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Auto-Show Detroit Die Rückkehr der angestaubten Kultmarken

06.01.2004 ·  Corvette und Mustang feiern ein Comeback. Die amerikanische Autohersteller wollen die Japaner mit neuen Personenautos bremsen. FAZ.NET-Spezial zur Auto-Show Detroit.

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Diese Nachricht hatte Detroit im Vorfeld der Automesse gerade noch gefehlt: In der neuesten Liste der amerikanischen Städte mit den größten Fettleibigkeitsproblemen ist Detroit an die erste Stelle gerückt. Die Rangliste wurde von der Zeitschrift "Men's Fitness" veröffentlicht.

Die Meldung sorgte in der Lokalpresse für reichlich Aufsehen. Bürgermeister Kwame Kilpatrick sah sich zu einer Stellungnahme genötigt. Seine Interpretation: Detroit sei nun einmal die Auto-Hauptstadt der Welt, und das bringe die Gewohnheit mit sich, weniger zu Fuß zu gehen.

Offensive bei den Personenwagen

Natürlich kann Kilpatrick froh sein, daß die großen amerikanischen Autohersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler alle in und um Detroit sitzen und die Stadt damit zum Zentrum der Autoindustrie machen - selbst wenn die Unternehmen in den vergangenen Jahren einiges an Glanz eingebüßt haben. Auf der diesjährigen Messe starten die "großen Drei" eine weitere Offensive, um die auf dem amerikanischen Markt immer erfolgreicheren ausländischen Hersteller zu bremsen. Diesmal richtet sich die Aufmerksamkeit auf Personenautos.

Hier haben die amerikanischen Hersteller in den vergangenen Jahren kontinuierlich Marktanteile verloren, der meistverkaufte Personenwagen in Amerika (Toyota Camry) kommt inzwischen aus Japan. "Wir können das nicht weiter hinnehmen", sagte Bob Lutz, der bei GM für die Produktentwicklung zuständige Vice Chairman.

Vom einstigen Kultauto zum Wagen für gesetztere Herren

Als Vorzeigeprojekte haben GM und Ford zwei angestaubte Ikonen der amerikanischen Autoindustrie wiederbelebt: Die GM-Sparte Chevrolet hat die Marke Corvette als sechste Generation aufgelegt. Ford bringt eine neue Version des Mustang. Beide Modelle sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Die Corvette hatte in Amerika als schnittiger Mittel- bis Oberklasse-Sportwagen Kultstatus, mittlerweile verfolgt die Marke aber der Ruf eines Autos für gesetztere Herren, die ihrer Jugend hinterherlaufen. Das neue Modell soll nun mit einer Spitzengeschwindigkeit von mehr als 280 Kilometern die schnellste Corvette aller Zeiten sein.

Der Mustang ist als kantiges Halbstarkenauto berühmt geworden und bewahrt diese Kantigkeit auch in der neuen Version. Ford-Chef Bill Ford, der alles andere als ein Halbstarken-Image verkörpert, sagte bei der Präsentation: "Wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch ein Auto fahren könnte, wäre das der Mustang." Auf der Messe haben die Modelle Corvette und Mustang gute Kritiken bekommen. Sie dürften allerdings Nischenangebote bleiben.

Die massentauglichen Modelle sind dagegen deutlich weniger aufregend. Das gilt für den Ford 500 ebenso wie für den G6 der GM-Marke Pontiac, die recht konservativ anmuten. Dafür hat Pontiac mit dem Modell Solstice einen auffallend kleinen, aber sehr eleganten Sportwagen präsentiert.

Chrysler kommt mit neun neuen Modellen

Chrysler will im Jahr 2004 insgesamt neun neue Autos auf den Markt bringen, nachdem es in den vergangenen Jahren nur wenige Neueinführungen gab. Zu den größten Hoffnungsträgern gehören der Mittelklassewagen 300C im Retro-Design sowie neue Minivan-Modelle - die Fahrzeug-Kategorie, die Chrysler maßgeblich geprägt hat. Darüber hinaus hat Chrysler auch diesmal wieder ein auffälliges Konzeptauto vorgestellt. Im vergangenen Jahr sorgte noch der zur Markenfamilie Dodge gehörende Tomahawk für Aufsehen, eine Mischung aus Motorrad und Auto. Wolfgang Bernhard, Chief Operating Officer von Chrysler, berichtete, daß von diesem Modell nun zehn Stück verkauft werden sollen, sechs Aufträge für einen Verkaufspreis von 550 000 Dollar gebe es bereits.

Der diesjährige Konzept-Höhepunkt war der Marke Chrysler vorbehalten. Das superflache Modell ME Four-Twelve erinnert eher an einen italienischen Sportwagen als an irgend etwas, das Chrysler bisher im Programm hat. Das Auto hat einen Zwölf-Zylinder-Motor und 850 PS.

Tanzeinlage bei Chrysler

Chrysler-Chef Dieter Zetsche demonstrierte unterdessen in Detroit, daß er mindestens so amerikanisch sein kann wie jeder einheimische Automanager. Bei der Vorstellung von zwei neuen Minivans, bei denen man die Sitzreihen mit einem neuen System in den Fahrzeugboden versenken kann, ließ er zunächst einmal Tänzerinnen mit einer reichlich suggestiven Autositzchoreographie auftreten.

Die Damen legten Kleidungsstücke ab, warfen ihre Hüte ins Publikum und räkelten sich auf ein paar frei stehenden Sitzen. Dann kam Zetsche selbst mit einem der neuen Minivans auf die Bühne. Er stieg aus, warf ebenfalls einen Hut in Richtung der Zuschauer und meinte: "Wer sagt, daß Minivans nicht sexy sein können?" Es fällt schwer, sich Bill Ford oder GM-Chef Rick Wagoner mit einer solchen Nummer vorzustellen.

Japaner wollen bei Pick-ups davonziehen

Während die Amerikaner wieder verlorenes Terrain bei den Personenautos zurückgewinnen wollen, drängen die japanischen Hersteller verstärkt auf das Spezialgebiet der amerikanischen Wettbewerber: Transportautos wie Pick-up-Trucks oder Sport-Utility-Vehicles (SUV). Honda und Mitsubishi zum Beispiel stellten eine Mischung aus beidem vor, ein SUV, das hinten eine offenliegende Ladefläche hat.

Ganz einzigartig ist das aber nicht. GM hat eine Version seines wuchtigen Militärmodells Hummer, die ebenfalls eine kleine Ladefläche hat. Auf der anderen Seite versuchen die japanischen Hersteller, ihr etwas hausbackenes Image bei Personenautos aufzufrischen.

Ecken und Kanten von Toyota

Toyota hat im vergangenen Jahr im Testmarkt Kalifornien die ganz neue Marke Scion mit einem fast schon waghalsig eckig gestalteten Minivan eingeführt. Offenbar hat das Unternehmen damit neue Käuferschichten erschlossen: Drei Viertel der Scion-Käufer sind Erstkunden, berichtete Toyota, außerdem sei die Hälfte der Kunden weniger als 35 Jahre alt. In Detroit hat Toyota nun eine deutlich zahmer aussehende Coupé-Version des Scion vorgestellt - und läuft damit Gefahr, das frische Scion-Image zu verwässern.

Bei den deutschen Herstellern fiel Volkswagen mit dem "Concept T" auf, einer aggressiv aussehenden Mischung aus Geländewagen und Sportauto. Audi kam mit einer neuen A8-Version mit zwölf Zylindern, deren markantestes Merkmal ein wuchtiger Grill ist, der von den Scheinwerfern bis unter das Nummernschild reicht. BMW präsentierte eine elegante Cabrio-Version aus der Sechser-Reihe.

Mercedes-Benz stellte eine weiterentwickelte Version der auf den amerikanischen Markt zugeschnittenen Langstrecken-Limousine "Grand Sports Tourer" (GST) vor, die der endgültigen Variante schon sehr ähnlich sein soll. Der GST wird in Tuscaloosa (Alabama) gefertigt und soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2004, Nr. 5 / Seite 12 , lid.
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