Apple hat schon viele Menschen glücklich gemacht. Einen wie Forrest Gump zum Beispiel. Der konnte sich im gleichnamigen Hollywood-Film in Person des ihn darstellenden Schauspielers Tom Hanks 1994 mit sympathischer Naivität über den Erfolg freuen, den Apple in der ersten Amtszeit seines Mitbegründers und langjährigen Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs erlebte - und der über eine lukrative Aktienanlage auf ihn abgefärbt hatte. Jobs hatte das Unternehmen zwar schon neun Jahre zuvor verlassen müssen, aber - und das ist ein interessanter Zufall - erst auf die Freude von Forrest Gump über sein Apple-Aktienvermögen sollte eine mehrjährige, echte Durststrecke für das tatsächliche Unternehmen und seine Aktionäre folgen.
Im Jahr 1997 schließlich stand Apple vor dem Abgrund. Steve Jobs durfte zurückkehren. Danach erlebte man, im Gleichschritt mit anderen Technologieaktien, einen kurzen Aufschwung des Apple-Aktienkurses. Doch nach dem Jahr 2001 galt es, schon sehr fest an Jobs und seine Visionen zu glauben, um in Apple-Aktien zu investieren.
Das Leben schreibt die Geschichten anders
Rückblickend, das steht nun fest, hätte man einfach nur so unerschütterlich sein müssen wie ein „Forrest, Forrest Gump“, wie er im Film zu sagen pflegte. Der Autor dieser Zeilen, damals Korrespondent dieser Zeitung in den Vereinigten Staaten, war es nicht: lange Geduld gehabt, die Aktien aber kurz vor der Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2003 dann doch verkauft. So lautet die Bilanz, die bis heute den Gegenwert von zwei Einfamilienhäusern gekostet hat, die man hätte kaufen können, wären die Aktien damals im Depot verblieben.
Das Leben schreibt die Geschichten eben nicht so wie die Drehbuchautoren in Hollywood oder wie die Redakteure einer englischen Wirtschaftszeitung. Denn die haben in dieser Woche in ihrer „Financial Times“ eine interessante Rechnung angestellt: Hätte man im November 2001 den ersten iPod, also den digitalen Musikspieler von Apple, zum Preis von 399 Dollar eben nicht gekauft, sondern diesen Betrag in Apple-Aktien investiert, hätte man dafür heute 26.000 Dollar auf dem Konto.
In der ersten Zeit wäre es dabei weiterhin nur langsam vorwärts gegangen. Im Oktober 2003 aber, dem Zeitpunkt, zu dem Apple seinen „iTunes-Music-Store“ ins Leben gerufen hat, also den Verkauf von Musik über das Internet, waren die Aktien rund 500 Dollar wert, im Januar 2005 schon 1450 Dollar, und vielleicht wäre man im Juni 2007 bei einem Kurswert von 5200 Dollar schon schwach geworden und hätte den Gewinn mitgenommen. Das aber wäre schon wieder ein Fehler gewesen. Denn in diesem Fall hätte sich weitere Geduld im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt: Mit der Veröffentlichung des ersten Tabletcomputers iPad im April 2010 hätte der Depotwert 10.150 Dollar betragen und wäre danach, ungeachtet aller weiteren Auseinandersetzungen über die Zukunft der Banken, des Euro, die Schulden von Griechenland, die Schulden Amerikas oder das Wirtschaftswachstum in China stetig auf den heute erreichten Betrag gestiegen.
Eigentlich kann es so nicht weitergehen
Der ehemalige Apple-Aktionär von 2001 kann da schon wehmütig werden: Erinnerungen werden wach, zum Beispiel an das Gespräch mit dem Kollegen, der für den Musikmarkt zuständig ist, irgendwann im Jahr 2005. „Ist es nicht vielleicht doch jetzt Zeit, wieder bei Apple einzusteigen?“, lautete die Frage an den Fachmann. Schließlich zeichnete sich ab, dass Apple sich eben mit dem „iTunes-Music-Store“ einen großen Anteil am künftig immer wichtigeren Markt für digitale Musik herausschneiden würde. Doch der Kollege riet ab: „Der Markt ist, gemessen am Gesamtvolumen der Musikverkäufe, doch immer noch recht klein“, sagte er. Und niemand wisse, wie viel Geld Apple mit seinem Musiksalat überhaupt verdiene. Das mag bis heute stimmen; doch war auch dieser Rat rückblickend der falsche.
Eine weitere Erinnerung schwirrt durch den Kopf: ein Besuch im damals frisch eröffneten Frankfurter Apple Store im Januar 2010. Der Sohn besuchte einen der dort angebotenen Kurse, in diesem Fall zum Umgang mit dem Apple-Programm „Garage Band“, das die Komposition eigener Musikstücke am Computer ermöglicht. Es war faszinierend zu sehen, wie schnell er mit dem Programm umgehen konnte, aber noch interessanter war es, die Menschen in dem Geschäft zu beobachten: Kunden aller Altersklassen besuchten den Laden und kauften, kauften und kauften. Dabei lag das Weihnachtsfest gerade erst einen guten Monat zurück. Auch in diesem Moment lag der Gedanke nahe, doch einmal wieder in Apple-Aktien zu investieren. Andererseits: Der Kurs hatte schon längst 300 Dollar je Aktie erreicht, und man konnte durchaus Befürchtungen zum Gesundheitszustand von Steve Jobs haben.
Wieder war es ein Fehler, so vorsichtig geblieben zu sein. Heute stehen die Aktien von Apple in der Nähe von Kursen von 600 Dollar, und schon wieder fragt sich die Welt, wie lange es mit Apple noch so gut laufen wird. Der angstvolle Blick auf das Kurschart zeigt, wenn man Erfahrungswerte der Vergangenheit berücksichtigt, dass es so eigentlich nicht weitergehen kann. Entsprechend interessiert sind die Anleger auch in Deutschland an Hebelprodukten auf die Apple-Aktie, also Kaufs- oder Verkaufsoptionen, mit denen sich richtig viel Geld verdienen ließe, begönne der Kurs einen stetigen Abstieg - oder ginge der stetige Kursanstieg weiter: „In der vergangenen Woche machten Optionsscheine oder sogenannte Knock-out-Produkte auf Apple rund ein Fünftel aller Umsätze in Hebelpapieren auf deutsche, europäische und amerikanische Aktien aus“, hat Nicolai Tietze, ein Derivate-Fachmann der Deutschen Bank, beobachtet.
Apple macht inzwischen mehr Umsatz als IBM
Zunächst gilt es festzuhalten: Selbst die Ankündigung einer Dividendenzahlung und von Aktienrückkäufen, die gemeinhin darauf hindeuten, dass einem einst innovativen Unternehmen die Ideen ausgehen, konnte den weiteren Anstieg des Apple-Aktienkurses in dieser Woche nicht bremsen. Denn der neue Vorstandsvorsitzende Tim Cook, der Nachfolger des im vergangenen Oktober unter großer öffentlicher Anteilnahme verstorbenen Jobs, ist anders als sein Vorgänger zwar kein Visionär; er konnte den Investoren aber glaubhaft versichern, dass Apple trotz dieser Zahlungen das Geld für den möglichen Kauf von Unternehmen oder für die Forschung und Entwicklung an neuen Technologien und Produkten nicht ausgehen wird. Seine Rechnung geht so: Zwar schüttet Apple in den kommenden drei Jahren 45 Milliarden Dollar seiner derzeitigen Barreserven von knapp 100 Milliarden Dollar aus. Doch sind zuletzt binnen Jahresfrist 38 Milliarden zusätzliche Dollar in die Kassen von Apple gespült worden.
Und wenn man auf das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) schaut, das üblicherweise zur Beantwortung der Frage herangezogen wird, ob eine Aktie überbewertet ist oder nicht, blickt man hier auf ein mageres KGV von 17 (gemessen am Gewinn der vergangenen zwölf Monate) oder von 12 (mit Blick auf die Ergebniserwartungen der Analysten für die nahe Zukunft) - und das ist immer noch ein recht niedriger Wert, nur knapp oberhalb der Bewertung zum Beispiel von IBM. Zudem: Apple macht mit rund 108 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr inzwischen mehr Geschäfte als IBM mit rund 107 Milliarden Dollar; seither dürfte der Abstand noch größer geworden sein.
Was hat Apple als nächstes im Köcher?
Erst in dieser Woche wurde ein bekannter amerikanischer Investor gefragt, was er kaufen würde, wenn er das ganze Geld seiner Venture-Capital-Gesellschaft Andreessen Horowitz auf eine Karte setzen müsste und nur Apple und Google zur Auswahl hätte. Ben Horowitz sagte nach einigem Zögern: „Apple.“ Zuvor hatte er ausgeführt, warum Apple auch im Rennen der mobilen Computerplattformen gegen Googles Android-System Sieger bleiben wird. Der Grund: die sehr viel höheren Margen, die Apple mit seinen Produkten erzielt, aber auch die höheren Umsätze, die die Anbieter von Apps auf der Apple-Plattform machen. Auch hier punktet Apple mit großen Zahlen. So wurde Anfang März die Zahl von 25 Milliarden Apps erreicht, die von den Nutzern der mehr als 315 Millionen iPhone-, iPad- und iPod-touch-Geräte auf der Welt heruntergeladen worden sind.
Aber Fachleute sind sich auch darin einig, dass Apple doch alle zwei Jahre ein wegweisendes neues Produkt braucht, um seinen Höhenflug fortzusetzen. Seit dem Tod von Jobs und dem Erscheinen seiner autorisierten Biographie geht man davon aus, dass dies ein Fernseher von Apple sein wird. Gut möglich, dass die Welt, die sich in diesen Tagen auf das neueste iPad-Modell mit seinem offenbar brillanten Bildschirm stürzt, auch von diesem Fernseher so begeistert sein wird, dass Apple die etablierten Hersteller von Fernsehgeräten das Fürchten lehren kann.
Doch schon kurz danach wird sich wieder die Frage stellen, was Apple als Nächstes im Köcher hat. Und danach wieder. Und es wird nicht ewig möglich sein, die Erfolgsgeschichte mit Computerprodukten fortzusetzen. Längst wird darüber spekuliert, dass Apple sein vieles Geld eines Tages dazu nutzen könnte, eine völlig neue Idee zu verfolgen, in einen gänzlich neuen Markt einzusteigen. Und mancher vermutet, dass dies zum Beispiel die Elektromobilität sein könnte. Jetzt müsste man nur noch wissen, was Forrest Gump dazu denkt.
Fahnenstange
Jürgen Clasen (Heini1946)
- 24.03.2012, 13:03 Uhr
Brauchen wir immer neue Dudelanlagen?
Martin Gutensohn (Gurnemanz)
- 24.03.2012, 12:45 Uhr
Im Prinzip ja, in Deutschland sind Aktien kein Thema.
Bernhard Winkler (Wizzard_42)
- 24.03.2012, 11:54 Uhr
Es ist ein Irrtum zu glauben,
Markus Wurz (vhs43)
- 24.03.2012, 09:44 Uhr
