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Neue Studie zur NS-Zeit : Audi-Vorgängerfirma beutete Zwangsarbeiter aus

  • Aktualisiert am

Metallkappe eines Reserverades eines Auto Union 920 Cabriolet aus dem Jahr 1939 Bild: dpa

Audi hat aufarbeiten lassen, wie sehr seine Vorgängerfirma in den Nationalsozialismus verstrickt war. Das Ergebnis: Das Unternehmen Auto Union beutete Tausende Zwangsarbeiter aus.

          Das Audi-Vorgängerunternehmen Auto Union hat zur Zeit des Nationalsozialismus Tausende Zwangsarbeiter ausgebeutet. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Audi selbst in Auftrag gegebene Untersuchung zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, die der „Wirtschaftswoche“ vorliegt. Ein Audi-Sprecher bestätigte den Bericht an diesem Sonntag.

          Die Studie kommt dem Bericht zufolge zu dem Schluss, dass sich das Audi-Vorgängerunternehmen „aus kriegswirtschaftlichen Interessen heraus in einem skandalösen Maße in den KZ-Komplex einbinden“ ließ. Nach dem Zusammenschluss mit dem NSU-Motorenwerk wurde die Auto Union im Jahr 1985 in Audi umbenannt.

          In sieben Konzentrationsaußenlagern, die von der SS für Auto Union eingerichtet worden seien, wurden demnach mehr als 3700 KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter ausgebeutet. Weitere 16.500 Zwangsarbeiter, die nicht in Konzentrationslagern interniert waren, hätten ebenfalls für Auto Union in den sächsischen Standorten Zwickau und Chemnitz gearbeitet. Rund ein Viertel der Häftlinge seien Juden gewesen.

          Archive in der DDR nicht zugänglich

          Im Lager Leitmeritz, einem Außenlager des bayerischen Konzentrationslagers Flossenbürg im oberpfälzischen Landkreis Neustadt an der Waldnaab, seien weitere Tausende KZ-Häftlinge für den Bau einer Untertage-Fabrik eingesetzt worden. Laut Studie „steht die moralische Verantwortung“ des Auto-Union-Managements „für die Zustände in Leitmeritz, wo 18.000 KZ-Häftlinge eingesetzt wurden, von denen 4500 den Tod fanden, außer Frage“.

          Audi will dem Bericht zufolge auf noch lebende Zwangsarbeiter zugehen. Vor gut einer Woche habe der Konzern entschieden, auf die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zuzugehen. „Wir setzen auf Aufklärung“, betonte Audi-Chef Rupert Stadler in der „Wirtschaftswoche“.

          Ein Sprecher des Ingolstädter Autoherstellers sagte, Audi habe mit der Auto Union eine besonders komplizierte Geschichte. Denn die Auto Union habe ihren Sitz in Sachsen gehabt. Das Unternehmen sei nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetzone demontiert worden, auf die Archive in der späteren DDR mit Unterlagen zur Firmengeschichte habe man vom Westen aus bis zum Jahr 1990 keinen Zugriff gehabt. Nachdem eine geplante Habilitation zur Audi-Geschichte in den neunziger Jahren nicht zustande gekommen sei, habe man die eigene Studie in Auftrag gegeben.

          Historiker: Besser spät als nie

          Gemessen an der Zahl von insgesamt 50.000 Konzern-Mitarbeitern sei der Anteil der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in der Auto Union vergleichsweise hoch gewesen, heißt es weiter in dem Bericht. „Nur das nahe Kriegsende verhinderte einen noch umfänglicheren KZ-Häftlings-Einsatz. Entsprechende Planungen lagen bereits vor.“

          Audi-Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch äußerte sich „sehr betroffen über das Ausmaß der Verstrickungen der damaligen Auto-Union-Führung in das System der Zwangsarbeit und Sklavenarbeit“. Dieses Ausmaß sei ihm nicht bewusst gewesen, sagt er nun.

          Der Berliner Historiker Wolfgang Benz, Experte für die NS-Zeit und die Geschichte der Konzentrationslager, begrüßte die Aufarbeitung, auch wenn sie spät komme. „Besser spät als nie“, sagte Benz. Manchmal brauche es eben einen Generationen-Abstand für den Mut, solche Dinge in Angriff zu nehmen. Er gehe selbstverständlich davon aus, dass bei Audi dieses Thema auch in der Selbstdarstellung der Firma im Ingolstädter „Museum Mobile“ seinen Niederschlag finde.

          Dem Bericht zufolge kommt die Studie mit dem Titel „Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg“ an diesem Montag in den Buchhandel. Verfasst wurde sie von dem Audi-Historiker Martin Kukowski und dem Chemnitzer Geschichtsprofessor Rudolf Boch.

          Quelle: DPA

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