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Asien-Pazifik-Konferenz Jahr für Jahr ein neues Deutschland

 ·  Auf der Asien-Pazifik-Konferenz gleichen die deutschen Unternehmen in dieser Woche Visionen mit der Realität ab. Die Region spürt die Krise, bleibt aber Hoffnungsträger.

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© REUTERS Nickelförderung in Indonesien

Hochhäuser, Glasfassaden, Luxushotels und eine neue Autobahn - so empfängt Gurgaon, eine Satellitenstadt Delhis, den Besucher. Wer sich nur ein paar hundert Meter weiter ins Land wagt, steht im wirklichen Indien, in Hitze und Staub, bedroht von Dengue-Fieber, stöhnend unter dem Verkehrschaos. Gurgaon aber ist eine in Beton gegossene Vision, ein Indien als Wirtschaftsmacht, die es werden könnte. Hier in Gurgaon tritt ab diesem Donnerstag die Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK) zusammen.

Der Veranstaltungsort im Potemkinschen Dorf Gurgaon könnte besser nicht gewählt sein: Denn auch die Konferenz wird Visionen an Realitäten messen, will hinter der Fassade des scheinbar unendlichen Wachstums Asiens die Wirklichkeit herausschälen, geprägt von Risiken und unerfüllten Versprechen. Unsicherheit breitet sich aus über Asien. Regionalkonflikte, der Rückgang der Wachstumsraten, Regierungswechsel und steigende Erwartungen der Asiaten verlangen nach Antworten. Zwar sind auch die Selbstheilungskräfte Asiens in den vergangenen Jahren gewachsen. Doch angesichts der Krisen im Westen reichen sie nicht, um die Region abzukoppeln. „Die Angst geht um, dass abermals eine Welle von Geld nach Asien rollt und den Außenwert der dortigen Währungen nach oben treibt, während der schon schwache Export weiter nachgibt“, unkt David Carbon, Ökonom bei der Singapurer Staatsbank DBS Group. „Nichts, aber auch gar nichts sieht in diesem Moment gut aus. Und sogar Lösungen entpuppen sich als neue Probleme, lebt man auf der falschen Seite der Welt.“

Drei Konflikte zeigen Asiens Fragilität

In der ersten Hälfte des Jahres lag das Durchschnittswachstum in Asien bei nur noch 5,5 Prozent im Jahresvergleich. Dies ist der niedrigste Wert seit 2008, dem Jahr der Finanzkrise. Alle Ökonomen haben ihre Vorhersagen aus dem Sommer kassiert. „Die Wirtschaftsaktivität in Asien hat deutlich nachgelassen. Sie spiegelt die wachsende Unsicherheit angesichts des weltweiten Ausblicks und eine schwächere Nachfrage nach den Exportgütern aufgrund der Schwäche der Eurozone wider. Die langsamere Aktivität in China und Indien hat die Abschwächung noch verschärft“, sagt Annop Singh, Asien-Chef des Internationalen Währungsfonds.

Dabei ist das Bild der Region vielschichtiger geworden. Das Gastland der Konferenz, Indien, zerstört seinen glänzenden Ruf selbst. Unfähige Politiker, die nur ihr eigenes Wohl im Auge haben, lassen die Chancen verstreichen. Japan versucht mit weiteren schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen, das drohende Abgleiten in eine Rezession zu verhindern. China, wo längst das Herz Asiens schlägt, steht eine Woche nach der Konferenz vor einem Machtwechsel. Der künftige Präsident Xi Jinping wird zunächst die Wirtschaft mit gezielten Konjunkturspritzen steuern müssen. Mittelfristig geht es auch für ihn um Sollbruchstellen wie Umweltschutz, Sozialsystem, Rohstoffe, Rechtsstaat und Demokratisierung. Südostasien wächst langsamer zusammen als erwartet. Und Australien bleibt abhängig von der Rohstoffnachfrage aus dem Norden.

Wie fragil Asien sein kann, zeigen drei Konflikte: In Vietnam, von Bankanalysten über Jahre als das zweite China gepriesen, muss sich die Kommunistische Partei für ihr grandioses Missmanagement beim eigenen Volk entschuldigen. In Bangladesch, dem neuen Eldorado der globalen Textilindustrie, streiken Arbeiter, die dank des Internets genau wissen, wie hoch ihre Kollegen in China bezahlt werden. Und China, Japan und einige südostasiatische Staaten ringen um Inseln mit Fischgründen und Bodenschätzen im Südchinesischen Meer. Stellvertretend zeigen diese Auseinandersetzungen: Regierungen müssen leistungsfähiger werden, die Menschen werden selbstbewusster, die Interessen der Länder prallen aufeinander.

Nur noch um das „wie“, nicht mehr um das „ob“

Doch zeigen die Probleme auch, dass Asien Lösungsstrategien entwickelt. Mit einem Netz von Freihandelsverträgen und Sicherheitsabkommen haben sich die Staaten aneinandergekettet. Die Fertigung von Elektronik und Automobilen läuft über mehrere Länder. Zwar steigen damit Logistikrisiken, wie die Flut in Thailand gezeigt hat. Doch werden Einkommen breiter gestreut, verringert sich damit die Armut. Auch politisch setzt Tauwetter ein: Nordkorea scheint umgänglicher zu werden, Burma (Myanmar) wandelt sich zu einer Demokratie. Das öffnet den südostasiatischen Staaten (Asean) neue Perspektiven. Zudem reichen gut 7Prozent Wachstum, wie in China auf einer Jahr für Jahr höheren Basis berechnet, immer noch für zweistellige Gewinnsprünge der Unternehmen. Alle fünf Gebiete der Region besitzen Parallelen, wie die rasch wachsende Mittelschicht mit ihrem Wunsch nach auf sie zugeschnittenen Produkten. Dennoch erfordert jedes Land eine ganz eigene Strategie.

Den Unternehmen geht es heute nur noch um das „wie“, nicht mehr um das „ob“. Gerade aufgrund der Schwäche im Westen kommen sie nicht umhin, die asiatische Karte zu spielen. Das zeigt ein Vergleich, der gerade die Deutschen berührt: Die Wirtschaftsleistung Asiens hat in den vergangenen vier Jahren um 32 Prozent zugelegt - während diejenige Europas und Amerikas stagnierte. „Damit gewann Asiens Volkswirtschaft jedes Jahr ein ‚ganzes Deutschland‘ hinzu: Angenommen, Deutschland wäre vor vier Jahren einfach über Nacht von der Landkarte verschwunden, hätte Asien dessen Wirtschaftsleistung Jahr für Jahr aufs Neue ersetzt“, sagt DBS-Ökonom Carbon.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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