http://www.faz.net/-gqe-965y9

Wertvollstes Unternehmen : Apple vor größter Steuerzahlung aller Zeiten

Macht eine milliardenschwere Ansage: Apple-Chef Tim Cook Bild: dpa

Nach Donald Trumps Steuerreform kündigt Apple hohe Investitionen in Amerika an - und 20.000 Arbeitsplätze. Eines aber wird nicht kommen.

          Der Elektronikkonzern Apple reiht sich in den Kreis der amerikanischen Unternehmen ein, die nach der Verabschiedung der Steuerreform in ihrem Land Investitionen versprechen. Apple teilte mit, in seiner Heimat in den nächsten fünf Jahren 20.000 neue Arbeitsplätze schaffen und 30 Milliarden Dollar investieren zu wollen. Von dem Betrag sollen 10 Milliarden Dollar in Rechenzentren fließen. Das Unternehmen will außerdem einen neuen Campus eröffnen, der Standort dafür soll noch in diesem Jahr bekanntgegeben werden. Dieser Campus sei zunächst für einen technischen Kundendienst gedacht. Derzeit beschäftigt Apple nach eigener Aussage 84.000 Menschen in den Vereinigten Staaten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Apple rechnet der Mitteilung zufolge außerdem damit, 38 Milliarden Dollar Steuern für die Rückführung von Auslandsgewinnen zu bezahlen. Dies sei „wahrscheinlich“ die größte Steuerzahlung aller Zeiten. Apple hortet derzeit mehr als 250 Milliarden Dollar im Ausland, und die Steuerreform ermöglicht es dem Unternehmen, das Geld zu einem reduzierten Satz zurückzubringen. Je nachdem, wie liquide die Mittel sind, ist jetzt nur noch ein Steuersatz von 15,5 oder 8 Prozent vorgesehen, anstatt der früher fälligen 35 Prozent. Gerade Unternehmen aus der Technologiebranche haben bislang viel Geld aus dem Ausland, bei der Alphabet-Holding um Google sind es zum Beispiel mehr als 60 Milliarden Dollar. Apple ist aber unangefochtener Spitzenreiter. Diesen Unternehmen wird oft vorgeworfen, nur deshalb so viel Geld im Ausland zu haben, weil sie mit diversen Kniffen Gewinne zwischen Steueroasen hin- und herschieben.

          Apple kündigte am Mittwoch außerdem an, einen Fonds, der zur Unterstützung der verarbeitenden Industrie in Amerika gedacht ist, von einer Milliarde auf fünf Milliarden Dollar aufzustocken. Mit dem Fonds will Apple innovative Produktionsmethoden in verschiedenen Unternehmen unterstützen. Beispielsweise hat der Konzern 200 Millionen Dollar in den Glashersteller Corning investiert, der zu seinen Lieferanten gehört.

          Lesen Sie hier das F.A.Z.-Interview mit dem Apple-Chef Tim Cook: „Hoffentlich seid ihr Deutschen richtig stolz auf euch“

          Was all diese Versprechungen aber nicht beinhalten, sind eigene Fertigungsstätten in den Vereinigten Staaten. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte vor rund einem Jahr für Verblüffung gesorgt, als er sagte, Apple-Vorstandsvorsitzender Tim Cook habe ihm versprochen, drei Werke in Amerika zu errichten. Er werde sich dabei um schöne und große („big, big, big“) Fabriken handeln. Cook hat dies nie bestätigt. Es wäre auch ein radikaler Strategiewechsel für Apple. Der Konzern lässt seine Geräte bislang überwiegend im Ausland produzieren und setzt dabei Auftragshersteller wie Foxconn ein. Es gibt zwar zwei kleinere Produktionsstätten in den Vereinigten Staaten, in denen Apples Macintosh-Computer hergestellt werden, aber auch das von Auftragsfertigern.

          In der vergangenen Woche hatte der Autohersteller Fiat Chrysler Automobiles angekündigt, zum Teil wegen der Steuerreform Produktionskapazitäten von Mexiko in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Viele andere Unternehmen wie Wal-Mart, AT&T oder Wells Fargo haben ebenfalls Investitionen, Gehaltserhöhungen oder Sonderboni für ihre Mitarbeiter versprochen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt

          Digitaler Marktplatz : Wie die Deutsche Bank von Amazon und Airbnb lernt

          Internetkonzerne bauen eigene Bezahlsysteme auf – und sind damit Vorbild und Bedrohung zugleich. Die Deutsche Bank gibt sich aber nicht geschlagen und arbeitet an einer eigenen Finanzplattform, die mehr als die eigenen Produkte zeigen soll.

          Brexit-Verhandlungen : Schlichtweg inakzeptabel

          Die Zurückweisung auf dem EU-Treffen in Salzburg hat die Briten schockiert. Premierministerin Theresa May reagiert trotzig. Die Gegner ihres Plans im Land sehen sich aber bestätigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.