Ausgerechnet die „MS Deutschland“ sollte es treffen. Das letzte Kreuzfahrtschiff, auf dem die deutsche Flagge weht, sollte bald nach den olympischen Spielen unter der Flagge Maltas fahren, um so Steuern und Personalkosten zu sparen. Bekannt ist der 175 Meter lange Dampfer vor allem aus der ZDF-Serie „Traumschiff“, in der sich Schiffsarzt Dr. Wolf Sander und Chefhostess Beatrice von Ledebur vor malerischer Kulisse um die seelischen Wehwehchen der Gäste kümmern.
Kapitän von Bord gewiesen
In der Posse, die in den vergangenen Tagen auf der „Deutschland“ aufgeführt wurde, hatten diesmal nicht die Gäste sondern die Besatzung und vor allem der Kapitän Hilfe nötig. Los ging es Ende vergangener Woche in der „Bild“-Zeitung mit der Schlagzeile „Meuterei auf der MS Deutschland“. Kurz vor dem Empfang der Deutschen Botschaft in London sei Kapitän Andreas Jungblut auf persönliche Anweisung des Eigners des Schiffs verwiesen worden. In diesem Fall von „Meuterei“ zu sprechen war natürlich Unsinn. Auch ist Jungblut zurzeit nicht der diensthabende Kapitän, sondern kam in seiner Urlaubszeit an Bord. Fakt aber bleibt: Der Kommandant musste das Schiff verlassen, nachdem er sich mit den Eignern heftig über die geplante Umflaggung gestritten hatte.
Das „Traumschiff“ wird von der Reederei Deilmann aus Neustadt in Schleswig-Holstein betrieben. Diese wurde einst von Peter Deilmann gegründet, der 2003 an Krebs starb. Die Zwillingsschwestern Hedda und Gisa erbten die Reederei samt ihrem Flaggschiff, der „Deutschland“, und rückten an die Spitze des Unternehmens auf. Wenige Jahre später begann der rapide Niedergang. Im Jahr 2009 meldete die Flusskreuzfahrtsparte der Reederei Insolvenz an, anschließend veräußerten die Schwestern ihre gesamten Anteile an die Münchner Beteiligungsgesellschaft Aurelius, später meldeten sie Privatinsolvenz an. Den Sanierungsspezialisten gehören nun 95 Prozent der Reederei - und damit auch die „MS Deutschland“.
1,5 Millionen Euro Verlust eingefahren
Das Schicksal der Traumschiff-Erbinnen vor Augen, rechneten die neuen Eigner mit spitzem Bleistift - und kamen zu einem wenig romantischen Ergebnis. Angesichts von 1,5 Millionen Euro Betriebsverlust 2011 sei „ein Verbleiben in der deutschen Flagge nicht länger finanzierbar“. Dies könne nur durch eine starke Erhöhung der Preise ausgeglichen werden, die sich am Markt aber nicht durchsetzen ließen. Die Ausflaggung der „MS Deutschland“ war damit besiegelt.
In der Branche ist zu hören, dass dies sogar nur die Spitze des Eisbergs sein sollte. Angeblich wollte das Unternehmen, das für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, die „Deutschland“ zunächst verkaufen, weil das Schiff schon rund 14 Jahre alt ist und hohen Ansprüchen nicht mehr genüge. Den Gerüchten zufolge wollte es aber niemand haben. Daraufhin sei beschlossen worden, nicht nur die Flagge zu wechseln, sondern auch die Betreibergesellschaft nach Malta zu verlagern. Das hätte nochmal deutlich mehr gespart.
„Der Malteser bleibt im Schrank“
Wie es der Zufall will, wählten die Sanierungsspezialisten für ihre Pläne einen höchst ungünstigen Zeitpunkt: Die „MS Deutschland“ liegt derzeit im Hafen von London, um dort als Hotelschiff eingesetzt zu werden. Das Deutsche Olympische Komitee empfängt hier seine Gäste. Bundespräsident Joachim Gauck verbrachte einige Stunden an Bord und ließ sich die Brücke zeigen. Am 13. August soll das Schiff die deutschen Olympioniken zurück in die Heimat bringen.
Wann genau die Reederei umflaggen wollte, hat sie nie bekannt gegeben. Berichten zufolge sollte es nur kurz nach Ankunft in deutschen Gewässern so weit sein. An diesem Montagnachmittag folgte dann der Sinneswandel: „Angesichts des großen Interesses an der Flagge unseres Traumschiffs ,Deutschland‘ haben wir heute entschieden, von dem vorgesehenen Flaggenwechsel abzusehen.“ Unternehmerisch sei dies eine „nicht einfache Entscheidung“. Im Gegenzug setze die Reederei darauf, dass die Bundesregierung das Fahren unter deutscher Flagge wieder stärker bezuschusse. Dafür gelobte Geschäftsführer Konstantin Bissias feierlich: „Der Malteser bleibt im Schrank.“
Bitte bald Ausflaggen
Ulrich Gröschel (Groeschel)
- 31.07.2012, 15:13 Uhr
Wenn die "Deutschland"
Johannes Eckstein (dc-3)
- 31.07.2012, 12:20 Uhr
Ihr Auto ...
Jens Fabry M.A. (jens.fabry)
- 31.07.2012, 00:43 Uhr
Im vergangenen Jahr buchten 1,4 Millionen Deutsche eine Hochsee-Kreuzfahrt,
Friedhelm van Aal (vanAal)
- 30.07.2012, 20:59 Uhr
anders, als...
Hermann Rampf (George60)
- 30.07.2012, 20:50 Uhr