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Aufsichtsrat-Sondersitzung : Deutsche Bank beschließt Verkauf der Postbank

Protest vor der Zentrale der Deutschen Bank am Freitagnachmittag: Ein Mitarbeiter der Postbank hält ein Plakat in die Höhe Bild: dpa

Nun steht es fest: Die Deutsche Bank trennt sich von der Postbank. Das teilte der Dax-Konzern nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates am späten Freitagabend in Frankfurt mit. Auch im Investmentbanking wird das Geschäft verringert. Die sieben Stunden dauernde Aufsichtsratssitzung war auch von Grabenkämpfen geprägt.

          Die Deutsche Bank wird die Postbank verkaufen. Zudem soll im Investmentbanking, also dem Kapitalmarktgeschäft, die Bilanz deutlich verringert werden. Über die Details der neuen Strategie werden die beiden Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen am Montag in einer Pressekonferenz informieren. Am Sonntagnachmittag wird die Bank ihre Geschäftszahlen für das erste Quartal veröffentlichen. Trotz der Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro hat das Institut schon einen Gewinn angekündigt. Die Aufsichtsratssitzung fing am Freitagnachmittag um 15.00 Uhr an und dauerte bis kurz nach 22.00 Uhr.  Ein wichtiges Thema war die strategische Neuausrichtung, mit der die Bank sich für die schärferen Kapitalvorgaben der Aufsichtsbehörden deutlich verschlanken will.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon im Vorfeld hatte sich die sogenannte „kleine Lösung“ abgezeichnet. Dazu ist es nun auch gekommen: Die Deutsche Bank wird auch in Zukunft eine Universalbank sein, also das Geschäft mit Privatkunden genauso abdecken wie die komplexen, kapitalmarktnahen Bedürfnisse großer Unternehmen. Als andere Option galt die vollständige Abspaltung des Filialgeschäfts, also der Postbank einschließlich des Privatkundengeschäfts unter der Marke der Deutschen Bank. Doch das fand nicht die nötige Zustimmung. Der Aufsichtsrat verteidigte die neue Phase als Bekenntnis, nicht nur eine führende globale, sondern auch eine in Deutschland verankerte Bank sein zu wollen.

          Zentrale Maßnahme ist nun der Verkauf der Postbank, die es auf eine Bilanzsumme von 155 Milliarden Euro bringt. In der Mitteilung am späten Freitagabend hieß es lediglich, dass die Postbank  „entkonsolidiert“ werden soll. Nach Darstellung der in der Postbank stark vertretenen Gewerkschaft Verdi hat der Aufsichtsrat beschlossen, dass die Postbank im Rahmen eines Börsengangs abgespalten werden soll. Bislang ging man davon aus, dass sich der Vorstand zwei Varianten offen halten will:  Zum einen den Verkauf der Postbank in einem oder mehreren Schritten an der Börse oder den Verkauf der Beteiligung von 94 Prozent an einen strategischen Interessenten.

          Jürgen Fitschen und Anshu Jain
          Jürgen Fitschen und Anshu Jain : Bild: dpa

          Als mögliche Käufer wurden am Markt bislang die spanische Santander oder die französische BNP Paribas gehandelt. Da die restlichen 6 Prozent der Postbank schon an der Börse notiert sind, könnte die Plazierung von größeren Aktienpaketen vergleichsweise schnell und einfach erfolgen. Allerdings ist fraglich, ob auf diesem Weg ein höherer Erlös erzielt werden kann als über den Verkauf an einen Konkurrenten. Trotz ihrer 14 Millionen Kunden gilt das Institut als renditeschwach. Zudem will die Deutsche Bank im Investmentbanking den Rotstift ansetzen.

          Im Vorfeld war bekannt geworden, dass das Finanzierungsgeschäft mit anderen Banken und Hedgefonds reduziert werden sollen. Insgesamt wird die Verringerung auf 150 bis 200 Milliarden Euro geschätzt. Von der Bilanzsumme über 1,7 Billionen Euro entfallen 70 Prozent auf das Investmentbanking. Insgesamt soll die Bilanzsumme der gesamten Bank um bis zu 400 Milliarden Euro verringert werden. Außerdem wird die Bank ihre Investitionen in die Digitalisierung erhöhen und ihre geografische Präsenz fokussieren. Auch hier könnten Beteiligungen wie zum Beispiel an der chinesischen Huaxia Bank verkauft werden. Die Beschlüsse hat der Aufsichtsrat nach eigenen Angaben einstimmt gefasst.

          Zudem teilte der Aufsichtsrat mit, dass die Umgestaltung der Betriebsmodelle sowie Führungs- und Aufsichtsstrukturen fortgesetzt werden soll, um die Effizienz zu steigern und einen stabileren Kontrollrahmen zu schaffen. Das dürfte als Reaktion auf die vielen Rechtsstreitigkeiten verstanden werden, die den Ruf der Deutschen Bank noch immer beschädigen.

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