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Autokrise General Motors braucht noch mehr Staatshilfe

15.02.2009 ·  Der Autokonzern General Motors muss der amerikanischen Regierung am Dienstag einen Sanierungsplan vorlegen. Dabei wird das Unternehmen wohl um weitere Finanzspritzen bitten - auch für den Fall eines Insolvenzverfahrens.

Von Roland Lindner
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Der krisengeschüttelte Autokonzern General Motors will die amerikanische Regierung offenbar um weitere Staatskredite bitten. General Motors muss bis zum Dienstag beim Finanzministerium einen Sanierungsplan vorlegen und darin aufzeigen, wie das Unternehmen langfristig bestehen will.

Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ wird General Motors dabei auf die Notwendigkeit zusätzlicher finanzieller Unterstützung der Regierung hinweisen. Wie es weiter heißt, wolle General Motors dabei auch ein Insolvenzverfahren als mögliches Szenario ins Spiel bringen. Das Unternehmen wolle darauf hinweisen, dass auch im Falle einer Insolvenz Staatshilfen notwendig seien, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Ob General Motors einen genauen Betrag nennen wird, ist nach Angaben in dem Bericht noch unklar.

GM bekam im Dezember 13,4 Milliarden Dollar Kredit

General Motors hat im Dezember vom damaligen Präsidenten George W. Bush einen Staatskredit von 13,4 Milliarden Dollar zugesprochen bekommen, dem Wettbewerber Chrysler wurden 4 Milliarden Dollar zugesagt. Dem war ein mehrwöchiges Tauziehen vorangegangen, in dem sich viele Politiker gegen eine Hilfe für die Autoindustrie sträubten. Sie argumentierten, die Autokonzerne hätten sich ihre Schieflage selbst zuzuschreiben und müssten die Konsequenzen übernehmen.

General Motors und Chrysler hatten um Staatskredite gebeten, weil ihre Liquiditätsdecke rapide schrumpfte und ihnen die Insolvenz drohte. Die schließlich bewilligten Kredite waren an die Bedingung geknüpft, dass General Motors und Chrysler bis zum 17. Februar einen vorläufigen und bis zum 31. März einen endgültigen Sanierungsplan vorlegen. Die Regierung will ein Konzept, mit dem die Hersteller ihre Schulden um zwei Drittel reduzieren. Außerdem sollen sie Wege aufzeigen, wie sie ihr Lohn- und Gehaltsniveau konkurrenzfähig zu amerikanischen Niederlassungen ausländischer Wettbewerber machen. Um diese Bedingungen zu erfüllen, brauchen die Unternehmen Zugeständnisse der Anleihegläubiger und der Autogewerkschaft UAW.

Schwierige Verhandlungen mit den Gewerkschaften

Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften und den Gläubigern haben sich aber als schwierig herausgestellt. Ein Streitpunkt mit der UAW liegt zum Beispiel in Zahlungen der Autohersteller in einen von ihr verwalteten Treuhandfonds, aus dem künftig Gesundheitsleistungen für Pensionäre bezahlt werden sollen. Medienberichten zufolge hat die Gewerkschaft die Verhandlungen mit General Motors am Freitag zunächst abgebrochen, weil es in diesem Punkt zu keiner Einigung gekommen ist.

Rick Wagoner, der Vorstandschef von General Motors, hatte außerdem im Januar auf der Automesse in Detroit angedeutet, dass sich der geplante Verkauf von Marken wie Saab oder Hummer womöglich nicht fristgerecht bis Ende März über die Bühne bringen lassen werde. Der Zeitplan könnte auch dadurch in Verzug kommen, dass die Regierung noch immer keinen Aufseher für die amerikanische Autoindustrie bestimmt hat. Dieser sogenannte Autozar soll als eine Art Treuhänder für die Staatskredite fungieren. Es gilt daher als möglich, dass die Regierung am Ende mit Blick auf die Fristen für die Sanierungspläne Nachsicht zeigen und den Unternehmen in einzelnen Punkten mehr Zeit geben wird. Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, mahnte General Motors und Chrysler aber in einem Brief am Freitag, Restrukturierungpläne vorzulegen, die eine Bereitschaft zu „harten Entscheidungen“ demonstrieren.

Allianz zwischen Chrysler und Fiat

Chrysler hat vor wenigen Wochen eine Allianz mit dem italienischen Autohersteller Fiat geschlossen, die ein Kernelement des Sanierungsplans sein soll (siehe auch: Fiat und Chrysler vereinbaren Allianz). Gleichwohl will Chrysler zusätzlich zu dem ersten Kredit von 4 Milliarden Dollar noch einmal um 3 Milliarden Dollar bitten. General Motors hat sich mit Blick auf etwaige weitere Finanzhilfen bislang bedeckt gehalten. Die aktuelle finanzielle Verfassung des Unternehmens liegt etwas im Dunkeln, weil der Bericht zum vierten Quartal noch nicht veröffentlicht wurde. Im dritten Quartal war die Liquiditätsdecke von General Motors von 21,0 Milliarden auf 16,2 Milliarden Dollar abgerutscht, im Schlussquartal hat sich aber das Autogeschäft weltweit dramatisch verschlechtert.

General Motors braucht nach eigener Einschätzung einen Minimalbestand an liquiden Mitteln von 11 Milliarden bis 14 Milliarden Dollar, um sein Geschäft fortführen zu können. Nach dem Bericht des „Wall Street Journal“ braucht General Motors nach Einschätzung des Finanzministeriums Staatskredite von mindestens 5 Milliarden Dollar, um über das erste Quartal hinaus seinen Betrieb aufrechterhalten zu können.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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