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Automobil : Einkaufsplattform "Covisint" überlebt mit veränderter Strategie

So spektakulär Covisint vor vier Jahren aus der Taufe gehoben worden war, so unspektakulär und fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist das von Daimler-Chrysler, General Motors und Ford initiierte Projekt einer gemeinsamen elektronischen Einkaufsplattform vor wenigen Monaten beendet worden. Doch das Internetportal lebt unter dem neuen Eigentümer Compuware auf verschlankter Basis weiter.

          So spektakulär Covisint vor vier Jahren aus der Taufe gehoben worden war, so unspektakulär und fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist das von Daimler-Chrysler, General Motors und Ford initiierte Projekt einer gemeinsamen elektronischen Einkaufsplattform vor wenigen Monaten beendet worden. Doch Covisint lebt unter dem alten Namen und einem neuen Eigentümer mit grundlegend veränderter Strategie.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          "In Europa ist Covisint neu geboren worden", sagt Robert Paul, Präsident und Chief Executive Officer, dieser Zeitung. Dabei will sich das Unternehmen künftig nicht nur auf die Automobilindustrie konzentrieren. Paul kündigte an, daß künftig die Dienstleistungen auch Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Banken oder Gesundheitswesen angeboten werden sollen.

          Im März verkauft

          Die Gründer der Online-Einkaufsgemeinschaft, der sich später PSA Peugeot Citroen, Renault sowie Nissan angeschlossen hatten, haben Covisint Anfang März an den Software-Anbieter Compuware abgegeben. Der Anbieter von Informationstechnologie-Dienstleistungen mit 1,3 Milliarden Dollar Umsatz hat unter vier Geboten den Zuschlag erhalten. Compuware bietet nach den Worten Pauls mit einer globalen Infrastruktur die Grundlage für die Expansion des neuen Geschäftsmodells auf der ganzen Welt. So greift Covisint auf den breiten, über die Autoindustrie hinausgehenden Kundenstamm sowie auf die Vertriebsorganisation von Compuware zurück. Die neue Covisint vermittelt Kontakte und stellt Verbindungen zwischen den Unternehmen her. Das Internetportal bietet zudem einen Datenaustausch über Produktanwendungen zwischen Herstellern und Lieferanten an. Und es offeriert auf einer Internetplattform den Kunden die Möglichkeit zur Zusammenarbeit, ohne daß Dritte auf die vertraulichen Informationen Zugriff haben.

          Mit Covisint sollte nach der ursprünglichen Idee eine gemeinsame Infrastruktur zur Kommunikation und zur Zusammenarbeit in den komplexen Geschäftsbeziehungen zwischen Zulieferern und Herstellern geschaffen werden. Dadurch sollten die Kosten gesenkt, die Produktivität erhöht werden. Anläßlich der Bekanntgabe der Covisint-Pläne im Februar 2000 sprachen Fachleute davon, wegen der Vorteile aus der gemeinsamen Beschaffungsplattform mehr als 1000 Dollar je Auto sparen zu können.

          Vison gut, Umsetzung schlecht

          "Die Vision war sinnvoll, die Umsetzung allerdings war es nicht", beschreibt Paul die Anfänge dieser einst als revolutionär geltenden unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit. Seit Juli 2003 Chef, besteht für ihn eine Hauptursache des Scheiterns darin, daß die Hersteller auf der Beschaffungsseite die Preise der Lieferanten über ein Auktionsverfahren senken wollten. Damit aber hätten sie die Basis für die Zusammenarbeit mit den großen Zulieferern wie Delphi, Visteon, Lear oder Johnson Control zerstört. Hinzu kam, daß die alte Covisint sich mit insgesamt zwölf verschiedenen Software-Anwendungen (von der Auktion über Katalogen bis hin zu Qualitäts- und Vermögensmanagement sowie Finanzdienstleistungen) verzettelt hatte.

          Erschwerend kam hinzu, daß ein Erfolg an der mangelnden offenen Kommunikation gescheitert war, da die Hersteller wichtige Informationen für eine Zusammenarbeit zurückgehalten hatten. Der Fokus sei zuwenig auf die Plattform als Kooperationsforum gerichtet gewesen, sagt Paul. "Wir setzen nun die ursprüngliche Vision um", sagt der Chef von Covisint, die unter dem neuen Eigentümer ein eigenständiger Bereich mit Ergebnisverantwortung ist.

          Verkaufsentscheidung schon 2003 getroffen

          Im vergangenen Jahr hatten die Alteigentümer wegen des gescheiterten Geschäftsmodells beschlossen, Covisint durch Verkaufen oder durch Schließen von Anwendungsbereichen für den Verkauf vorzubereiten. Dies umzusetzen war Aufgabe Pauls. Übrig blieb die Technologie für die Kommunikationsplattform, die das Kerngeschäft bildet.

          Bis Ende 2006 will Covisint aus den Einnahmen für die gebotenen Dienstleistungen 100 Millionen Dollar Umsatz erzielen. Das ist erst der Anfang. "Danach werden wir im großen Stil wachsen", sagt Paul. Die bereits rund 25 000 registrierten Kunden der Autoindustrie aus 96 Ländern bilden die Basis für das Wachstum der Plattform.

          In Amerika bereits etabliert

          Während Covisint in Nordamerika nach den Worten des CEO bereits etabliert ist, muß das Unternehmen in Europa ziemlich weit unten anfangen. Die Technologie existiere, aber die Geschäftsprozesse seien noch nicht umgesetzt. "Wir richten das Augenmerk in einer ersten Phase auf den Ausbau bestehender Verträge und Kontakte etwa mit Daimler-Chrysler oder PSA", sagt er. In einem weiteren Schritt sollen in Zusammenarbeit mit Partnern Produkte entwickelt werden, mit denen in Europa neue Kunden gewonnen werden sollen. Paul rechnet damit, daß der Schub in Europa im nächsten Jahr beginnt. In der zweiten Hälfte 2005 sollen Angebote für andere Branchen entwickelt werden, um mit ihnen 2006 zu starten.

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