25.11.2009 · Apple kann bislang auf eine loyale Fangemeinde zählen: Wem sonst gelingt es, eine solche Hysterie zu schüren wie bei der Einführung des iPhone? Als ernster Rivale aber kristallisiert sich mehr und mehr Google heraus. Zwei gegensätzliche Denkschulen prallen aufeinander.
Von Roland Lindner, New YorkWenn es um Apple geht, scheint es keine Wirtschaftskrise zu geben. Der amerikanische Computer- und Elektronikkonzern hat unlängst einen neuen Laden in New York eröffnet und keine Kosten gescheut. Es ist ein pompöser Einkaufspalast, im Stil ganz ähnlich dem Geschäft mit dem berühmten Glaswürfel an der Fifth Avenue. Hunderte Menschen warteten geduldig im Regen, bis sich die Türen öffneten. Von Konsumzurückhaltung bei Apple keine Spur, das zeigte kürzlich auch ein glänzender Quartalsbericht. An der Börse liegt Apple, gemessen an der Marktkapitalisierung, gleichauf mit dem Internetkonzern Google. Aus der Technologiebranche wird nur der Softwarekonzern Microsoft noch höher bewertet. Viele Beobachter sehen den Tag kommen, an dem Apple vorbeizieht. Die Zeitschrift "Fortune" hat Mitgründer und Vorstandschef Steve Jobs gerade zum "CEO des Jahrzehnts" erklärt.
Was für eine Zeitenwende, verglichen mit den trüben Tagen 1997. Der einstige Pionier im Computermarkt war damals nach Produktflops schwer angeschlagen. Apple musste sich ausgerechnet vom Erzfeind Microsoft mit einer Kapitalspritze helfen lassen. Kleinlaut gab Steve Jobs zu, er brauche jede Unterstützung, die er kriegen könne.
Heute blickt Apple auf einen phänomenalen Wiederaufstieg zurück. Jobs' Ambitionen reichten dabei viel weiter, als das Stammgeschäft mit Computern zu beleben. Apple ist heute ein breitaufgestellter Elektronikgigant. Das Unternehmen hat neue Märkte nicht nur erschlossen, sondern aufgemischt. Mit dem Musikspieler iPod und dem zugehörigen Online-Dienst iTunes eroberte Apple aus dem Stand eine beherrschende Position in der Vermarktung digitaler Musik. Vorher hatte die Musikbranche jahrelang über Raubkopien im Internet geklagt, aber selbst keine kostenpflichtige Alternative zustande gebracht. Mit dem Multimedia-Handy iPhone hat Apple dazu beigetragen, solche Smartphones in der breiten Masse zu etablieren. Und nebenbei hat Apple mit dem App Store und den darin verkauften Anwendungen für das iPhone die Marktgesetze umgeschrieben. Das Angebot an solchen Applikationen zählt in der Handybranche jetzt zu den wichtigsten Erfolgskriterien.
Apple setzt auf Verführung
Steve Jobs hat mit Apple ein untrügliches Gespür bewiesen, Begehrlichkeiten bei Verbrauchern zu wecken. Wem sonst gelingt es, eine Hysterie zu schüren wie bei der Einführung des iPhone, das schon vor dem Verkaufsstart von Apple-Fans als "Jesus Phone" verehrt wurde? Während etwa die meisten Computer austauschbare Gebrauchsmaschinen sind, setzt Apple bei allen Geräten auf Verführung. Das gilt nicht nur für das Design, sondern auch für die Funktionalität. Apple hat seit je Maßstäbe in der Bedienerfreundlichkeit gesetzt, von der ersten grafischen Benutzeroberfläche der frühen Macintosh-Computer bis zum berührungsempfindlichen Touchscreen beim iPhone.
Und doch verwundert die Ergebenheit der Apple-Gemeinde auch. Die Trends zu Offenheit und Standardisierung etwa lässt Apple an sich abprallen. Abgesehen von einigen Ausnahmen, sperrt Apple die Nutzer in seinen eigenen Standards ein. iPhone und iPod bilden mit iTunes und dem App Store ein geschlossenes System, das nicht mit anderen Geräten und Online-Diensten arbeiten kann. Auch Ärgernisse wie die nicht auswechselbaren Batterien von iPod und iPhone werden von den Nutzern klaglos akzeptiert. Und obwohl Apple sich gerne technischer Überlegenheit brüstet, gibt es genügend Geschichten über iPods und iPhones, die nach kurzer Zeit defekt sind. Aber Apple hat seine Kunden so gut trainiert, dass Langlebigkeit offenbar nicht so entscheidend ist. Apple aktualisiert seine Produkte häufig, viele Nutzer ersetzen ihre Geräte bald, weil sie das neueste Modell haben wollen.
Apple fehlt es nicht an Herausforderern. Mehr und mehr kristallisiert sich Google als Konkurrent heraus. Google greift das iPhone mit dem Handy-Betriebssystem Android an, bald soll ein Betriebssystem für Computer mit dem Namen Chrome OS folgen.
Geschlossenes System versus offene Standards
Es wird faszinierend sein, die aufkeimende Rivalität zwischen Apple und Google zu verfolgen, zumal die beiden Unternehmen für zwei gegensätzliche Denkschulen stehen. Während Apple sein geschlossenes System verteidigt, propagiert Google offene Standards. Während Apple die Unverwechselbarkeit seiner Geräte kultiviert, treibt Google mit seinem internetbasierten Betriebssystem die Irrelevanz der Hardware voran. Denn der Computer ist für Google nicht viel mehr als ein Vehikel für den Zugang ins Internet.
Bislang kann Apple auf seine loyale Fangemeinde zählen, die gerade sehnsüchtig auf das nächste Produkt wartet. Es soll ein Tablet-Computer sein, eine Mischung aus Laptop und iPhone. So ausgeprägt die Begeisterungsfähigkeit für Apple indessen ist, so groß ist auch das Potential für Enttäuschungen. Denn nach den Erfolgen des iPod und des iPhone ist die Erwartungshaltung immens. Das Unternehmen hat sich selbst dazu verdammt, mit jeder neuen Produktkategorie einen großen Wurf landen zu müssen. Und dafür gibt es nicht einmal bei Apple eine Garantie.
Unterschiedliche Denkschulen
Andreas Rehbock (odr2010)
- 25.11.2009, 18:12 Uhr
Na dann mal wieder herzlich willkommen zu schönen Tagen im Klischee
Bernd Michalski (michalski2)
- 25.11.2009, 18:38 Uhr
Zwei Gemeinden
Sebastian Rothe (noyport)
- 25.11.2009, 18:48 Uhr
Mir schmecken Äpfel viel besser, als ein Googol
Albert Genser (agens1)
- 25.11.2009, 19:26 Uhr
Ich weiß ja nicht...
Wolfgang Müller (muellerw2)
- 25.11.2009, 19:47 Uhr
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