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Atomenergie Wirtschaft will Ausstieg aus Atomausstieg

31.01.2005 ·  Die deutsche Wirtschaft will den Atom-Ausstieg rückgängig machen. Nur ein breiter Energiemix gewährleiste, daß klimapolitische Verpflichtungen erreicht werden könnten, ohne die Energiepreise weiter in die Höhe zu treiben.

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Die deutsche Wirtschaft will den von der rot-grünen Regierung veranlaßten Atom-Ausstieg wieder rückgängig machen. „Die politische Festlegung auf einen Ausstieg aus der Kernenergie muß zurückgenommen werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Montag in Berlin. Nur ein breiter Energiemix unter Einschluß der Kernenergie gewährleiste, daß klimapolitische Verpflichtungen erreicht werden könnten, ohne die Energiepreise weiter in die Höhe zu treiben. Zuvor hatte sich bereits der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, dafür ausgesprochen, zumindest die Laufzeiten der bestehenden 18 Reaktorblöcke zu verlängern.

Diese Forderung wird nun auch aus der Energiewirtschaft selber erhoben. „Wir werden am Ende eine Laufzeitverlängerung brauchen, wenn wir bei begrenzten finanziellen Mittel das Ziel erreichen wollen, den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren“, sagte der neue Präsident des Deutschen Komitees des Weltenergierates, Jürgen Stotz, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er verweise etwa auf Laufzeitverlängerungen, wie sie in Amerika oder Frankreich beschlossen worden seien. Grundsätzlich solle in der Stromerzeugung keine Energieart ausgeschlossen werden, sagt Stotz. Das Komitee vertritt etwa 50 Unternehmen der Strom-, Gas-, Kohle- und Ölbranche, darunter fast alle Konzerne.

Weniger „Klimakiller“

Auf Druck der Bundesregierung, die die Atomenergie für zu gefährlich hält, hatten die Betreiber von Kernkraftwerken Mitte 2001 in die planmäßige Stillegung der deutschen Kernkraftwerke bis 2021 eingewilligt. Durch den Einsatz von Kernenergie werde allerdings jedes Jahr soviel des als „Klimakiller“ berüchtigten Kohlendioxyds vermieden, wie der gesamte Straßenverkehr ausstoße, stellte das Deutsche Atomforum fest.

Die - nach Stillegung des Kraftwerks Stade im vergangenen Jahr - noch 18 betriebenen Reaktoren erreichten zuletzt einen Anteil von rund 28 Prozent der deutschen Stromerzeugung. Laut Atomforum waren die Reaktoren zu knapp 90 Prozent der Zeit verfügbar und so produktiv wie nie zuvor. Der Sprecher von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hatte die Feststellung jüngst mit der Bemerkung kommentiert, damit sei der Atomausstieg „zügig vorangeschritten“. Denn von der vereinbarten Reststrommenge von 2.663 Terawattstunden, die die Atommeiler noch produzieren dürfen, seien noch lediglich etwa 1.800 übriggeblieben. „Vier Jahre nach dem Atomkonsens ist der Atomausstieg bereits zu einem Drittel vollzogen. Da kann man nur sagen: Weiter so.“

Kein Bedarf an neuen Kernkraftwerken

Dagegen hält der DIHK in einem Positionspapier zur Energiepolitik fest, es sei völlig unklar, wie die Regierung ihre klimapolitischen Ziele ohne Kernenergie erreichen wolle. „Der Ausstieg aus der Kernenergie setzt lediglich eine energie- und umweltpolitische Interventionsspirale immer stärker in Gang.“ Zugleich fordert die Wirtschaft, Trittin solle „die sicherheitstechnisch fragwürdige Verzögerung politischer Entscheidungen“ bei der Suche nach einem Endlager aufgeben.

Mit Nachdruck warnen die Kammern vor den industrie- und sicherheitspolitischen Folgen, wenn sich Deutschland weiter aus der Kernenergieforschung zurückziehe. Damit würden nicht nur auf neue Märkte - allein China plant den Bau 30 neuer Kernkraftwerke - verzichtet, sondern auch auf die Möglichkeit das Sicherheitsniveau von Reaktoren in Nachbarländern zu beeinflussen. Aktuell bestehe in Deutschland kein Bedarf an neuen Kernkraftwerken, heißt es übereinstimmend. Allerdings könnten sich die großen deutschen Stromerzeuger an entsprechenden Projekten im Ausland beteiligen, empfiehlt Stotz.

Quelle: ami., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2005, Nr. 26 / Seite 9
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