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Arcandor-Versandgruppe Die „neue Quelle“ bekommt eine Chance

31.08.2009 ·  Die Katastrophe im Versandgeschäft ist vermieden worden. Zwar müssen 3700 Mitarbeiter den Primondo-Konzern verlassen. Eine neue Kreditlinie ermöglicht aber die Finanzierung des wichtigen Weihnachtsgeschäfts. Das erhöht die Überlebenschancen.

Von Rüdiger Köhn
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Die Finanzierung für den angeschlagenen Versandkonzern Primondo mit seiner Kernmarke Quelle scheint bis Jahresende gesichert. Nach Informationen dieser Zeitung sind die kreditgebenden Banken bereit, ein neues Finanzpaket zu schnüren. Damit bekommt Primondo, die zu dem ebenfalls insolventen Handels- und Tourismuskonzern Arcandor gehört, mehr Zeit für die Investorensuche. Die Kreditgeber scheint das Fortführungskonzept des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg zu überzeugen, das jedoch mit dem Abbau jedes dritten Arbeitsplatzes verbunden ist. Es ist zugleich Grundlage für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Dienstag.

Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass Bayern LB, Commerzbank und Valovis Bank als Forderungsfinanzierer von Quelle grundsätzlich bereit sind, im Konsortium eine weitere Kreditlinie bereitzustellen. Es spreche nichts dagegen, die Umsatzfinanzierung weiterlaufen zu lassen, heißt es. Damit soll sie auf alle Fälle bis Jahresende gesichert sein - was auch das für Primondo so wichtige Geschäft in den Monaten vor Weihnachten umfasst. In diesen Tagen laufen die Gespräche zwischen den Banken sowie dem vorläufigen Insolvenzverwalter Görg auf Hochtouren. Das Schnüren des Finanzpakets habe höchste Priorität, war von Beteiligten zu hören.

Damit kann das Amtsgericht am Dienstag das Insolvenzverfahren eröffnen und Görg als Insolvenzverwalter bestellen. Er erhält bei der Sanierung und der Suche nach Investoren in den nächsten Monaten Luft, die Sanierung voranzutreiben. Noch vor etwas mehr als zwei Wochen schlug Görg für viele überraschend Alarm, als er auf einer Pressekonferenz in Nürnberg sagte, dass die Finanzierung von Primondo längst nicht gesichert sei. Sollte nicht rechtzeitig eine Lösung mit den Banken gefunden werden, müssten andere Szenarien durchgespielt werden, hieß es damals. Damit wurde nicht ausgeschlossen, dass eine Abwicklung drohen könnte.

3700 Stellen werden abgebaut

Beobachter erwarten, dass eine Einigung über die Fortführung der Finanzierung im Grundsatz in diesen Tagen zu erzielen ist. Die Ausarbeitung des Vertragswerks braucht indes noch Zeit. Dabei drängt die Zeit, denn die bisherige Kreditlinie über 300 Millionen Euro läuft am 8. September aus. Sie wurde gewährt, nachdem der Bund sowie die Länder Bayern und Sachsen Ende Juni nach langen kontroversen politischen Verhandlungen einem Massekredit über 50 Millionen Euro zustimmten. Beobachter vermuten, dass die Kreditlinie für die Überbrückung bis Jahresende deutlich höher als die bisherigen 300 Millionen Euro ausfallen muss, da in den nächsten Monaten das Spitzengeschäft des Jahres anfällt - ganz im Gegensatz zu den eher ruhigen Sommermonaten.

Angeblich soll die bisher von den Banken bereitgestellte Kreditlinie auch schon zum großen Teil aufgebraucht sein. Das deutet darauf hin, dass Quelle trotz der Krise und trotz negativer Schlagzeilen eine relativ gute Auftragssituation in den vergangenen Wochen verzeichnete. Zahlen werden nicht genannt. Ein Sprecher von Quelle sagte, dass sich die Lage stabilisiert und man die Einbrüche von Kundenbestellungen von 50 Prozent im Juni hinter sich gelassen habe.

Das Finanzpaket ist erforderlich, weil der Versandhandel eigenen Regeln unterliegt. Die Valovis Bank übernimmt die erst später fälligen Kundenforderungen von Quelle und finanziert das operative Geschäft des Versenders vor, der damit wiederum Lieferungen bezahlen kann. Durch den Insolvenzantrag am 1. Juni brach die Finanzierung zusammen, die durch die Kreditlinie vorübergehend wieder gewährleistet war.

Auf der Pressekonferenz in Nürnberg sagte Görg Mitte August, dass dringend die Konditionen von Valovis für Quelle verbessert werden müssten, da sonst das Unternehmen nicht weitergeführt werden könne. Mit 18 Prozent der Kundenforderungen seien die Prämien doppelt so hoch wie vor der Insolvenz. Zu jenem Zeitpunkt musste die Bank wegen des gestiegenen Risikos höhere Absicherungen verlangen. Mittlerweile aber habe Görg ein schlüssiges und tragfähiges Zukunftskonzept für Primondo/Quelle vorgelegt. Daher spreche nichts gegen die Fortführung der Finanzierung und gegen die Rückkehr zu normaleren Konditionen.

Das Fortführungskonzept sieht allerdings den Abbau von 3700 der 10 500 Mitarbeiter in nur wenigen Monaten vor. Die 109 Technik-Center werden geschlossen. Die meist in ländlichen Regionen liegenden 1450 Quelle-Shops sollen um ein Drittel auf 1000 Standorte reduziert werden. Trotz der beträchtlichen Einschnitte zeichnete Görg ein positives Zukunftsbild für Primondo. Die "neue Quelle" könne im stationären Geschäft, im Universalversand mit dem Kataloggeschäft, dem Spezialversand, dem medialen Vertrieb (Fernsehsender HSE 24) sowie im elektronischen Handel bestehen.

19 Karstadt-Standorte von Schließung bedroht

Mit dem Verkaufsprozess von Primondo ist das Frankfurter Bankhaus Metzler beauftragt, von Karstadt die Investmentbank Merrill Lynch. Von den 126 Karstadt-Häusern sind laut Görg 19 Standorte von der Schließung bedroht. Die Warenhäuser gehören zur Essener Arcandor-Gruppe, deren Insolvenzverfahren ebenfalls am 1. September eröffnet werden soll. Für Karstadt strebt Görg ein Insolvenzplanverfahren an, was eine Eigenverwaltung ermöglicht und eine Zerschlagung verhindern könnte. Der Handelskonzern Metro mit seinen Kaufhof-Warenhäusern hat Interesse für rund 60 Häuser angemeldet.

Hinter den Kulissen kommt jedoch Kritik an dem sich hinauszögernden Verkaufsprozess für Karstadt hoch. Jetzt erst würde Merrill Lynch die Unterlagen für einen Verkauf zusammenstellen, heißt es in Branchenkreisen. Eine Prüfung durch Kaufinteressenten könne sich bis zum Jahresende hinziehen. Auch die erforderliche Prüfung durch das Kartellamt könne dauern, weshalb eine Übernahme womöglich erst im Frühjahr 2010 erfolgen könne. Görg selbst sagte, dass die Lage bei Karstadt wegen der günstigeren Liquiditätslage nicht so brenzlig sei. Er strebt den Verkauf der Warenhauskette als Ganzes an.

Deutlich schneller dürfte es mit dem Verkauf des Reiseunternehmens Thomas Cook gehen - das einzige gesunde und nicht in der Insolvenz befindliche Geschäft im Arcandor-Konzern. Es ist wie alle anderen Vermögensteile an Banken verpfändet. Hier soll der Beginn des Verkaufsprozesses unmittelbar bevorstehen. In Finanzkreisen heißt es, dass ein Verkauf bis Frühherbst erfolgt sein könnte.

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Jahrgang 1958, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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