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Aufträge an Network Deutschland Bahn hatte Kontakt zu Telekom-Spitzelfirma

03.06.2008 ·  Die Deutsche Bahn hat bestätigt, dass sie Geschäftskontakte zu Network Deutschland hatte; das ist dieselbe Firma, die für die Telekom Aufsichtsräte und Journalisten bespitzelte. Es sei jedoch „kein zweiter Fall Telekom“, sagte der Korruptionsbeauftrage der Bahn, Schaupensteiner.

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Auch die Bahn hat Aufträge an den Recherchedienst Network Deutschland vergeben, der im Zentrum der Bespitzelungsaffäre bei der Telekom steht. Das bestätigte der Korruptionsbeauftragte der Bahn, Wolfgang Schaupensteiner, am Dienstag. Er wolle aber ganz deutlich machen, „dass es keinen zweiten Fall Telekom gibt“.

Den Angaben zufolge geht es bei der Bahn um 43 Fälle zwischen 1998 und 2007 mit einem Auftragsvolumen von insgesamt rund 800.000 Euro.

Keine Bespitzelung nicht öffentlich zugänglicher Daten

Die Aufträge seien ausschließlich zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und Korruption vergeben worden. „Es gab keine Aufträge zur Beschaffung nicht öffentlich zugänglicher Daten“, sagte Schaupensteiner.

Bei der Telekom soll die Berliner Network Deutschland GmbH im Auftrag des Unternehmens nach undichten Stellen gesucht und Verbindungsdaten von Telefonaten ausgewertet haben. Deren Geschäftsführer Ralph Kühn hatte vergangene Woche zugegeben, im Telekom-Auftrag illegal beschaffte Telefondaten ausgewertet zu haben. Für die Bahn sagte Schaupensteiner, dass im Zusammenhang mit Verrat von Geschäftsgeheimnissen keine externen Dienstleister beauftragt worden seien.

Obermann sieht Spitzelaffäre als Gefahr für Neuausrichtung

Nach Einschätzung von Konzernchef Rene Obermann entwickelt sich die Spitzelaffäre zur Gefahr für die Neuausrichtung des Unternehmens. „Wir sind gerade dabei, unsere Telekom wieder auf Kurs zu bringen“, sagte Obermann am Dienstag in der Bonner Konzernzentrale bei einer Betriebsversammlung, an der rund 1000 Mitarbeiter teilnahmen. „Und gerade deshalb ärgern mich die Ereignisse der letzten Tage, mich macht das richtig sauer, denn es
konterkariert alle Ihre Anstrengungen“, rief er den Beschäftigten zu.

Obermann versucht, den Konzern mit Einsparungen und neuen Produkten fit für den hart umkämpften Heimatmarkt zu machen. Zugleich expandiert der Konzern im Ausland.
Bisher hat die Affäre dem Geschäft aber offenbar nicht geschadet. „Wir haben aktuell keinen Rückgang bei den Kundenzahlen zu verzeichnen“, sagte Festnetzchef Timotheus Höttges.

Obermann sagte erneut eine schonungslose Aufklärung der Affäre zu: „Wir werden alles tun, um das Vertrauen in die Telekom wieder herzustellen.“ Er machte deutlich, dass sich die Vorwürfe gegen einzelne Personen und nicht gegen den Konzern als Ganzen richteten. „Sie leisten gute und integre Arbeit, Sie sind die Telekom und nicht einige wenige, die gegen Gesetz und interne Firmenregelungen verstoßen haben“, sprach er den Mitarbeitern Mut zu, die seine Rede mit heftigem Applaus quittierten.

Subunternehmer: Arbeiten für Telekom und Bahn glichen sich bis ins Detail

Nach Angaben eines Subunternehmers von Kühn gleichen sich die Arbeiten, die für Telekom und Bahn ausgeführt wurden, bis ins Detail. „Es ging um die Ausforschung von Telefonverbindungen, Bankdaten und die komplette Durchleuchtung von Zielpersonen“, zitierte das „Handelsblatt“ in seiner Dienstagsausgabe den Computerexperten. Sogar Steuererklärungen seien beschafft worden.

Ziele seien Mitarbeiter der Bahn und Personen im Umfeld des Konzerns gewesen. Zwei weitere Informanten sagten dem „Handelsblatt“, dass die Bahn gezielt an den Network-Chef Kühn herangetreten sei. „In der Branche ist bekannt, wann man Kühn holen muss“, zitiert das Blatt einen Sicherheitsexperten. Kühn „besorgt Daten, die man eigentlich gar nicht legal besorgen kann“.

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30.05.2012 11:31 Uhr
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