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Aufsichtsrat Löscher strafft Struktur und Führung von Siemens

28.11.2007 ·  Der Konzernumbau bei Siemens ist beschlossen. Wie die F.A.Z. vorab berichtete wird das Unternehmen künftig auf den Säulen Industrie, Energie und Medizintechnik ruhen. Der Vorstand wird auf acht Mitglieder verkleinert. Mit dem Umbau zieht Siemens Konsequenzen aus dem Schmiergeldskandal.

Von Joachim Herr, München
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Siemens verkleinert mit Beginn des kommenden Jahres den Konzernvorstand von elf auf acht Mitglieder. Auch die Geschäftsfelder werden dann neu geordnet: Acht der neun verbliebenen Bereiche werden in drei Sektoren mit insgesamt 15 Divisionen neu eingeteilt. „Klare Verantwortlichkeiten stellen sicher, dass wir schneller und kundennäher im Markt auftreten“, kommentierte Vorstandsvorsitzender Peter Löscher die Neuordnung. Der Aufsichtsrat stimmte in seiner Sitzung am Mittwoch zu.

Die groben Züge der von Löscher und Gerhard Cromme, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, ausgetüftelten neuen Organisation zeichneten sich seit einiger Zeit ab. Am Ende der vergangenen Woche sickerten auch die erwarteten Personalentscheidungen für die Konzernführung von Siemens durch (siehe auch: Zwei Neue für den Konzernvorstand von Siemens). Berthold Huber, Vorsitzender der IG Metall und Aufsichtsrat von Siemens, lobte Löscher, der Wort gehalten habe. Siemens werde nicht zerschlagen, die neue Struktur sei ein gutes Ergebnis.

Letzte großen Strukturänderung 1989

Neu in die Führungsspitze kommen Wolfgang Dehen, seit 2002 Vorstandsvorsitzender des Autozulieferers Siemens VDO, und Siegfried Russwurm - künftig Personalvorstand - aus dem Bereichsvorstand der Medizintechnik. Dehen wird den Sektor Energie leiten, der die beiden bisherigen Bereiche Energieerzeugung (Kraftwerkstechnik) sowie Energieübertragung und -verteilung zusammenfasst. Am wenigsten ändert sich im Sektor Gesundheit, der aus der bisherigen Sparte Medizintechnik besteht. Erich Reinhardt bleibt Vorstandschef.

Gleich fünf Bereiche, die mit der bisher letzten großen Strukturänderung von Siemens 1989 entstanden waren, kommen unter das Dach des Sektors Industrie und Infrastruktur: die Automatisierungs- und Antriebstechnik, Industrielösungen und -service, Gebäude-, Verkehrstechnik und Osram. Der 47 Jahre alte Heinrich Hiesinger, seit Juni im Konzernvorstand und zunächst auch für das Personalressort vorgesehen, wird den mit Abstand größten der drei Sektoren leiten. Angesichts eines Jahresumsatzes von 40 Milliarden Euro fragt mancher im Konzern, ob sich diese riesige Einheit von einem Vorstand führen lässt. Rüdiger Skrobarczyk, Mitglied im Gesamtbetriebsrat, bezeichnete den Sektor sogar als „nicht mehr steuerbaren Moloch, bei dem Lösungsgeschäft und Branchenorientierung in der Masse des Produktgeschäfts womöglich untergehen“.

Trennung von kleineren Randgeschäften

Innerhalb der Sektoren werden die Geschäfte in 15 Divisionen neu zugeschnitten. Deren Leiter sollen Anfang Dezember bekanntgegeben werden. Einige Bereiche im Industriesektor wie die Gebäudetechnik und Osram bleiben als Divisionen unverändert, andere werden mit Geschäften zusammengefasst, die bisher zu anderen Sparten gehörten. So wird in der Division „Mobilität“ die Bahntechnik unter anderem um Straßenverkehrstechnik und Flughafenlogistik ergänzt. Die Sektoren Industrie und Energie bestehen aus jeweils sechs Divisionen, der Sektor Gesundheit aus drei.

Mit der Neuordnung ist zudem die Trennung von kleineren Randgeschäften verbunden. So will sich Siemens in Österreich von einer Gebäudetechnikeinheit mit rund 1000 Mitarbeitern trennen, die der Konzern mit der Übernahme von VA Tech erworben hat. Ein Sprecher von Siemens Österreich berichtete, es gebe Gespräche sowohl mit möglichen Partnern als auch über einen möglichen Verkauf.

Neu zugeordnet hat Siemens auch die Verantwortung für Regionen: Hermann Requardt übernimmt Asien und Australien, Peter Solmssen Amerika und Russwurm Europa, die GUS und Afrika.

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