12.09.2005 · Wegen des hohen Ölpreises haben VW-Zulieferer Preiserhöhungen angekündigt. Der neue Markenchef Bernhard hohlt zum Gegenschlag aus: Er will seinerseits die Zulieferer unter Druck setzen und dabei auch noch 3 Milliarden Euro sparen.
Der hohe Ölpreis macht dem Volkswagen-Konzern zunehmend zu schaffen. „Unsere Lieferanten von Reifen und Kunststoffteilen wollen höhere Preise durchsetzen“, sagte Francisco Javier Garcia Sanz, für Beschaffung zuständiger Konzernvorstand der VW AG, im Gespräch mit der F.A.Z.. Bei der Produktion von Reifen und Kunststoffkomponenten ist Öl ein bedeutender Grundstoff. Daher hat der Reifenhersteller Continental erst kürzlich angekündigt, die Preise um 3 bis 8 Prozent zu erhöhen.
Garcia Sanz will sich dem Preisdruck aber entschieden widersetzen: „Höhere Preise zu bezahlen, können wir uns leider nicht erlauben. Also lehnen wir das ab“, sagte der Einkaufschef mit Blick auf die schlechte Ertragslage und das massive Sparprogramm bei Europas größtem Automobilhersteller. Wie berichtet, sollen die Kosten allein bei der Marke VW bis 2008 um 7 Milliarden Euro gesenkt werden.
„Materialkosten um 3 Milliarden Euro reduzieren“
Dabei spielen die von Garcia Sanz zu verantwortenden Materialkosten eine entscheidenden Rolle: „Wir wollen die Materialkosten in den nächsten drei Jahren um 3 Milliarden Euro reduzieren.“ Dazu sei an die Lieferanten die Botschaft ergangen, daß diese ihre Kosten und mithin die Preise jedes Jahr um 5 senken müßten. VW selbst habe das genannte Einsparziel auf 38 Teams heruntergebrochen, die jeweils eine bestimmte Baugruppe (wie zum Beispiel Innenraum oder Räder) der bestehenden VW-Modelle auf Kostensenkungspotentiale durchforste.
Trotz der inzwischen wieder etwas gesunkenen Stahlpreise hält Garcia Sanz an dem Plan fest, künftig ein Drittel des konzernweiten Stahlbedarfs in China und Rußland zu decken - und damit die angestammten Lieferanten wie Arcelor und Thyssen-Krupp in den laufenden Preisverhandlungen unter Druck zu setzen. In einem ersten Schritt sollen im nächsten Jahr 20.000 bis 100.000 Tonnen aus China bezogen werden bei einem Gesamtbedarf von 3 Millionen Tonnen.
„Keinen Stein auf dem anderen lassen“
Der neue VW-Markenchef Wolfgang Bernhard will „keinen Stein auf dem anderen lassen“, um die Marke VW wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. „Dazu gehört auch, daß wir unsere Komponentenfertigung auf den Prüfstand stellen“, sagte Bernhard am Rande der Präsentation des neuen VW-Cabriolets Eos. „Die Ertragslage muß besser werden“, bekräftigte Bernhard. Die Marke VW habe im ersten Halbjahr Verlust gemacht, solle aber im weiteren Verlauf wieder positive Ergebnisse abliefern und damit zum Jahresende schwarze Zahlen ausweisen.
Bernhard will freilich nicht nur sparen, sondern auch neue Fahrzeuge entwickeln: „Wir werden bis 2010 fünf bis zehn komplett neue Modelle auf den Markt bringen.“ VW müsse die angestammten Segmente verteidigen und in neuen angreifen. „Wer nicht angreift, hat schon verloren“, sagte Bernhard.
Korruptionsaffäre ohne Einfluß auf den Verkauf
Am Rande der IAA sagte VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder, daß die Affäre um korrupte Mitarbeiter und leichte Mädchen bislang offensichtlich keinen Einfluß auf den Verkauf gehabt habe. Beim Absatz sei der August „der beste Monat seit ewigen Zeiten“ gewesen. Gleichwohl wisse man natürlich nicht, wieviel man ohne die negativen Schlagzeilen verkauft hätte. Der neue Passat laufe „extrem gut“, obwohl die Kombi-Version, die beim Vorgängermodell rund 70 Prozent des Absatzes ausgemacht habe, erst seit kurzer Zeit auf dem Markt sei. Dagegen liegt der Absatz beim Golf Plus (mit Hochdach) unterhalb der Erwartungen. Viele Kunden interessierten sich sehr für den Golf Plus - und entschieden sich dann für den „normalen“ Golf. Insgesamt liege der Absatz bei diesem Brot-und-Butter-Auto aber im Plan, beteuerte Pischetsrieder.
Der Nachfolger für Personalvorstand Peter Hartz werde - entgegen der Ankündigungen von Niedersachsens Wirschaftsminister Walter Hirche und Ministerpräsident Christian Wulff - nicht in der Aufsichtsratssitzung am 23. September vorgestellt, sagte der Konzernchef. Zuvor hatte Pischetsrieder in einem Interview erklärt, daß es 15 Bewerber für diesen Posten gebe. Darunter befänden sich drei bis vier interessante Kandidaten. Unterdessen geht es bei der tschechischen VW-Tochtergesellschaft Skoda weiter bergauf. Vorstandschef Detlef Wittig rechnet in diesem Jahr mit einem Absatz von 485 000 Fahrzeugen. Das wären 10 Prozent mehr als 2004.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.378,81 | −1,10% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2442 | −0,37% |
| Rohöl Brent Crude | 105,45 $ | −1,31% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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