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Veröffentlicht: 12.04.2013, 07:20 Uhr

Ausstieg Deutsche Post will keine De-Mails zustellen

Die Deutsche Post verabschiedet sich von der De-Mail, dem staatlich geförderten elektronischen Behördenbrief. Sie mag die Datenschutz-Regeln nicht. Stattdessen will sie ihren eigenen „elektronischen Brief“ attraktiver machen.

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© Stefan Boness/Ipon Der Cebit-Stand der Deutschen Post

Die Deutsche Post verabschiedet sich von der De-Mail, dem staatlich geförderten elektronischen Behördenbrief. Stattdessen konzentriert sich der Konzern auf neue Anwendungen und Zusatzfunktionen rund um seinen E-Postbrief, die ihn für Privatkunden attraktiver machen sollen. „Wir werden das Zertifizierungsverfahren für De-Mail vorerst nicht weiterverfolgen. Solange der Gesetzgeber an den Bestimmungen für das Identifizierungsverfahren festhält, hat das keinen Sinn“, sagte Ralph Wiegand, der Vorstand für den E-Postbrief, dieser Zeitung. Damit können die Deutsche Telekom, United Internet und Mentana Claimsoft, die drei bisher für De-Mail akkreditierten Anbieter, das Geschäft mit der digitalen Kommunikation zwischen Bürgern und Behörden unter sich ausmachen.

Helmut  Bünder Folgen:

Ein Jahr lang haben die Vorarbeiten der Post gedauert. Alle technischen Prüfungen seien erfolgreich absolviert, das Produkt liege fix und fertig in der Schublade. Nur der Datenschutzbeauftragte verweigert sein Zertifikat. Denn die Post speichert bei der Registrierung von Kunden mehr Daten als unbedingt notwendig: In seinem Postident-Verfahren fragt der Konzern auch nach der Personalausweisnummer und der ausstellenden Behörde, was im De-Mail-Gesetz nicht vorgesehen ist.

Eine Änderung ihres Identifizierungsverfahrens lehnt die Post kategorisch ab. „Das Postident-Verfahren hat sich seit 17 Jahren bewährt. Davon werden wir nicht abrücken, nur um einem unglücklich formulierten Gesetz zu genügen“, so Wiegand. Die Erfassung von Ausweisnummer und ausstellender Behörde sei auch im Geldwäschegesetz und im Signaturgesetz ausdrücklich vorgesehen. Juristen der Post sähen deshalb sogar ein Haftungsrisiko, wenn per De-Mail ohne ausreichende Authentifizierung Bankkonten eröffnet oder andere Finanztransaktionen abgewickelt würden, sagte Wiegand.

Rund eine Milliarde Euro Marktvolumen

Die Konkurrenten werten diese Darstellung als Nebelwerferei. Ein Sprecher der Deutschen Telekom sagte, De-Mail-Anbieter unterlägen strengen Regelungen, und dazu gehöre eben auch die „Datensparsamkeit“. Das Marktvolumen für die Behördenpost, die bisher praktisch vollständig konventionell zugestellt wird, veranschlagt Wiegand auf eine Größenordnung von rund eine Milliarde Euro im Jahr. Seiner Ansicht nach wird es aber sehr schwierig werden und sehr lange dauern, die Abläufe in Tausenden von Kommunen, Ämtern und Behörden auf De-Mail umzustellen. Ob sich wirklich ein lukrativer digitaler Markt herausbilde, bleibe abzuwarten. „Da gibt es fast nur Spezialfälle, keine Standards und viel Mühsal. Märkte entstehen nicht per Gesetz“, meinte Wiegand.

Die Post-Konkurrenten zielen mit der De-Mail aber keineswegs nur auf die Behördenpost. Mit ihrem neuen Dienst, im Prinzip eine besonders geschützte, aber dafür kostenpflichtige E-Mail, wollen sie auch Großversender wie Unternehmen, Banken und Versicherungen bedienen. Und dort geht es um ganz andere Größenordnungen: So schätzt die Telekom, dass in Deutschland bis 2018 etwa 40 Prozent aller Briefsendungen durch De-Mail digitalisiert werden könnten - ein direkter Angriff auf das Kerngeschäft der Post. Wiegand ist zuversichtlich, dass die Post als einziger Anbieter mit flächendeckender Zustellung die Oberhand behalten wird. Geschäftskunden seien darauf angewiesen, dass ihre Briefe auch jene Empfänger erreichten, die keinen Internetzugang hätten oder nicht bereit seien, sich für digitale Postdienste anzumelden.

Nur die wenigsten E-Postbriefe werden digital zugestellt

Bei der Post haben sich zwar etwa eine Million Menschen für den E-Postbrief registriert. Nur die wenigsten nutzen ihn aber aktiv. Weniger als 5 Prozent der insgesamt verschickten E-Postbriefe würden auch digital zugestellt, sagte er. Den großen Rest schicken die Geschäftskunden online an die Post, welche die Sendungen ausdruckt, kuvertiert und dann auf dem üblichen Weg in die Briefkästen befördert. Nach einem zähen Start kommt das Geschäft mit dem E-Postbrief zusehends in Fahrt. Rund 100 Millionen Euro Umsatz peilt die Post in diesem Jahr an, fünfmal so viel wie 2012. Viele Großkunden hätten vorsichtig begonnen und das System erst einmal getestet. Jetzt gäben sie sehr viel mehr Sendungsvolumen auf die Plattform, erläutert Wiegand. Zusätzliche Mengen kämen auch von den vielen kleineren Gewerbekunden. Für sie habe die Post eine neue Schnittstellenlösung entwickelt, die den Versand stark vereinfache.

Allein in Berlin arbeiten inzwischen rund 90 Entwickler an neuen Funktionen rund um den E-Postbrief. Einschließlich der Mitarbeiter in Bonn, die sich auch um Marketing und operatives Geschäft kümmern, umfasst Wiegands Mannschaft rund 300 Leute, und einige Dutzend weitere Tüftler will er noch ins Boot holen. Sein großes Ziel ist es, die E-Post zu einem „digitalen Büro“ auszubauen, dass den Anwendern das Leben erleichtert und ihnen lästige Arbeiten abnimmt. Zum Beispiel durch eine Zahlungsfunktion, die Rechnungen erkennt und es ermöglicht, sie mit einem einzigen Mausklick zu bezahlen - ohne den Wechsel zum Online-Banking und die manuelle Eingabe von Kontonummern oder TAN-Nummern. Von August an soll dieses Feature auch auf dem Smartphone funktionieren.

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Hohe Erwartungen verbindet Wiegand mit dem Postscan, eine Art elektronischer Nachsendeservice: Wenn Kunden verreisen, digitalisiert die Post die für sie eingehenden Briefe und schickt sie den Kunden digital hinterher. Relevante Zielgruppe seien die etwa 600 000 Menschen, die jedes Jahr während einer vorübergehenden Abwesenheit den Lagerservice der Post nutzen. „Die Resonanz zeigt, dass wir damit einen Nerv getroffen haben“, meinte Wiegand.

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