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Automobile 10.000 Stellen bei Opel und Saab in Gefahr

07.10.2004 ·  Die Automobilhersteller Opel, Saab und Vauxhall geraten immer tiefer in die Krise. Auch wenn komplette Werksschließungen unwahrscheinlich sind, hat das Hauen und Stechen zwischen den Standorten begonnen.

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Der Automobilhersteller Opel und seine Schwestergesellschaften Saab und Vauxhall geraten mit hoher Geschwindigkeit immer tiefer in die Krise. Der für das Europageschäft der Muttergesellschaft General Motors (GM) verantwortliche Vorsitzende, Fritz Henderson, will deshalb den neuen Sanierungsplan nicht wie vorgesehen im November, sondern schon Ende Oktober vorlegen.

Er beinhaltet nach Informationen dieser Zeitung tiefe Einschnitte an allen Stellen des Konzerns, darunter den Abbau mehrerer tausend Arbeitsplätze. Die Zahl der Stellenstreichungen und deren Verteilung auf die einzelnen Standorte steht noch nicht genau fest, sie soll aber insgesamt jenseits von 10.000 liegen.

„Olympia“-Programm hat nicht gegriffen

Vermutlich wird die Zahl sogar deutlich überschritten, denn GM hatte sich schon Anfang 2002 den Abbau von damals 70.000 auf rund 53.000 Mitarbeiter binnen zwei Jahren vorgenommen. Derzeit beschäftigt GM in Europa aber immer noch 62.000 Menschen. Erschwerend kommt hinzu, daß im gleichen Zeitraum die Gewinnschwelle überschritten werden sollte. Davon ist der Konzern weit entfernt. Im laufenden Jahr wird abermals ein hoher dreistelliger Millionenverlust auflaufen, und die Lage - vor allem im wichtigen Markt Deutschland - verschlechtert sich weiter.

Hinter vorgehaltener Hand wird zugegeben, daß das vor zwei Jahren vom damaligen Opel-Chef und jetzigen Präsidenten von GM Europa, Carl-Peter Forster, initiierte Sanierungsprogramm Olympia nicht wie erhofft gegriffen hat. Die Kosten sollten um eine Milliarde Euro gesenkt werden. Das wurde erreicht. Ziel war aber auch, den Umsatz um eine Milliarde Euro zu steigern. Das wurde klar verfehlt. "Rabatte und Kosten fressen die Erträge mit rasender Geschwindigkeit auf", heißt es aus dem Konzern.

Zu kompletten Werksschließungen wird es wohl nicht kommen

Die Neuordnung wird auch zu erheblichen Kürzungen der Fertigungskapazität führen. Kurzfristig, wie zwischenzeitlich angenommen, wird es nach aktuellem Stand aber nicht zu einer kompletten Werksschließung kommen. Ein Geflecht aus mehrjährigen Bestands- und Arbeitsplatzgarantien stellt GM vor unlösbare juristische Probleme. Zudem kann ein Werk nicht ad hoc aus dem Kreislauf ausgeklinkt werden. Die Vernetzung der Produktion von Motoren, Teilen und Autos erfordert eine Neuordnung der Aufgaben, die kurzfristig nicht möglich erscheint. So wird nun an Übergangslösungen gearbeitet und die Schließung eines oder mehrerer Werke für 2009/2010 beraten. Dann kann es jeden Standort in Europa treffen.

Als hochgradig gefährdet gelten derzeit die Fertigungen in Trollhättan (Saab) und Rüsselsheim (Opel). Die Produktion der Mittelklassefahrzeuge Saab 9-3 und Opel Vectra soll binnen drei Jahren an einem der beiden Standorte konzentriert werden. In jüngster Zeit hieß es, Rüsselsheim habe wegen der moderneren Fertigungsanlagen die besseren Überlebenschancen. Das scheint nicht mehr ausgemacht. Hellhörig muß machen, daß die Führungsriege von GM in den vergangenen Tagen immer wieder auf die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Rüsselsheim wegen hoher Kosten und einem aus erheblicher Unterauslastung resultierenden Produktivitätsmanko hingewiesen hat.

Standort Rüsselsheim hat nicht unbedingt die besseren Chancen

Die Schließung von Rüsselsheim ließe sich zudem erträglich vermarkten, blieben doch in Verwaltung und Forschung rund 15.000 der 20.000 Stellen am Standort erhalten. In Trollhättan würde die Schließung indes zu einer "vollständigen Verödung" führen. Zudem ist die GM-Spitze überzeugt, daß es für Autokäufer immer weniger darauf ankommt, wo ihr Fahrzeug hergestellt wird. "Made in Germany" sei weniger entscheidend als ein attraktiver Preis. GM hat ausgerechnet, daß die Produktion in Frankreich 25 Prozent günstiger als in Deutschland ist. In Spanien seien es 35 Prozent, in Polen 85 Prozent.

Auch im schwedischen Trollhättan seien die Kosten niedriger. Gegen den schwedischen Standort sprächen zwar die etwas älteren Anlagen und die schlechte geographische Lage mit entsprechend hohen Logistikkosten. Allerdings schnüre die schwedische Regierung derzeit ein Rettungspaket, welches sie der Führung von GM am 1. November präsentieren wolle. Das Paket soll sehr attraktiv sein. Hessens Ministerpräsident Roland Koch, in dessen Bundesland Rüsselsheim liegt, sei deshalb äußerst alarmiert. "Hinter den Kulissen tobt längst nicht mehr nur ein Tauziehen der Mitarbeiter und Manager. Da tobt auch ein Tauziehen der Regierungen", sagt ein mit den Plänen Vertrauter.

Kritik an GM von der Gewerkschaft

Heftig hat die IG Metall die Konzernmutter General Motors kritisiert. Mit der Drohung, in Europa tausende Arbeitsplätze abzubauen und langfristig Werke zu schließen, wolle das Unternehmen offenbar „in den laufenden Tarifverhandlungen die Leute einschüchtern“, sagte Gewerkschaftssprecher Hartwig Oertel am Donnerstag in Frankfurt am Main. Es sei „beunruhigend“, welche Mittel der Konzern mittlerweile anwende.

Quelle: hap., AFP, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2004, Nr. 234 / Seite 11
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