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Automobilbranche Die Aushöhlung der Adam Opel AG

Der Autohersteller kämpft an allen Fronten: Der Nachfolger des Astra verspätet sich, GM und IG Metall streiten über die Schließung von Bochum, und auf den Schultern des neuen Chefs lastet alle Hoffnung.

© dapd Wenig Betrieb: Das Opel-Werk in Bochum steht vor der Schließung

Bevor ein Auto Serienreife erlangt, muss es eine Fülle an Tests und Erprobungen überstehen. Eine der schwierigsten ist die sogenannte „Car Clinic“. Dort geht es - anders als eine direkte Übersetzung ins Deutsche vermuten ließe - nicht um Reparaturen. Es geht darum, wie ganz normalen Leuten der Prototyp eines neuen Modells gefällt. In einer Car Clinic werden den Testpersonen in einem Studio Autos gemeinsam mit den entsprechenden Modellen der Konkurrenten präsentiert. Das Testfahrzeug ist meist ein bis ins Detail ausgearbeiteter Prototyp, der sich nicht vom geplanten verkaufsfertigen Fahrzeug unterscheidet.

Genau eine solche „Car Clinic“ veranstaltete Opel im Dezember für sein wichtigstes Brot-und-Butter-Auto, den Opel Astra. Das Ergebnis war verheerend: Den Testern gefiel der Wagen überhaupt nicht, seither liegt der Astra quasi auf der Intensivstation: Den Leuten war es zu eng in dem Wagen. Deswegen wird der Radstand vergrößert, auch die Frontpartie wird geändert, um das Aussehen zu verbessern. Nach Informationen dieser Zeitung aus Führungskreisen des Unternehmens verschiebt sich der Produktionsbeginn des Astra, der für Anfang 2015 geplant war, dadurch um mehr als ein ganzes Jahr.

Das Unternehmen dementiert zwar: „Wir werden den Nachfolger des Opel Astra wie geplant im Jahr 2015 auf den Markt bringen“, erklärt ein Opel-Sprecher, ohne jedoch ein Datum zu nennen. Der zeitliche Verzug ist keine Kleinigkeit. Schließlich betrifft die Verzögerung auch das Schwestermodell Chevrolet Cruze der amerikanischen Muttergesellschaft General Motors und damit den wichtigsten Kompaktwagen des gesamten Konzerns.

Von 2015 an soll Opel wieder Gewinn abwerfen

Die Neuentwicklung des Astra wird eine der größten Herausforderungen, die der neue Opel-Chef Karl-Thomas Neumann bewältigen muss. Am kommenden Freitag hat der Manager, der bis vor kurzem noch das Chinageschäft des Volkswagen-Konzerns führte, seinen ersten Arbeitstag in Rüsselsheim. Neumann wird die richtige Balance finden müssen zwischen zwei Polen: Auf der einen Seite steht der GM-Vizechef und Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Stephen Girsky. Der als Kostenkiller gefürchtete Zahlenmensch will endlich Ergebnisse sehen. Nach zehn Jahren mit Milliardenverlusten soll Opel von 2015 an wieder Gewinn abwerfen. Alles wird diesem Ziel untergeordnet.

Um es zu erreichen, ist fast jedes Mittel recht. Auch der Aufschub und die Streckung des Budgets für die Entwicklung neuer Modelle. Ob Neumann das Ruder herumreißen kann, ist offen. Er ist nicht einmal Mitglied im Automotive Strategy Board des GM-Konzerns, das die wichtigen Entscheidungen über neue Produkte trifft. Und Girskys Strategie geht bis an die Grenzen einer Aushöhlung der Marke Opel: So ist die neue Version der Mittelklasse-Limousine Insignia nun auf 2017 verschoben, wie aus Unternehmenskreisen verlautet.

Ein weiterer Stellenabbau ist absehbar

Eine Hybridversion des Modells ist in Europa gar nicht mehr vorgesehen. Auch die nächste Version des Kleinwagens Corsa kommt später als geplant. Und im Werkzeugbau werden die Hälfte der etwa 500 Arbeitsplätze gestrichen. Ein weiterer Stellenabbau im Entwicklungszentrum ist absehbar, weil Opel die Entwicklung seiner Vans an die Ingenieure des französischen Partners Peugeot-Citroën abgetreten hat.

All das hält Girsky für dringend notwendig, um endlich die Wende zu schaffen: „Wir haben zweifellos noch viel harte Arbeit vor uns. Das ist kein Selbstläufer. Der Automobilmarkt wird uns in der nahen Zukunft nicht durch entsprechendes Wachstum helfen. Wir werden deshalb noch schwierige Entscheidungen treffen müssen, wenn wir unseren Plan erfüllen wollen“, schrieb Girsky in demselben Brief an die Beschäftigten, in dem er die Berufung Neumanns als neuen Vorstandsvorsitzenden ankündigte.

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