29.09.2009 · Der Stellenabbau ist voll im Gange: Eine Umfrage der F.A.Z. unter 24 großen Industrieunternehmen ergab, dass dort schon mehr als 30.000 Arbeitsplätze der Krise zum Opfer gefallen sind. Bald wollen viele auch noch die Zahl der Kurzarbeiter herunterfahren.
Viele deutsche Konzerne und Familienunternehmen wollen die Kurzarbeit bis zum Jahresende zurückfahren. Wie eine Umfrage der F.A.Z. unter 24 großen Industrieunternehmen ergeben hat, planen 38 Prozent, die Zahl ihrer Kurzarbeiter im vierten Quartal zu reduzieren. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, den jetzigen Umfang der Arbeitszeitverkürzung beibehalten zu wollen. Nur der Automobilhersteller Opel und der Maschinenbauer Gea wollen das Instrument verstärkt in Anspruch nehmen. Ford und MTU verzichten als einzige komplett auf Kurzarbeit. Insgesamt stehen die befragten Unternehmen für fast 1 Million Beschäftigte. Davon ist derzeit fast jeder fünfte Arbeitnehmer in Kurzarbeit.
Die Gründe für die Verringerung von Kurzarbeit sind unterschiedlich. Die zuletzt deutlich verbesserte Auftragslage des Chipherstellers Infineon führt dazu, dass von Oktober an alle bislang 8800 Kurzarbeiter wieder zur normalen Arbeitszeit zurückkehren. Allerdings weist das Unternehmen darauf hin, dass es die Kurzarbeit nur aussetzt und nicht aufhebt. Damit sei eine kurzfristige Rückkehr bei negativer Auftragsentwicklung möglich. Auch beim Autozulieferer Continental soll bald wieder die reguläre Arbeitszeit gelten. Zuvor war allerdings die Schließung einer Produktionsstätte in Frankreich beschlossen worden.
Insgesamt sind in den befragten Unternehmen schon mehr als 30.000 Arbeitsplätze der Wirtschaftskrise zum Opfer gefallen. Weite Teile des Stellenabbaus sind schon vollzogen worden. Allein der Stahlkonzern Thyssen Krupp hat in den ersten zehn Monaten dieses Jahres seine Belegschaft im Saldo um 12.000 reduziert. Opel soll nach den Plänen seines neuen Eigentümers Magna in Deutschland 4100 Stellen abbauen, darüber wollen die Gewerkschaften noch verhandeln. Auch der Technologiekonzern Rheinmetall hat seine Automotive-Sparte schon um 1500 Angestellte verkleinert, 1000 weitere Posten sind gefährdet. Dafür wurden in der Rüstungssparte seit dem vergangenen Jahr 2000 neue Stellen geschaffen. Einige Dax-Konzerne wie BASF, Daimler, Siemens und Volkswagen haben dagegen angekündigt, bis zum Jahresende auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu wollen.
Aktuell befinden sich in Deutschland fast 1,5 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Der Umfang der Arbeitzeitreduzierung beträgt je Betroffenem im Durchschnitt zwischen 30 und 40 Prozent. Die Zahl der Neuanträge hatte im Februar mit fast 700.000 ihren Höchststand erreicht, im August gingen weniger als 100.000 Anzeigen ein. Die Gesamtkosten für Kurzarbeit schätzt die Bundesagentur für Arbeit für 2009 auf 14 Milliarden Euro; davon trägt die Arbeitslosenversicherung 6 Milliarden, die Arbeitnehmer tragen durch Lohnverzicht 3 Milliarden und die Arbeitgeber trotz einiger Kostensenkungen noch 5 Milliarden Euro. Arbeitsmarktfachleute erwarten deshalb, dass sich Unternehmen im Winter vermehrt von Personal trennen und die Zahl der Arbeitslosen die Marke von 4 Millionen übersteigt.
Neben der Kurzarbeit machen einige Unternehmen im Südwesten auch von einer besonderen tarifvertraglichen Klausel Gebrauch, die es bei schlechter Wirtschaftslage ermöglicht, die Personalkapazitäten um bis zu 14 Prozent anzupassen. Für Arbeitgeber kann diese Variante preiswerter sein, weil die gesamten Lohnnebenkosten gesenkt werden. Im Falle von Kurzarbeit übernimmt die Arbeitslosenversicherung zwar einen großen Teil der Sozialversicherungsbeiträge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge muss der Arbeitgeber weiter im gewohnten Umfang tragen. So arbeiten im Zulieferunternehmen Bosch neben den 33.000 Kurzarbeitern auch 26.000 Mitarbeiter zu verringerten Bedingungen nach dem Tarifvertrag Beschäftigungssicherung. Beim Fahrzeughersteller Daimler nehmen sogar 77.000 eine solche Arbeitszeit- und Einkommenskürzung im Umfang von 8,75 Prozent hin. Dazu kommen noch die 41.000 Kurzarbeiter.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 8.957,47 | −0,50% |
| EUR/USD | 1,3274 | −0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 118,09 $ | −0,51% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |