Håkan Samuelsson soll nach F.A.Z.-Informationen der neue Vorstandsvorsitzende des schwedischen Automobilherstellers Volvo Cars werden. Der 61 Jahre alte Schwede und frühere Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers MAN SE soll so schnell wie möglich den Posten antreten. Er löst Stefan Jacoby ab, der im September einen Schlaganfall erlitten hatte und sich noch in der Genesung befindet. Damit gibt es in gewisser Hinsicht einen fließenden Übergang, weil Samuelsson bereits seit zwei Jahren im Verwaltungsrat von Volvo Cars sitzt. Er wurde Mitte 2010 in das Gremium geholt, nachdem der chinesischen Autohersteller Geely die schwedische Marke von Ford erworben hatte.
Samuelsson schied im November 2009 nach fast fünf Jahren als MAN-Vorstandschef aus, nachdem ein halbes Jahr zuvor der Skandal um Schmiergeldzahlungen im Lastenwagen- und Busgeschäft bekannt geworden war. Damals nahm die Staatsanwaltschaft keine Ermittlungen in der Korruptionsaffäre gegen ihn auf. In diesem Sommer allerdings holte Samuelsson die Vergangenheit wieder ein, nachdem belastende Zeugenaussagen in einem Gerichtsprozess im Zuge der Schmiergeldaffäre die Ermittler aufhorchen ließ. Derzeit prüft die Staatsanwaltschaft München eine Anklageerhebung.
Dem Schweden wurden immer wieder Ambitionen unterstellt, in sein Heimatland zurückkehren zu wollen. So gab es auch schon Spekulationen, er würde zum Nutzfahrzeughersteller Volvo gehen, mit dem es jedoch keine Verbindungen zum gleichnamigen Autohersteller gibt.
Schwierige Lage bei Volvo
Die derzeit schwierige Lage bei Volvo Cars trifft Samuelsson wegen seiner längeren Zugehörigkeit als Verwaltungsratsmitglied nicht unvorbereitet. Die Absatzschwäche auf dem Automarkt hat nämlich auch die Schweden getroffen. Nach einem erfolgreichen Jahr 2011 ist das Unternehmen aus Göteborg mit 250 Millionen schwedischen Kronen (30 Millionen Euro) im ersten Halbjahr 2012 wieder in die Verlustzone gerutscht. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Kronen gegeben. Dabei stieg der Umsatz sogar noch um 4 Prozent auf 65 Milliarden Kronen.
Auch soll es schon eine Weile lang Auseinandersetzungen zwischen Stefan Jacoby und dem Verwaltungsratsvorsitzenden Hans-Olov Olsson um Macht und Einfluss sowie - wie es hieß - immer wieder persönliche Gefechte zwischen beiden gegeben haben. Mit Samuelsson, dem gute Beziehungen zu Geely nachgesagt werden, hofft der chinesische Eigentümer auf eine harmonische Zusammenarbeit.
