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Arcandor Thomas Middelhoff soll länger Chef bleiben

 ·  Auf zwei Baustellen im Konzern will Thomas Middelhoff noch kräftig aufräumen: Im Warenhausgeschäft und im Versandhandel. Deshalb bleibt der Vorstandsvorsitzende von Arcandor jetzt doch ein Jahr länger auf seinem Posten als geplant.

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Thomas Middelhoff geht in die Verlängerung. Der Vorstandsvorsitzende des Essener Handels- und Touristik-Konzerns Arcandor soll die Geschicke des Unternehmens, das unter dem alten Namen Karstadt-Quelle 2004 in Existenznot geraten war, ein weiteres Jahr lenken. Am heutigen Mittwochmorgen ist der Aufsichtsrat noch vor Beginn der Hauptversammlung in der Düsseldorfer Stadthalle zusammengekommen, um in einer außerordentlichen Sitzung die Verlängerung des eigentlich Ende 2008 auslaufenden Vertrages zu beschließen. „Wichtige strategische Weichenstellungen in den Bereichen Warenhaus und Homeshopping sind derzeit in der Vorbereitung und ich will sie auch persönlich zum Abschluss bringen“, begründete Middelhoff, nachdem die Entscheidung publik geworden war.

Es ist nicht die einzige Personalie, die zu früher Stunde auf der Agenda des Gremiums stand. Wie die F.A.Z. aus unternehmensnahen Kreisen vorab erfahren hatte, wurde zudem Middelhoffs Kronprinz gekürt: Marc Sommer, im Vorstand für den Versandhandel zuständig, wurde zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden befördert. Das ist inzwischen bestätigt. Damit dürfte der Weg des in der Führungsriege längst als der Primus inter Pares geltenden Middelhoff-Vertrauten an die Arcandor-Spitze vorgezeichnet sein (F.A.Z. vom 21. April). Zudem rückt der Chef der Touristik-Tochtergesellschaft Thomas Cook, der Spanier Manny Fontenla-Novoa, in den Vorstand. Er verantwortet die für Umsatz und Ergebnis bei weitem wichtigste Konzernsparte.

Zwei Baustellen im Konzern

So ganz überraschend kommt die Nachricht, dass Middelhoff noch nicht von seinem Amt lassen will, freilich nicht. Schon vor wenigen Wochen hat er anklingen lassen, entgegen seiner oft zitierten persönlichen Lebensplanung doch noch nicht so schnell zu seinem früheren Arbeitgeber, der Investmentgesellschaft Investcorp, nach London zurückzukehren. Denn bis zum Jahresende wird er mit seinem großen Pensum in Essen kaum durch sein, und übermäßig prickelnd ist die Investmentbranche derzeit auch nicht.

Noch gibt es zwei Baustellen im Konzern, nämlich den unter dem Namen Primondo zusammengefassten Versandhandel und die Warenhäuser von Karstadt. Diese will der seit Mai 2005 amtierende Arcandor-Chef offenbar persönlich zum Abschluss bringen. „Bei all dem, was wir noch vorhaben, kann ich hier nicht einfach abhauen“, soll er im kleinen Kreis gesagt haben. Möglichst bis zum Frühsommer soll feststehen, wo künftig die Prioritäten bei möglichen größeren Zukäufen und Kooperationen gesetzt werden, hat er Anfang April in einem Pressegespräch angekündigt.

Verschiedene Optionen, Alternativen und Weichenstellungen

In diesem Zusammenhang sprach er von verschiedenen Optionen, Alternativen und wichtigen strategischen Weichenstellungen, die derzeit in allen Konzernsparten geprüft würden. Angeblich sollen ihn verschiedene Anteilseigner wie die Fonds Fidelity und Janus sowie die Großaktionärin Madeleine Schickedanz gebeten haben, weiterzumachen und erst 2010 in den Aufsichtsratsvorsitz zurückzukehren. Offenbar will sich Middelhoff auch daran messen lassen, ob er die schon vor geraumer Zeit gegebenen, durchaus ambitionierten Mittelfristprognosen wirklich schafft. Auch steht schließlich noch seine angesichts des derzeitigen Niveaus von 12 Euro reichlich kühne Kursprognose 40-Euro-plus im Raum. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) soll im Geschäftsjahr 2008/09 (30. September) 1,3 Milliarden Euro erreichen. Eine Prognose für das laufende Jahr war er bisher schuldig geblieben.

Diese hat er zur heutigen Hauptversammlung nachgereicht. Der Konzern plant ein bereinigtes Ebitda von mehr als 800 Millionen Euro. Gemessen am Vorjahr (auf Basis des Kalenderjahres) entspräche dies einem Plus von mehr als 300 Millionen Euro. Klar ist, dass das Ergebnis zum Großteil von der Touristiksparte eingefahren wird. Die Karstadt-Warenhäuser werden das verhagelte Auftaktquartal mit dem unbefriedigenden Weihnachtsgeschäft kaum aufholen können und hinter den Plänen zurückbleiben. Dafür soll sich der durch eine tiefe Restrukturierung gegangene Versandhandel mit seinen Auslandsaktivitäten, den Spezialversendern und dem E-Commerce deutlich besser als geplant entwickeln, ist zu hören. Warenhausunternehmen einschließlich der Immobilien und verkaufte ihm gut zu Karstadt passende Teile. Eine Alternative, zu der man sich in Essen jedoch noch sehr wortkarg gibt, wäre ein Zusammengehen von Karstadt mit internationalen Partnern.

Angeblich wird bereits mit Unternehmen in Spanien, Frankreich und auch in England gesprochen, um ähnliche Allianzen zu schaffen, wie sie für die Handvoll Premiumhäuser à la Ka-De-We und Alsterhaus geplant sind. Doch hier möchten die Aktionäre wohl erst einmal Vollzug der offenbar überaus zähen Verhandlungen über die angekündigte Überkreuzbeteiligung dieser Häuser mit der italienischen Warenhauskette La Rinascente und dem Pariser Nobelkaufhaus Printemps hören.

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

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