30.10.2009 · Die Lage des insolventen Versenders scheint sich nochmals zu verschärfen: Der wichtige Ausverkauf ist in Gefahr. Immerhin hat die Post ihren Lieferstopp wieder aufgehoben. Insolvenzverwalter Görg wird indes für seinen Umgang mit gekündigten Mitarbeitern gerügt.
Von Helmut Bünder und Rüdiger KöhnDer Ausverkauf bei Quelle kann weitergehen. Die Deutsche Post hat sich mit dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg über ausstehende Rechnungen für den Warenversand geeinigt. „Nachdem jetzt sichergestellt ist, dass unsere Dienstleistungen wieder bezahlt werden, fahren wir ab heute den Service wieder hoch und erbringen wie gewohnt die Leistungen“, sagte der Post-Vorstandschef Frank Appel. Zuvor hatte die Logistiksparte DHL die Belieferung der Quelle-Kunden nach Angaben von Appel für eineinhalb Tage eingestellt.
Das ist ausgerechnet unmittelbar vor dem Start des Lagerabverkaufs geschehen, der Anfang nächster Woche beginnt. Das hätte die Bemühungen des Insolvenzverwalters gefährdet, einen schnellen Verkauf der Warenbestände zu erreichen, um an dringend benötigtes Geld zu kommen. Der Abverkauf wäre ohne die Unterstützung der Post unmöglich geworden. Rund 18 Millionen Artikel warten in den Quelle-Lägern auf Käufer und den Versand zu den Kunden. Zudem stapeln sich im Retourenlager in Fürth Tausende von Paketen, die Kunden zurückgeschickt haben.
Nur per Telefon von der Entlassung erfahren
Die Lage scheint sich immer weiter zuzuspitzen. Offenbar ist das Geld bei Quelle so knapp, dass sich die Lieferanten um die Begleichung ihrer Rechnungen sorgen müssen. So ist auch eine Insolvenz in der Insolvenz nicht mehr ausgeschlossen. Diese „Masseunzulässigkeit“ würde Lieferanten, die Ware in der Insolvenz bereitgestellt haben, nicht mehr bevorrechtigen, sondern mit Gläubigern aus der Zeit vor der Insolvenz gleichstellen. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters bestätigte, dass Görg einen solchen Antrag prüfe. Das sei eine vom Gesetzgeber vorgesehene Maßnahme zur Liquidierung eines Unternehmens. Görg hatte schon vor eineinhalb Wochen eine solche Insolvenz in der Insolvenz nicht ausgeschlossen, sollte sich die Lage weiter verschärfen. Ob es dazu kommt, hängt vom Abverkauf ab. Der soll per Internet, aber auch über Callcenter, die noch geöffneten Technik-Center sowie über die 1200 Quelle-Shops erfolgen. Vorgesehen sind Rabatte von 10 Prozent (Technik), 20 Prozent (Wohnen) und 30 Prozent (Mode).
Mit Hochdruck wird an den Vorbereitungen gearbeitet. Rund 1100 Quelle-Beschäftigte werden für den Ausverkauf benötigt, weitere 3200 Mitarbeiter in den Quelle nahestehenden Serviceeinheiten. Sie werden voraussichtlich zum 1. Februar 2010 ihre Kündigung erhalten, wobei sie abhängig vom Verlauf der Abwicklung auch sofort freigestellt werden können. Daraus errechnet sich die Zahl von 2100 Beschäftigten, die schon zum 1. November entlassen werden. Görg musste sich abermals scharfe Kritik gefallen lassen, denn 1900 Quelle-Mitarbeiter wurden erst am Freitag telefonisch von ihrer sofortigen Entlassung unterrichtet. In dieser Woche haben sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 3550 Quelle-Mitarbeiter arbeitslos gemeldet. Viele von ihnen hätten bislang keine Arbeitsbescheinigung oder Kündigung erhalten.
Auch bei DHL müssen viele gehen
Die Quelle-Abwicklung wird in der Post-Logistiksparte DHL mindestens 720 Arbeitsplätze kosten. Nach der Anfang September angekündigten Streichung von 320 Stellen ist in einer zweiten Welle der Abbau von 400 Jobs geplant. Besonders betroffen ist Nürnberg, wo mehr als 200 Arbeitsplätze wegfallen. Sechs Standorte in Deutschland sollen geschlossen werden.
Viele DHL-Mitarbeiter, die in der Warenlogistik für die Karstadt-Kaufhäuser tätig sind, fürchten nun ebenso um ihre Arbeitsplätze. Die Post hat angekündigt, dass sie die Belegschaft in diesem Segment um 240 Leute verkleinern will. Vor der Insolvenz des Arcandor-Konzerns hatten rund 3000 DHL-Mitarbeiter für die Warenhäuser und den Quelle-Versandhandel Waren gelagert, umgeschlagen und transportiert. Nach bisheriger Planung werden davon insgesamt 960 Arbeitsplätze wegfallen, also rund ein Drittel. Möglicherweise ist dies noch nicht das Ende des Aderlasses. „Das sind die notwendigen Maßnahmen aus dem, was wir heute wissen“, sagte Post-Chef Appel.
Arcandor war einer der größten DHL-Kunden in Deutschland. In einem 2005 auf zehn Jahre abgeschlossenen Vertrag hatte die Post die Logistik für den Handelskonzern übernommen mit einem Auftragsvolumen von rund 500 Millionen Euro im Jahr. Entsprechend heftig schlägt die Arcandor-Pleite auf das Ergebnis der Post durch. Es gebe zusätzlichen Abschreibungsbedarf, hat Post-Chef Frank Appel vor einigen Tagen gesagt. Im ersten Halbjahr hat die Insolvenz den Bonner Konzern bereits 40 Millionen Euro gekostet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |