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Autoindustrie Der Emir von Qatar legt sich Porsche zu

14.06.2009 ·  Der Einstieg des Golfstaats Qatar bei Porsche steht unmittelbar bevor. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ will der Emir mindestens 25 Prozent an dem Sportwagenhersteller erwerben. An diesem Wochenende wird über die Modalitäten verhandelt.

Von Georg Meck
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Viele Freunde hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nicht mehr, zumindest keine solchen, die ihm mal eben mit ein paar Milliarden Euro aushelfen. So viel braucht er jedoch, um seinen VW-Coup halbwegs sicher über die Bühne zu wuchten. Porsche ist hochverschuldet, die Banken verweigern dem Sportwagenhersteller weitere Kredite. Und der fest einkalkulierte Griff in die VW-Kasse verbietet sich, das hat die Politik, allen voran Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), vereitelt.

Die Rettung naht nun in Gestalt eines Scheichs: Der Emir von Qatar steht offenbar vor den Toren Zuffenhausens, schon in den nächsten Tagen könnte der Pakt mit dessen Fonds, der Qatar Investment Authority (QIA), besiegelt werden, heißt es sehnsuchtsvoll.

Prüfung der Bücher ist abgeschlossen

Der Emir scheint entschlossen, sich direkt an der Porsche Holding zu beteiligen. Die Prüfung der Bücher, die „Due Diligence“, ist abgeschlossen, so ist aus Bankenkreisen zu erfahren. An diesem Wochenende laufen demnach vertiefende Gespräche über den Einstieg des neuen Ankeraktionärs. Porsche selbst wollte die Gerüchte zwar nicht kommentieren. Die Scheichs pochen aber nach Angaben von Verhandlungsteilnehmern auf eine weitgehende Mitsprache. Zur Debatte steht demnach eine Beteiligung mit mehr als 25 Prozent (und theoretisch maximal 49 Prozent) der Anteile an der Porsche Holding. Die Familien Porsche und Piëch gäben damit Einfluss auf, Wiedeking könnte jedoch abwenden, von Volkswagen geschluckt zu werden.

Bisher hält der Porsche/Piëch-Clan 100 Prozent der Porsche-Stammaktien. Und zumindest Ferdinand Piëch, VW-Aufsichtsratschef und Gegenspieler Wiedekings, wird nachgesagt, sich gegen fremde Mitsprache zu stemmen. Allein hat er jedoch kein Vetorecht, und die Familie hat in der Not ihre prinzipielle Bereitschaft zur Aufnahme von Investoren bekundet. Die dazu notwendige Kapitalerhöhung muss freilich vom Porsche-Aufsichtsrat beschlossen werden. Ein Termin ist dafür noch nicht anberaumt, auch bleibt unklar, ob die Familie ebenfalls frisches Kapital zuschießt oder sich auf den Scheich verlässt.

Porsche fragt beim Staat nach Geld

Eine Senkung der Verschuldung ist für Porsche bitter nötig, abgesehen davon braucht der Sportwagenhersteller dringend Geld, um den laufenden Betrieb zu finanzieren. Zu diesem Zweck hat Wiedeking die staatseigene KfW angepumpt: In den nächsten Tagen will die entscheiden, ob sie die von Porsche beantragten 1,75 Milliarden Euro zahlt - ein „ganz normaler Kredit zu marktüblichen Konditionen, darüber hinaus mit VW-Aktien besichert“, wie Porsche betont, folglich „keine Stütze oder Staatshilfe“, sondern „ein vorteilhaftes Geschäft“ für den Steuerzahler, „weil die KfW dem Bankenkonsortium beiträte, das der Porsche SE bereits einen Kredit von insgesamt 10,75 Milliarden Euro gewährt hat“.

Bleibt die Frage, warum sich alle anderen Banken zieren, wenn Konditionen und Sicherheiten so einwandfrei sind? Die Krise sei daran schuld, lautet die Antwort Wiedekings, obgleich ihm schwant, dass es ein Fehler gewesen sein könnte, dass ausgerechnet er, der höchstbezahlte Manager der Republik, beim Staat um Hilfe ansteht. „Luxus verträgt sich nicht mit Stütze“ - wie oft wurde ihm dieser Satz nun um die Ohren gehauen. Einzig Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und die SPD im Südwesten befürworten den Staatskredit für Porsche. Also werkeln sie in Zuffenhausen an einem Plan B, an „alternativen Finanzierungen“, falls die Milliarden von der Staatsbank ausbleiben.

50 Prozent an Volkswagen hält Porsche nun. Auf weitere 20 Prozent haben sie Zugriff über Optionen, die sie am liebsten ebenfalls an den Scheich abtreten würden, wobei fraglich ist, ob Qatar sich darauf einlässt. Sicher ist: Porsche fehlen die Mittel, um die VW-Anteile auf die ursprünglich avisierten 75 Prozent aufzustocken. Das undurchsichtige Konstrukt mit Optionen auf VW-Aktien birgt womöglich lebensgefährliche Risiken für Porsche. Die Schwaben haben sich gegen steigende VW-Kurse am Terminmarkt abgesichert. Um die Gebühren dafür zu senken, haben sie gleichzeitig Verkaufsoptionen abgeschlossen. Von denen wird am kommenden Freitag, dem sogenannten Hexensabbat, eine aufsehenerregend große Zahl an der Terminbörse Eurex fällig. Dies könnte gewaltige Kursausschläge der VW-Aktie auslösen - und im Extremfall Milliardenverluste für Porsche provozieren, behaupten Analysten. Davon will der Sportwagenhersteller nichts wissen. „Wir sind nicht an der Eurex engagiert und auch niemand in unserem Auftrag“, betont ein Konzernsprecher. Wer einen Scheich hat, muss keine Hexen fürchten.

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Jahrgang 1967, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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