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Autohersteller Fiat übernimmt 35 Prozent an Chrysler

20.01.2009 ·  Fiat und Chrysler wollen eine Allianz eingehen. In einem ersten Schritt soll Fiat 35 Prozent an Chrysler übernehmen. Beide Autohersteller unterzeichneten eine entsprechende vorläufige Vereinbarung. Bei der Transaktion soll kein Geld fließen.

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Der italienische Auto-, Traktoren- und Lastwagenkonzern Fiat beteiligt sich am krisengeschüttelten amerikanischen Autobauer Chrysler. Die Unternehmen unterzeichneten nach eigenen Angaben vom Dienstag eine nichtbindende Vereinbarung. Laut einer von Chrysler verbreiteten E-Mail sieht die Vereinbarung vor, dass bei der Transaktion kein Geld fließt. Zuvor hatte John Elkann, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Fiat, die Gespräche mit Chrysler bestätigt, ohne Details zu nennen. Die Fiat-Aktien waren am Dienstag Vormittag an der Mailänder Börse vom Handel ausgesetzt.

Für Chrysler brächte ein Zusammenschluss mit Fiat Zugang zu Absatzmärkten außerhalb der Vereinigten Staaten und Expertise im Kleinwagensektor. Dafür sind die Amerikaner bereit, Fiat bis zu 35 Prozent zu überlassen. Chrysler gehört seit 2007 dem Finanzinvestor Cerberus Capital Management. Auch eine Option für eine Aufstockung des Anteils der Italiener sei vereinbart, heißt es in Verhandlungskreisen.

Kleinwagen für Chrysler - Amerika für Alfa

Parallel zur Beteiligung ist auch eine enge Kooperation zwischen den Unternehmen geplant. Dabei kann Fiat den Amerikanern Autoplattformen und Technik für verbrauchsgünstige Kleinwagen bieten, die Chrysler bisher nicht im Programm hat. Chrysler wiederum kann mit seinem Händlernetz den Italienern den Markteintritt in Nordamerika erleichtern. Dort sucht Fiat schon seit langer Zeit nach Vertriebswegen für die nächste Generation seiner Alfa Romeos.

Fiat-Chef Sergio Marchionne hat in den vergangenen Monaten gesagt, dass nach seiner Meinung längerfristig nur diejenigen Autobauer überlebensfähig seien, die eine Jahresproduktion von 4 Millionen erzielten. 2007 lag die Autoproduktion von Fiat bei 2,3 Millionen Stück.

Fiat selbstbewusst

Im Jahr 2005 ist Fiat in die Gewinnzone zurückgekehrt - nach einer vier Jahre dauernden Verlustserie, in der die Turiner ein Defizit in Höhe von 7,5 Milliarden Euro angehäuft hatten. In einer Präsentation erklärte das Unternehmen am Montag, die Zahlen zum vierten Quartal und das Jahresergebnis 2008 werden „die beste je erreichte Profitabilität“ ausweisen. Der Konzern legt die Zahlen am Donnerstag vor. Den Italienern könnte eine Allianz helfen, im größten Automarkt der Welt Fuß zu fassen. Bis jetzt sind sie dort nur mit den Nobelmarken Maserati und Ferrari präsent. Mit Hilfe von Chrysler könnten die Modelle von Alfa Romeo und der Kleinwagen Fiat 500 in Amerika montiert werden und neue Käufer finden.

Analysten loben die Allianz

Analysten beurteilen die Entwicklung positiv. Eine Zusammenarbeit mit Fiat verbessere Chryslers Überlebenschancen, sagte Edward Altman, Professor an der New York University im Interview mit Bloomberg TV. Altman hatte am 23. Dezember erklärt, Chrysler werde in sechs Monaten nicht mehr existieren. „Es sieht danach aus, dass sie zusammenpassen“, sagt Van Conway, Gründer und Partner bei der auf Restrukturierungen spezialisierten Beratungsgesellschaft Conway MacKenzie & Dunleavy in Birmingham im Bundesstaat Michigan. Beide Unternehmen erhielten Zugang zu neuen Absatzmärkten. Kosten für Beschaffung und Entwicklung könnten geteilt werden, ergänzte Conway.

Kein amerikanischer Autohersteller hängt stärker vom Absatz auf dem Heimatmarkt ab als Chrysler. Mehr als 90 Prozent der Produktion finden ihre Kunden in Nordamerika; dort hat der Konzern im Vorjahr rund 30 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft. Ohne einen Kredit des amerikanischen Finanzministeriums in Höhe von vier Milliarden Dollar am 2. Januar wären bereits im laufenden Monat bei Chrysler die Lichter ausgegangen - in der zweiten Jahreshälfte 2008 hat der Konzern 6,5 Milliarden Dollar verloren.

Der im Dezember im amerikanischen Kongress vorgelegte Sanierungsplan sieht als Kernpunkte Allianzen und Partnerschaften vor. Chrysler muss bis 17. Februar im Kongress über die erzielten Fortschritte berichten, bis Ende März ist ein vollständiger Plan fällig - andernfalls könnten die Kredite der Regierung widerrufen werden.

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Von Heike Göbel

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