03.03.2009 · Der Europachef von General Motors, Carl-Peter Forster hat indirekt mit der Schließung von Opel-Werken gedroht. Ohne Hilfe werde Opel im zweiten Quartal Liquiditätsprobleme bekommen, sagte er in Genf.
Von Christoph Ruhkamp, GenfIn den Verhandlungen mit europäischen Regierungen über Hilfspakete erhöht General Motors den Druck. Der amerikanische Opel-Mutterkonzern lässt keinen Zweifel mehr daran, dass Werksschließungen die Alternative zu staatlichen Bürgschaften und Krediten wären: „Wir haben in Europa drei Werke zu viel“, sagte Carl-Peter Forster, Chef des Europageschäfts von GM, in einem Pressegespräch anlässlich der Automesse in Genf. Die Überkapazitäten lägen bei 30 Prozent.
Ohne Unterstützung der Regierungen werde Opel zu Beginn des zweiten Quartals Liquiditätsprobleme bekommen, so Forster. Falls es dazu käme, wäre ein massiver Stellenabbau die Folge. Auch die Schließung einzelner Werke könne dann nicht mehr ausgeschlossen werden. GM beschäftigt in Europa aktuell gut 50 000 Mitarbeiter und gibt hier jährlich nach eigenen Angaben 5 Milliarden Euro für Fahrzeugentwicklungen aus. Indirekt seien inklusive der Zulieferer und Autohändler rund 300.000 Arbeitsplätze betroffen. „Die Kosten eines Zusammenbruchs von Opel wären mindestens so hoch wie die Kosten einer Rettung.“
„Jeder Tag zählt“
Nach den Angaben von GM-President Fritz Henderson werden derzeit Gespräche mit fast allen Regierungen europäischer Länder geführt, in denen Opel und GM über Fabriken verfügen. „Jeder Tag zählt“, sagte der GM-Manager. So habe sich die Regierung von Spanien bereits entschlossen, GM in Europa mit 200 Millionen Euro zu unterstützen. Neben der Bundesregierung werde auch mit Großbritannien und mit Polen verhandelt. Der Gesamtbedarf an Bürgschaften oder Krediten von staatlicher Seite liegt bei 3,3 Milliarden Euro. „Wir führen derzeit keine Gespräche mit privaten Investoren“, sagte Henderson. Wie Forster ergänzte fehle dazu die Zeit. „So etwas dauert gewöhnlich etwa sechs Monate. Diesen Luxus haben wir nicht“, sagte Forster.
Der Manager bekräftigte zudem einen Einsparungsbedarf von 1,2 Milliarden Dollar, der durch die Arbeitnehmerseite gestemmt werden müsse. Dazu gebe es im Wesentlichen drei Instrumente: Freiwilliger Weggang mit Abfindung, teilweiser Lohnverzicht sowie Arbeitszeitverkürzungen. Das Produktionsvolumen werde an allen Standorten in Europa zurückgefahren. Werksschließungen seien erst das letzte Mittel, das sei in Regierungsgesprächen bereits klar geworden. Opel solle bis 2011 wieder profitabel arbeiten. In den Jahren von 2000 bis 2007 habe das Unternehmen für GM Gewinne abgeworfen.
„Wir schließen keine Option aus“
GM-Präsident Henderson ließ offen, wie viele Anteile GM an der angestrebten europäischen Gesellschaft für Opel halten will. „Wir schließen keine Option aus“, sagte er. Auch ein Minderheitsanteil sei denkbar. Im Zuge der angestrebten Neuorganisation des Europageschäfts erwägt GM, die Komponenten- und Getriebetochter Powertrain in den geplanten Verbund aus Opel und Vauxhall zu reintegrieren. Außerdem steht fest, dass GM weltweit nicht alle Marken fortführen kann und will. Laut Henderson gibt es jedoch bereits positive Rückmeldungen der Regierungen auf die Eckpunkte für einen Restrukturierungsplan für GM in Europa. Opel und GM hatten diesen Plan am Montag der Bundesregierung unterbreitet. „Es geht bei einer etwaigen Beteiligung der Regierungen an dem europäischen Unternehmen Opel/GM lediglich um einen Zwischenschritt“, sagte Forster.
Er betonte, dass alle noch offenen Fragen der Bundesregierung in den kommenden Tagen und Wochen so schnell wie möglich beantwortet würden. Es sei dabei kein Problem dafür zu sorgen, dass etwaige Hilfen bei Opel verbleiben und nicht an GM abfließen. „Das ist völlig normal. Für jedes Unternehmen mit mehreren Aktionären gilt, dass kein Geld ohne Zustimmung aller Eigner abfließen darf.“
Opel setzt auf umweltfreundliche Autos
Wie andere Hersteller auch soll Opel in Zukunft mit umweltfreundlicheren Autos punkten. Dazu zählt etwa das gemeinsam mit dem Mutterkonzern entwickelte Elektroauto Opel Ampera, das in Genf erstmals präsentiert wurde. „Mit dem Ampera führen wir eine neue Fahrzeuggattung ein, die die Lücke zwischen Hybridantrieb und Elektroauto schließt“, sagte Forster. Distanzen von bis zu 60 Kilometern lege der Ampera rein elektrisch zurück - mit Energie aus einer Lithium-Ionen-Batterie, die an einer normalen 230-Volt-Steckdose aufgeladen wird.
Auf längeren Strecken erfolge der Antrieb ebenfalls per Elektromotor, der jedoch von einem kleinen Verbrennungsmotor als Generator mit Strom gespeist wird und eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern ermögliche. Zur Markteinführung 2011 werde der Ampera das erste Elektrofahrzeug mit verlängerter Reichweite in Europa sein.
Überkapazitäten an den Steuerzahler
Gerhard Rinker (GerdR)
- 03.03.2009, 21:39 Uhr
Es ist ein alter Hut
B. Keim (bkeim)
- 03.03.2009, 22:26 Uhr
Katze aus dem Sack
Chris Heidrich (Rockwilder1979)
- 03.03.2009, 22:35 Uhr
Glaubt nicht dem Forster!
Chi Tamago (tamago)
- 03.03.2009, 23:32 Uhr
Zuviel Werke?
Thomas Minnich (tmin260872)
- 04.03.2009, 09:37 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,33 | −1,06% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2442 | −0,37% |
| Rohöl Brent Crude | 105,45 $ | −1,31% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?