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Autohersteller in der Krise Sieben Mythen über Opel

23.02.2009 ·  Opel baut tolle Autos für die Zukunft, und überhaupt ist Opel ein gesundes Unternehmen: Über den deutschen Autobauer kursieren neuerdings viele Mythen wie diese. Die meisten halten einer Überprüfung nicht stand.

Von Tim Höfinghoff
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Über den deutschen Autobauer kursieren neuerdings viele Mythen. Die meisten halten einer Überprüfung nicht stand.

Mythos 1: Opel ist ein gesundes Unternehmen

Opel ist Teil des amerikanischen Konzerns General Motors (GM). Die Geschäftsergebnisse der deutschen Adam Opel GmbH sind in der Bilanz der GM Europe AG enthalten und werden nicht getrennt ausgewiesen. Über die genauen Geschäftszahlen von Opel kann also nur spekuliert werden. Sicher ist jedoch: Die Zahlen sind schlecht. Zwar heißt es oft, Opel stehe gut da. Doch das kann nicht sein. Im europäischen GM-Geschäft sind allein im dritten Quartal 2008 Verluste in Höhe von rund einer Milliarde Euro angefallen - und Opel ist für etwa 80 Prozent des GM-Geschäfts in Europa verantwortlich. Auch anderen GM-Marken in Europa geht es schlecht (Saab meldet Gläubigerschutz an). Und Opel droht der Bankrott. Das Unternehmen braucht Kreditbürgschaften in Höhe von mindestens 3 Milliarden Euro.

Mythos 2: Opel ist ein eigenständiges Unternehmen

Opel ist alles andere als unabhängig. Opel ist integraler Bestandteil des General-Motors-Konzerns - und das schon seit dem Jahr 1929. Damals wurde Opel ein 100-prozentiges Tochterunternehmen von GM. Die Verflechtungen sind über Jahrzehnte gewachsen und deshalb eng. Zwar hat GM in der Vergangenheit auch Verluste von Opel getragen. Doch nun, da es GM sehr schlecht geht, belastet dies auch Opel in Deutschland. Weil Opel nicht eigenständig ist, erhält Opel kein eigenes Rating, also keine Bonitätsbewertung. Eine eigenständige Finanzierung ist also nicht möglich. Die Bundesregierung in Deutschland knüpft ihre möglichen Bürgschaften an die Voraussetzung, dass Opel unabhängig von GM wird. Sonst müsste sich die Regierung darum sorgen, dass das deutsche Rettungsgeld für Opel zu GM nach Amerika abfließt - ganz normal in einem internationalen Unternehmen.

Mythos 3: Opel wird gebraucht

Alle Autohersteller leiden in der Krise. Doch Opel besonders. Denn das Unternehmen ist ein eher durchschnittlicher Anbieter. Opel hat keine überragende Stellung - weder in der Größe noch durch besondere Automodelle. Im Vergleich zu anderen Massenherstellern wie Volkswagen und Peugeot sind die Opel-Margen aber zu klein. Auch für die Zukunft sieht es nicht besser aus. Denn um das Image von Opel ist es nicht gut bestellt. Weder bei den älteren Kunden, die sich erinnern, dass es lange Zeit an der Qualität haperte. Noch bei den Jungen. Der Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach hat herausgefunden, dass die 18- bis 25- Jährigen die Marke Opel nicht schätzen: In einer Studie heißt es, dass Opel eine "besonders uninteressante Marke" sei. Welche Marke die jungen Käufer mögen? Audi.

Mythos 4: Opel baut tolle Autos für die Zukunft

Keine Frage, der neue Opel Insignia ist ein guter Wagen, wenn man der Auszeichnung "Auto des Jahres 2009" glauben darf. Doch selbst wenn Opel davon viele Fahrzeuge verkauft: Für die nähere Zukunft wird das dem Unternehmen wenig bringen. In der Autoindustrie zählt Volumen, also eine hohe Produktionszahl, damit die Stückkosten sinken. Und dies wird Opel mit dem Insignia nicht erreichen können. Zwar könnten Marken wie Corsa und der Astra für mehr Auslastung in den Fabriken sorgen - besonders weil solche Modelle wegen der Abwrackprämie derzeit sehr gefragt sind. Doch gerade in diesem Modellsegment ist die Opel-Konkurrenz meist besser aufgestellt. So hat etwa VW mit dem neuen Golf ein aktuelleres Produkt im Markt. Und der neue Astra von Opel lässt auf sich warten.

Mythos 5: Politiker können Opel retten

Wenn die Mehrheit der Deutschen die Idee unterstützt, dass der Staat bei dem Autohersteller Opel einsteigt - wie eine Umfrage ergab -, dann ist klar, warum Politiker sich kaum scheuen, Opel zur Hilfe zu eilen. Zumal Opel in vier Bundesländern Standorte hat: in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Deren Landespolitiker wollen Standorte und Jobs retten. Doch krisengeplagte Unternehmen durch Staatseingriff zu stützen hat selten funktioniert. Greift der Staat ein, wird der Niedergang der Unternehmen häufig nur hinausgezögert, jedoch nicht verhindert. Eine Insolvenz ist schmerzhaft, bietet aber die Chance für den Neuanfang.

Mythos 6: Opel geht es ohne GM besser

Kaum jemand in der Autobranche ist zuversichtlich, dass regionale oder nationale Lösungen für einen Hersteller wie Opel eine tragfähige Zukunft bieten. Die Adam Opel GmbH allein ist auf Dauer nicht überlebensfähig. Gerade deshalb sucht Opel dringend neue Partner. Zwar haben sich selbst die Opel-Händler bereit erklärt, bei der Opel-Rettung dabei sein zu wollen. Doch dass ihre Beteiligung an dem Autokonzern die Probleme lösen wird, ist utopisch.

Im vergangenen Jahr verkaufte Opel gemeinsam mit der Schwestermarke Vauxhall 1,5 Millionen Autos. Das ist im Vergleich zur Konkurrenz zu wenig. Opel ist zu klein. Dabei ist gerade der europäische Automarkt besonders hart umkämpft. Ohne Kooperationen mit anderen Herstellern, die helfen, die Kosten zu senken und die Auslastung zu sichern, kann Opel nicht überleben. Bei einer Trennung von GM und Opel stellt sich die Frage, wie Opel weitermachen will: Zwar hat das Unternehmen auch Vorteile gegenüber GM, zum Beispiel ist es gut bei der Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge, doch GM hat bisher mit seinen Aufträgen dafür gesorgt, dass Opel in den Bereichen Forschung und Entwicklung und in der Produktion viele Aufträge erhält. Das würde bei einer Trennung von GM entfallen. Und neue Arbeit ist nicht in Sicht.

Mythos 7: Die Krise ist schuld an Opels Misere

Gerne wird behauptet, die Krise habe die schlechte Lage von Opel erst verursacht. Das ist nicht richtig. Zwar stimmt es, dass Opel allein im Januar dieses Jahres 23 Prozent weniger Autos als im Vorjahreszeitraum verkauft hat. Doch Opel schwächelt schon seit Jahren. Das Grundproblem ist, dass die Zulassungen in Deutschland seit langem zurückgehen und der Automarkt gesättigt ist. Diese Probleme der Autohersteller wurden durch die Finanzkrise zwar verschärft, doch die Überkapazitäten, das rückläufige Branchenwachstum und die verfehlte Modellpolitik haben mit der Finanzkrise nichts zu tun.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Wirtschaft.

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