12.07.2010 · Immer diese Bahn: Im Winter kam es zu gravierenden Störungen, weil Züge enteist werden mussten - und nun fielen im Sommer einige Klimaanlagen aus. Die Deutsche Bahn bestreitet, dass wegen der Konzentration auf die Achsen die übrige Wartung schneller gehen müsse.
Von Kerstin Schwenn, BerlinNach dem Ausfall der Klimaanlagen in mehreren ICE-Zügen am Wochenende muss die Deutsche Bahn AG scharfe Kritik an ihrem Instandhaltungs-Management hinnehmen. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Winfried Hermann, forderte eine bessere Wartung: „Was nützen uns die schönsten Hightech-Züge, wenn in Sondersituationen Züge ausfallen und einfache Technik wie die Klimaanlage versagt, weil sie unzulänglich gewartet wurde“, sagte er am Montag. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn wies der Bahn die Verantwortung für die häufigen Defekte zu. „Es waren alles Züge des Typs ICE II, die 15 Jahre alt sind“, sagte der Verbandsvorsitzende Karl-Peter Naumann.
Eine Generalüberholung der Züge sei dringend nötig. Naumann kritisierte, die Bahn habe mit der Revision zu lange gewartet. Problematisch sei überdies der Umgang mit den Vorfällen. „Wenn es kritisch wird, muss man einen Zug auch mal anhalten – und das nicht nur, wenn er nicht weiterfahren kann, sondern auch, wenn im Inneren der Komfort nicht mehr stimmt.“ Am Samstag waren rund 40 Fahrgäste nach dem Ausfall der Klimaanlagen in drei ICE-Zügen auf dem Weg von Berlin ins Rheinland kollabiert.
Die Bahn kämpft seit längerem gegen technische Probleme
Die Bahn wehrte sich am Montag gegen die Vorwürfe. „In der täglichen Nacht-Wartung wird darauf geguckt, ob die Aggregate in Ordnung sind“, sagte ein Bahnsprecher. Dies gehöre zum „Regelumfang des Wartungsprozesses“. Allerdings seien die Anlagen bei hohen Temperaturen und hohem Fahrgastaufkommen an der Belastungsgrenze. Obwohl gehäuft in einzelnen Waggons die Anlagen ausfielen, könne man nicht von einer Pannenserie sprechen. Die Bahn verfügt über 252 ICE-Züge, rund 1780 Lokomotiven und knapp 8450 Reisezugwagen. Davon werden rund 5300 im Regionalverkehr eingesetzt; von ihnen sind viele älter als 15 Jahre und noch nicht klimatisiert.
Die Bahn kämpft seit längerem gegen technische Probleme. Die Probleme hätten sich wegen des Spardrucks des früheren Bahnchefs Hartmut Mehdorn in Anbetracht des geplanten Börsengangs verschärft, sagen Kritiker. Seit mehreren Unfällen, die auf Achsprobleme zurückzuführen sind, müssen die Züge häufiger zur Inspektion in die Werkstatt als früher. Zum Teil müssen die Züge alle 30 000 statt alle 250 000 Kilometer kontrolliert werden.
Aus den Achsproblemen sind Schäden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden
Für die Bahn ist es dadurch schwieriger, die Takt-Fahrpläne einzuhalten. Im Winter kam es, weil Züge zusätzlich enteist werden mussten, zu gravierenden Störungen. Zuweilen ist zu hören, wegen der Konzentration auf die Achsen, deren Erneuerung noch bis 2013 dauern wird, müsse die übrige Wartung schneller gehen. Ein Bahnsprecher bestritt das. Zudem seien die Klimaanlagen auch in Börsengang-Zeiten nicht seltener überprüft worden.
Für den Bahn-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube hat die Lösung der technischen Probleme hohe Priorität. Im vergangenen Jahr berief er mit Volker Kefer einen eigenen Technik-Vorstand; er soll mit der Bahnindustrie „auf Augenhöhe“ verhandeln. Mit Siemens und Alstom hat sich die Bahn im Winter auf eine finanzielle Beteiligung an den Schäden in dreistelliger Millionenhöhe geeinigt, die aus den Achsproblemen entstanden waren.
Die Klimaprobleme werden einen kleinen Einschnitt in der Bilanz verursachen
Die Bahn will außerdem neue ICE beschaffen. Das Unternehmen verhandelt exklusiv mit Siemens über die Lieferung der Nachfolger von IC- und EC-Zügen sowie der Schnellzüge ICE 1 und ICE 2. Die Bahn will für die Züge, die von 2014 ausgeliefert werden könnten, bis zu 6 Milliarden Euro ausgeben. Der Auftrag sollte eigentlich schon Mitte Juni erteilt werden, die Verhandlungen verzögern sich aber. Die Klimaprobleme werden am Jahresende einen kleinen Einschnitt in der Bilanz verursachen. Auf die Halbjahreszahlen, die Grube am 29. Juli vorlegen will, werden sie sich noch nicht auswirken.
Das Geschäft der Bahn verläuft bisher in allen Sparten besser als gedacht. Ungewiss sind jedoch noch die Belastungen aus der Tarifrunde, die am Montag begann. Die Arbeitgeber und die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA vertagten sich nach einem kurzen Gespräch auf den 29. Juli; in Arbeitsgruppen soll bis dahin über die Themen Entgelt, Zulagen und Sozialleistungen beraten werden. Das umstrittene Thema Branchentarif soll zunächst ausgeklammert bleiben. Am Freitag verhandelt die Bahn erstmals mit der getrennt agierenden Lokführergewerkschaft GDL.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |