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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ausbau erneuerbarer Energien Windindustrie will sich nicht bremsen lassen

 ·  Die Windbranche wächst. Dennoch hängen dunkle Wolken über ihrer Leitmesse. Gestritten wird vor allem über Ausbauziele und Fördermittel.

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© dpa Minister auf der Bremse: Peter Altmaier warnt in Husum vor einem unkoordinierten Ausbau der Windenergie

Lange Zeit fühlten sich die Windkraftunternehmen als sichere Gewinner der deutschen Energiewende. Doch mit dem Appell des Bundesumweltministers Peter Altmaier (CDU) an die Bundesländer, ihre Wind-Ausbaupläne zu bremsen, hat sich die Stimmung gedreht. Die Bundesregierung könnte mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die für 2014 erwartet wird, den Bau neuer Windparks an Land unattraktiver machen, wird befürchtet.

„Wir spüren diese Unsicherheit auch bei unseren Kunden. Sie könnte dazu führen, dass die Banken im nächsten Jahr Windparks nicht mehr finanzieren wollen“, warnte Andreas Eichler, der für den dänischen Hersteller Vestas den Vertrieb in Deutschland leitet, zum Auftakt der diesjährigen Leitmesse Husum Wind Energy.

Torsten Albig, der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, zeigte sich ebenfalls verärgert. „Es wäre nicht klug, den Windausbau im Norden zu drosseln, das hilft der Energiewende nicht“, sagte der SPD-Politiker. Das Ziel der Bundesregierung, 2030 rund 65 Prozent des Strombedarfs mit Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, sei nur zu erreichen, „wenn wir in Schleswig-Holstein die Windenergie kräftig ausbauen“. Derzeit beträgt der Anteil der Erneuerbaren rund 25 Prozent.

„Zu wenig Koordination und Führung“

Altmaier entgegnete in Husum, er habe nie verlangt, die Windstromproduktion im Norden zu drosseln. Es mache aber wenig Sinn, wenn 14 Bundesländer nun erklärten, sie wollten „stromautark“ werden. „Die Ausbaupläne des Bundes sehen jährlich 2000 Megawatt an Land vor, die Länder planen 4000 Megawatt“, beschrieb er das Dilemma, das durch den fehlenden Netzausbau verstärkt werde. „Wir müssen zu einer abgestimmten Ausbauregelung zwischen Bund und Ländern kommen“, forderte er. Es sei seine wichtigste Aufgabe, ein Gesamtkonzept auszuarbeiten, in dem der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze besser miteinander verzahnt werden. „Bisher hatte die Energiewende zu wenig Koordination und Führung“, resümierte er.

Auf einen Zeitplan für dieses Konzept und eine Novellierung des EEG wollte Altmaier sich nicht festlegen. „Wir wollen spätestens nach der nächsten Bundestagswahl zu einer Lösung kommen“, sagte er. Auch dürften Wind- und Solarstrom nicht gegeneinander ausgespielt werden. Am 2. November will die Bundeskanzlerin das nächste Mal mit den Ministerpräsidenten der Länder über die Energiewende reden.

Im Gegensatz zu Altmaier setzen die Hersteller immer stärker auf Standorte mit Schwachwind, wie sie in den südlichen Bundesländern typisch sind. So präsentieren zum Beispiel Nordex und Vestas in Husum neue Anlagen mit größeren Rotoren, die an solchen Standorten bis zu 20 Prozent mehr Stromertrag bringen sollen als bisher verfügbare Maschinen. „In ganz Europa sind sogar zwei Drittel aller Standorte Schwachwindstandorte“, sagte Wolfgang Schmitz, der Leiter des Europa-Geschäfts von Vestas. In Deutschland werden dieses Jahr voraussichtlich Windanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 2000 Megawatt aufgestellt.

Auch 2013 sei mit einem Wachstum in dieser Größenordnung zu rechnen, sagte Thorsten Herdan, der energiepolitische Sprecher des Maschinenbauverbands VDMA. „Viele Projekte sind schon in der Pipeline.“ Allerdings mache der deutsche Markt weniger als 5 Prozent des Weltmarktes aus. Und von dort drohe der Branche weiteres Ungemach. Die globale Produktionskapazität werde derzeit auf 60 bis 80 Gigawatt geschätzt, neu errichtet werden 2012 aber nur Windräder mit gut 40 Gigawatt. Und 2013 könnten es nochmals 10 Gigawatt weniger sein. Der Preisdruck, unter dem die Windanlagenbauer schon jetzt enorm leiden, dürfte sich daher weiter erhöhen.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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