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Arbeiten 4.0 : Geld verdienen von der Couch aus

Home Office: Flexible Arbeitsbedingungen sind in Deutschland (noch) unbeliebt. Bild: Picture-Alliance

Im Internet erledigen Auftragsarbeiter heute alles: Kleider einsortieren, Produkte beschreiben oder Softwares programmieren. Droht Deutschland ein Heer digitaler Tagelöhner?

          Johannes Christoph ist wählerisch. Der 27-Jährige nimmt längst nicht jeden Auftrag an, der ihm auf der Online-Plattform „Clickworker“ angeboten wird. Kleidung für Internet-Versandhändler in Kategorien einzusortieren zum Beispiel, das liegt ihm nicht. Denn um zu entscheiden, ob ein Kleid eher ein Freizeitkleid oder ein Jerseykleid ist, es sich um eine Bluse oder eine Tunika handelt, muss er erst eine Weile recherchieren. Weil es für jedes einsortierte Kleidungsstück nur Centbeträge gibt, lohnt sich das nicht – zu groß ist der Zeitaufwand. Besser läuft es mit den Ebay-Aufträgen. Hier gilt es, zu entscheiden, ob die Verkäufer ihre Produkte der richtigen Kategorie zugeordnet haben, Ersatzteile für Autos also nicht bei Motorrädern einsortiert sind. Dafür gibt es jeweils 14 Cent, zwei bis drei Teile schafft Christoph in der Minute. Das bringe 6 bis 7 Euro in der Stunde, sagt er.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Spaß? „Nein, Spaß macht das natürlich nicht“, sagt der Erfurter. Er müsste diese Arbeit auch gar nicht machen, schließlich hat er zwei halbe Stellen als Landschaftsarchitekt sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Doch ihm gefällt, dass er seine freie Zeit so besser nutzen kann. Wenn er im Fernbus sitzt oder zu Hause einen Film schaut, verdient er sich nebenbei ein bisschen was dazu. Mal kommen so im Monat 5 Euro zusammen, mal 80 Euro, mal 20 Euro, „ein nettes Taschengeld“, wie er sagt.

          So wie Christoph könnten bald noch viel mehr Menschen vom heimischen Computer aus Geld verdienen – ganz flexibel, wann immer sie Zeit haben und in einem Ausmaß, das sie selbst festlegen. Denn die Digitalisierung führt dazu, dass Unternehmen Projekte zunehmend in kleine Aufgaben zerlegen und über Plattformen wie „Mechnical Turk“ von Amazon oder „Elance-oDesk“ an eine große Menge Menschen auf der ganzen Welt auslagern – sogenannte Crowdworker. Allein auf der Clickworker-Seite sind nach Unternehmensangaben 700.000 Menschen registriert. Die Bandbreite an Aufträgen ist groß, in Frage kommt alles, was über das Internet abgewickelt werden kann: Adressen recherchieren, Preise im Supermarkt abfotografieren, Produkte in kurzen Texten beschreiben, Logos entwerfen, Software programmieren.

          Flexible Arbeitsverhältnisse sind unbeliebt

          Schon werden Befürchtungen laut, Deutschland könne sich zu einem Heer digitaler Tagelöhner entwickeln, das sich ohne soziale Sicherung, Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von einem Auftrag zum nächsten hangelt. Ob es so weit kommt, darf bezweifelt werden, überhaupt kann noch niemand mit Sicherheit sagen, wie die Arbeitswelt der Zukunft genau aussehen wird. Schon jetzt stellen sich Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und die großen Gewerkschaften aber die Frage, wie die soziale Absicherung von Erwerbstätigen sowie die Finanzierbarkeit der Sozialsysteme in der digitalen Arbeitswelt funktionieren sollen. Unter dem Stichwort „Arbeiten 4.0“ hat Nahles deshalb schon im Frühjahr einen Dialogprozess zur Digitalisierung der Arbeit angestoßen. Die Gewerkschaft IG Metall hat ein eigenes Internetportal zum Thema gestartet, das Rechtsrat und Bewertung verschiedenen Crowdworking-Anbieter bietet.

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