichen würden, darüber wurde zunächst nichts bekannt.

Der schwedische Autohersteller Saab verliert im Zuge der Sanierungsmaßnahmen bei General Motors 500 Stellen. Das sagte Saab-Chef Peter Augustsson am Donnerstag. Die Stellen würden jeweils zur Hälfte in Produktion und Entwicklung wegfallen. Saab beschäftigt am Standort Trollhättan 5.600 Mitarbeiter. Vor einem Jahr seien bereits 1.400 Jobs gekürzt worden, betonte Augustsson.

Bis Ende November soll der Sanierungsplan stehen

GM teilte weiter mit, 90 Prozent des Stellenabbaus sollen bereits 2005 erfolgen. Der frühere Opel-Chef und jetzige Präsident von GME, Carl-Peter Forster, sagte über betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen: „Wir können gar nichts ausschließen.“ Das Unternehmen werde unmittelbar Gespräche und Verhandlungen über das Programm mit dem Betriebsrat aufnehmen.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat finanzielle Hilfen des Landes für den Standort Rüsselsheim ausgeschlossen. „Wir können und dürfen keine finanziellen Mittel einsetzen. Das verbietet uns europäisches Recht“, sagte Koch am Donnerstag in Frankfurt. Die Landesregierung werde aber die von
einer Entlassung betroffenen Opel-Mitarbeiter nicht allein im Regen stehen lassen.

Der nordrhein-westfälische Wirtschafts- und Arbeitsminister Harald Schartau äußerte sich zurückhaltend über die Situation am Opel-Standort Bochum. „Im Augenblick sieht es nicht besonders gut aus“, sagte Schartau. Es werde „heute keine Lösung geben“, äußerte er vor dem Beginn eines Gesprächs zwischen ihm, Bundeswirtschaftsminister Clement, Ministerpräsident Steinbrück und Bochums Oberbürgermeisterin Scholz sowie dem Betriebsrat des Opel-Werkes Bochum und Vertretern der Gewerkschaft IG Metall. Man müsse sich zunächst ein genaues Bild der Lage machen, so der Landesminister.

Stoiber gibt Regierung Mitschuld

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) fordert wegen der Krisen bei Opel und Karstadt inzwischen einen Sanierungsplan der Bundesregierung für Deutschland. Es handle sich um ein Alarmsignal für Deutschland, sagte Stoiber in München. Das viel zu starre Arbeitsrecht, die immer weiter verfeinerte Mitbestimmung, zu hohe Steuern und zu hohe Energiepreise vernichteten Arbeitsplätze in Deutschland. „Die rot-grüne Bundesregierung trägt für diesen industriellen Abbau eine Mitverantwortung.“

Die geplanten Einsparungen von 500 Millionen Euro könnten nach Aussage von GME-Chairman Fritz Henderson auch ohne Werkschließungen erreicht werden. Er könne aber Werkschließungen per se nicht ausschließen, sagte Henderson bei einem Pressegespräch.

Das Sanierungsprogramm basiere auf der derzeitigen Einschätzung für die Entwicklung auf dem europäischen Automobilmarkt, einschließlich der flauen Nachfrage, des zunehmenden Wettbewerbsdrucks durch europäische und asiatische Konkurrenten und der Verschärfung der Preissituation, so GME weiter. Das Unternehmen rechnet mit Abfindungszahlungen in den Jahren 2005 und 2006, deren Höhe und Zeitpunkt vom Ausgang der Verhandlungen mit dem Betriebsrat abhängen.

Für den Freitag ist eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates von Opel vorgesehen. Im Anschluß sollen die Verhandlungen mit dem Betriebsrat intensiviert werden. Bis spätestens Ende November soll dann der gesamte Sanierungsplan stehen. Große Schwierigkeiten bereiten offenbar Arbeitsplatzgarantien und Standortsicherungsverträge, die - je nach Standort verschieden - noch mehrere Jahre die Mitarbeiter vor Kündigungen schützen.

Einsparungen auch im Bereich Design- und Produktentwicklung

Auch bei den Materialkosten, dem größten Kostenfaktor bei GME, sollen Fortschritte gemacht werden, zudem sollen die Gewährleistungskosten aufgrund der Qualitätsverbesserungen weiter sinken, hieß es weiter. Das Unternehmen bestätigte, daß seine geplanten Produkteinführungen für das Jahr 2005 qualitativ und zeitlich im Plan liegen. Das Unternehmen bestätigte außerdem die Einführung eines neuen Opel/Vauxhall “Cross Over“-Freizeitfahrzeugs, des Corsa-Nachfolgers und eines zweisitzigen Roadsters im Jahr 2006.

Von einer verstärkten Integration der Design- und Produktentwicklungsbereiche von Saab und Opel erhofft sich das Unternehmen weitere beträchtliche Einsparungen. Die Abstimmung und Aufteilung der Produktentwicklungsaktivitäten zwischen Schweden, Großbritannien und Deutschland soll Parallelentwicklungen vermeiden und erlaubt es jedem Bereich, sich auf spezifische Fachgebiete zu konzentrieren, lautet die Einschätzung von GME.

Im Zusammenhang mit diesen Schritten werden das Internationale Technische Entwicklungszentrum in Rüsselsheim (Deutschland) und das Saab Technical Development Center in Trollhättan (Schweden) vollständig in die weltweite GM-Entwicklungsorganisation integriert. Hans Demant, Produktentwicklungschef von GM Europe, wird die GME-Produktentwicklungsorganisation auch künftig führen und in dieser Funktion an Carl-Peter Forster, Präsident von GM Europe, berichten. Zudem bekleidet Hans Demant weiterhin die Position des Vorstandsvorsitzenden der Adam Opel AG.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP, Dow Jones - VWD, dpa
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