Jonathan Ive könnte es sich leisten, ein bisschen dick aufzutragen. Als Designchef des amerikanischen Apple-Konzerns ist er der kreative Kopf hinter einigen der begehrtesten elektronischen Geräte der vergangenen Jahre, vom digitalen Musikspieler iPod bis zum Multimediahandy iPhone. Erfolge wie diese haben dafür gesorgt, dass es um den neuen Tablet-Computer iPad schon vor seiner Enthüllung am Mittwoch eine öffentliche Hysterie gab. Und doch will Ive keine großen Töne spucken. "Jedes Mal, wenn wir von vorne anfangen, habe ich panische Angst, dass wir Mist bauen", hat er einmal über den Beginn seines Designprozesses gesagt. Und am Ende sei er nie ganz zufrieden. Er sei jedes Mal vom Gedanken verfolgt, was er hätte besser machen können.
Dieser Hang zum Grübeln passt zu einem Mann wie Ive, der sich nicht ins Rampenlicht drängt. Ive ist in gewisser Weise das krasse Gegenteil des Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs, der die öffentlichen Präsentationen der neuesten Apple-Produkte geradezu zelebriert. Auch jetzt bei der Vorstellung des iPad beanspruchte Jobs die meiste Zeit auf der Bühne für sich. Und doch sind Ive und Jobs ein Stück weit aus demselben Holz geschnitzt: Sie teilen die Designphilosophie, mit der Apple zu einem der erfolgreichsten Technologieunternehmen der vergangenen Jahre geworden ist. Sie wollen die Menschen mit Geräten in den Bann ziehen, die schlicht und edel aussehen, ohne Schnickschnack auskommen und einfach zu bedienen sind.
Traditionelle Benutzerfreundlichkeit
Diese bei Apple traditionelle Benutzerfreundlichkeit hat den 42 Jahre alten gebürtigen Briten Ive schon fasziniert, als er noch ein Student war. In einem Interview hat er einmal erzählt, wie es ihn begeistert hat, als er sich zum ersten Mal an einen Macintosh-Computer gesetzt hat und ihn intuitiv und ohne jegliche Anleitung bedienen konnte. Ive hat Industriedesign an der Northumbria University in Newcastle studiert. Nach seinem Abschluss im Jahr 1989 war er Mitgründer einer kleinen Designfirma namens Tangerine, wo er die unterschiedlichsten Produkte kreierte, von Werkzeugen bis zu Toiletten. Hier arbeitete er auch an einem Projekt für Apple - und hinterließ einen derart bleibenden Eindruck, dass der Konzern ihn im Jahr 1992 anheuerte.
Vier Jahre später, als Ive gerade einmal 29 Jahre alt war, wurde er Designchef. Trotzdem waren dies keine guten Zeiten für Apple: Das Unternehmen war nach einigen Produktflops schwer angeschlagen. Die Kehrtwende begann 1997, als der einst aus dem Unternehmen gedrängte Mitgründer Steve Jobs zurückkehrte. Jobs räumte bei Apple auf, und dem wäre auch Ive fast zum Opfer gefallen. Aber schließlich realisierte Jobs, dass er mit seinen Vorstellungen mit Ive auf einer Wellenlänge liegt. Schon im Jahr 1998 gelang Jobs und Ive der erste Design-Paukenschlag, als der mit einem halbdurchsichtigen Plastikgehäuse ausgestattete iMac-Computer zu einer Sensation wurde. Seither folgten Verkaufsschlager wie der iPod und das iPhone, die im Design ebenfalls Maßstäbe setzten.
Aston Martin, die einzige Extravaganz
Ive und sein Designteam sind eine überschaubare Gruppe von etwa einem Dutzend Mitarbeitern. Sie sind keine abgeschottete Kreativabteilung, sondern arbeiten eng mit anderen Teams wie Ingenieuren oder dem Marketing zusammen.
Ive lebt zurückgezogen mit seiner Frau und seinen Zwillingssöhnen in einem Vorort von San Francisco. Zu den wenigen Extravaganzen, die er sich leistet, soll ein Aston Martin gehören. Auch wenn Ive kein Mann des großen Auftritts ist, ist ihm doch öffentliche Bestätigung nicht ganz gleichgültig. Es sei immer wieder ein großartiges Gefühl, wenn er im Flugzeug neben Menschen sitze, die Apple-Produkte benutzen, hat er einmal gesagt.
Jony Ive is a Master of Arts!
Jonas Happel (JHappel)
- 28.01.2010, 20:17 Uhr
das erbe von dieter rams
christoph bartscherer (derbrenner)
- 29.01.2010, 00:31 Uhr
Mein Bruder kann sein MacBook nicht bedienen
fritz Teich (fazfazfaz123)
- 29.01.2010, 01:21 Uhr
@ Herr Teich
Ralph Kraemer (RalphKraemer)
- 29.01.2010, 13:29 Uhr
